Die russische Regierungsumbildung hat weit reichende Folgen für Grosskonzerne: Sowohl Gazprom als auch Rosneft könnten neue Spitzen erhalten. Das gesamte Wochenende, so die Wirtschaftszeitung «Wedomosti», hätten Konsultationen stattgefunden. Putin muss offenbar vor allem die Verlierer unterbringen. Den Informationen der Zeitung zufolge gilt es als wahrscheinlich, dass Dmitri Medwedjew, Erster Vizepremier und bisher einer der beiden inoffiziellen Kronprinzen für die Putin-Nachfolge, aus der Regierung ausscheidet.

Der Posten eines Gazprom-Chefs wäre eine logische Fortsetzung seiner Karriere, meint das dortige Management. Medwedjew ist derzeit Aufsichtsratsvorsitzender des Erdgas-Monopolisten. Er könnte, wenn Putin dem zustimmt, den Vorstandsposten von Alexej Miller übernehmen, der von einer nicht näher bekannten chronischen Krankheit geplagt wird.

Minister räumen das Feld

Medwedjews bisheriger Konkurrent um die Nachfolge im Präsidentenamt, Sergej Iwanow, wird nach Meinung von «Wedomosti» seinen Posten in der Regierung behalten, während die meisten bisherigen Minister das Feld wohl räumen müssen. Ihre Rücktrittsgesuche liegen bei Putin. Bei Ex-Premier Michail Fradkow hat er es bereits angenommen. Fradkow wird inzwischen als Chef von Transneft gehandelt. Dem Staatskonzern gehören sämtliche Erdölpipelines des Landes. Dessen bisheriger Präsident, Semjon Wainschtok, war in der vergangenen Woche von Putin mit der Leitung der Staatskorporation zur Gestaltung der Olympischen Winterspiele in Sotschi 2014 betraut worden. Dafür stehen ihm 300 Mrd Rubel (rund 8,5 Mrd Euro) zur Verfügung.
Für den Job bei Transneft käme allerdings anderen Quellen zufolge auch der bisher noch amtierende Industrie- und Energieminister Viktor Christenko oder der gegenwärtige Rosneft-Präsident Sergej Bogdantschikow infrage, berichtete die Agentur Nakanune.ru. Christenko wird allerdings auch im Zusammenhang mit Rosneft erwähnt. Nach der vergleichsweise herben Kritik des neuen Premiers Subkow an der Tätigkeit dieser Behörde wird die ministerielle Karriere Christenkos wohl zu Ende gehen.
Das gleiche Schicksal soll dem Vernehmen nach das Verteidigungsministerium erleiden, dem bisher die Wissenschaft zugeordnet war. Der Wissenschaftsbereich, so «Wedomosti», werde künftig wieder dem Industrieministerium angegliedert.

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