Bei dem Bahnunglück am Donnerstagmorgen in Neuhausen am Rheinfall SH ist ein Sachschaden von rund 1,5 Millionen Franken entstanden. Zwei S-Bahnen stiessen zusammen und 17 Personen wurden verletzt, neun davon mussten ins Krankenhaus. Acht haben das Spital noch am selben Tag verlassen.

Die Bergungsarbeiten sind um 4 Uhr abgeschlossen worden, wie SBB-Mediensprecher Reto Schärli auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda sagte. Der Verkehr laufe wieder normal. Auch der kriminaltechnische Dienst der Schaffhauser Polizei habe seine Arbeit beendet, sagte Polizeisprecher Patrick Caprez.

Der Unfall wird nun von der Schweizerischen Unfalluntersuchungsstelle SUST untersucht. Erkenntnisse zur Unfallursache gebe es noch keine, sagte Walter Kobelt, Leiter Bahnen und Schiffe der SUST, gegenüber der sda. Zuerst müssten die Fahrtenschreiber und die Stellwerkprotokolle ausgewertet sowie die Lokführer befragt werden. Er geht von einer Schadensumme von rund 1,5 Millionen Franken aus.

Lokführer sollen sich in Sicherheit bringen

Dass der Zusammenstoss des SBB-Doppelstockzugs mit einer Thurbo-Komposition so glimpflich abgelaufen ist, liegt zum einen daran, dass die Züge nicht schnell gefahren sind. Der Thurbo hatte gerade den Bahnhof verlassen, der Doppelstockzug wollte in diesen einfahren. Zum anderen hat der Thurbo eine grosse Knautschzone, wie Kobelt sagte.

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Der Doppelstockzug wiegt rund 4 Mal mehr als der Thurbo und hat diesen rund 20 Meter auf dem Gleis zurückgeschoben. Dabei ist die Lokomotive des Doppelstockzugs entgleist. Sie musste zum Abtransport mit einem Spezialkran auf einen Hilfswaggon gehoben werden.

Verschiedene Sicherheitssysteme sollen Unfälle auf dem Schienennetz verhindern. Am Unfallort ist das älteste von drei Systemen im Einsatz. Dieses bewirkt, dass eine Schnellbremsung eingeleitet wird, sobald ein Zug an einem Rotlicht vorbeifährt. Reicht die Strecke dafür nicht aus, kann es jedoch trotzdem zum Zusammenstoss kommen.

Für diesen Fall werden die Lokführer speziell ausgebildet. Ist eine Schnellbremsung eingeleitet, können sie nichts mehr tun. Sieht ein Lokführer den Crash kommen, sollte er sich selbst in Sicherheit bringen, sagte Schärli. «Ob die beiden Lokführer in Neuhausen dies getan haben, ist noch unklar», sagte Kobelt. Beide überstanden den Unfall unverletzt.

«Kein Zusammenhang mit Halbstunden-Takt»

Spekulationen über einen Zusammenhang des Unfalls mit dem zum Fahrplanwechsel eingeführten Halbstunden-Takt wies Schärli zurück. Es gebe überall in der Schweiz einen dichten Fahrplan und Nadelöhre. Auch Kobelt sagte, es gebe keinen Zusammenhang mit dem Halbstunden-Takt. Das Risiko sei zwar um so grösser, je mehr Züge fahren, doch der Betrieb sei prinzipiell sicher.

Eine Entschädigung erhalten die betroffenen Fahrgäste nicht automatisch. Dies würde individuell abgeklärt, sagte Schärli. Wer beispielsweise durch den Unfall einen Flug verpasst habe, werde entschädigt.

(vst/tke/sda)