IM TEST. Die Schweden machens vor: Saab mit seiner Bio-Power-Serie, dem in Europa meisterverkauften Flex-Fuel-Fahrzeug. Und die Tankstellenhalter mit einem Netz von rund 650 Zapfsäulen. Ende des kommenden Jahres sollen es rund 800 sein. Anders die Schweiz. Saab ist zwar auch hier als Bioethanol-Leader präsent und lanciert die umweltfreundliche grüne Mobilität beim Kauf eines 9-3 oder 9-5 mit Bio-Power-Antrieb mit der Übernahme der Motorfahrzeugsteuer für die kommenden drei Jahre. Dieses Zückerchen gilt noch bis Ende 2007. Weniger gut sieht es hierzulande hingegen beim Tankstellennetz aus: Knapp 30 gibt es aktuell – Tendenz allerdings, wenn auch nur langsam, zunehmend. Wer Bioethanol/Ethylalkohol, den alternativen, erneuerbaren Treibstoff, der auf der Basis von pflanzlichen Rohstoffen (in der Schweiz aus Forstabfällen) hergestellt wird, tanken möchte, tut gut daran, die Zapfsäulenliste, ganz besonders jene der Alcosuisse, des Profitcenters der eidgenössischen Alkoholverwaltung, zu überprüfen. Denn die Zusammenstellung stimmt schlichtweg nicht, wie etwa die Landi-Oberwiggental-Tankstelle im luzernischen Schötz beweist: Hier gibt es nur auf dem Alcosuisse-Papier das umweltfreundliche Bioethanol (85%)-Benzin (15%)-Gemisch.

Keine Panik an der Tankstelle

Zugegeben: In die Bredouille gerät man, ist der Tank mal leer, deshalb nicht, denn die Saab-Technologie lässt problemlos einen reinen Benzinbetrieb zu; weil der Computer mit 2 Mio Rechenvorgängen pro Sekunde den optimalen Verbrennungsvorgang bestimmt. Aber das Gewissen lässt sich leichter beruhigen, als «grüner Automobilist» unterwegs zu sein und bei Verwendung des Treibstoffes E85 zur Reduktion der fossilen CO2-Emissionen (nach Werksangaben von 80% gegenüber Benzin) beizutragen.

Mit Alkohol im Tank spritziger

Nur teilweise lohnt sich E85 hingegen fürs Portemonnaie. Zwar ist der Biotreibstoff günstiger, der Verbrauch hingegen mit durchschnittlich 10,2 l/100 km beim getesteten Sportkombi um einiges höher als in der gleichartigen Benzinversion. Dennoch: Auf der «grünen Welle» reiten macht im Saab 9-3 Sportkombi Spass, sehr viel Vergnügen sogar. Der Bio-Power-Antrieb bringt – im Vergleich zum Benzinantrieb – mit der 2-l-Motorisierung eine um 17% höhere Maximalleistung, 175 statt 150 PS, aber auch ein um 10% höheres Drehmoment von 265 statt 240 Nm. Der Grund für diesen «Zusatzpfupf»: E85 hat mit 105 ROZ eine höhere Oktanzahl als Benzin mit 95 ROZ. Im Zusammenspiel mit der Turboaufladung ermöglicht Saabs Bio-Power mit Bioethanol deshalb einen höheren Ladedruck und eine präzisere Steuerung des Zündzeitpunktes als im reinen Benzinbetrieb. Gesteigert wird die Motorleistung ohne dass es zum nachteiligen «Klopfen» oder gar Frühzündungen kommt.Der Bio-Power beeindruckt allerdings nicht nur durch seine Leistung. Auch die sportlich-dynamische Linienführung und das Design vermitteln einen exklusiven Touch, mit oder ohne Aufkleber Bio-Power.

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