Trotz der niedrigen Ölpreise erwarten Analysten keine durchgreifenden Förderkürzungen. Experten von Barclays, Macquarie, Société Générale und anderen Finanzhäusern äusserten sich am Donnerstag skeptisch, dass die massgeblichen Produzenten sich auf eine Drosselung einigen werden.

Äusserungen des russischen Energieministers Alexander Nowak, wonach Saudi-Arabien eine koordinierte Senkung des Ausstosses um bis zu fünf Prozent vorschlägt, nährten an den Märkten lediglich «falsche Hoffnung», konstatierte Michael D. Cohen von Barclays. «Gerüchte über eine Kürzung der Opec sind wahrscheinlich nur ein Versuch, die Stimmung am Markt zu ändern», führte er aus.

Viele offene Fragen

Macquarie-Analyst Vikas Dwivedi äusserte die Einschätzung, Nowaks Vorstoss sei keinesfalls als Hinweis darauf zu werten, dass die genannten Vorschläge auch Realität werden. Der russische Minister hatte selbst eingeschränkt: «Es gibt noch viele Fragen, was die Kontrolle der Kürzungen angeht.»

Anzeige

An den Märkten hatten Nowaks Andeutungen allerdings für Erleichterung gesorgt. Die Ölpreise zogen zeitweise deutlich an. Sie gaben ihre Gewinne später aber wieder grösstenteils ab, nachdem in Medien Kreise aus der Golfregion zitiert wurden, wonach es keine Pläne zur Umsetzung solcher Drosselungen gibt.

Widerspenstige Saudis

Saudi-Arabien hat bereits deutlich gemacht, dass es seine Fördermengen nicht reduzieren werde ohne Abstimmung mit dem Irak, dem Iran und Russland.

Experte Michael Wittner von Société Générale hält eine Verständigung unter den vier Staaten für unwahrscheinlich. Der Iran sei nach dem Ende westlicher Sanktionen daran interessiert, seine Förderung auszubauen, erläuterte er. Selbst wenn es zu der von Nowak ins Spiel gebrachten Kürzung Russlands und der Opec um jeweils fünf Prozent käme, würde dies kaum grosse Auswirkungen haben, ergänzte Wittner.

(reuters/ise)