Zu behaupten, Saab sei nach dem Einstieg der holländischen Sportwagenschmiede Spyker und einem Bankenkredit von rund 400 Millionen Euro ein für allemal gerettet, ist noch vermessen, auch noch etwas gar früh. Das Gröbste allerdings haben die Schweden hinter sich, in Trollhättan nördlich Göteborg stehen die Signale seit März wieder auf Grün. Zuversicht macht sich breit, genährt von der Hoffnung, die früher so treue Stammkundschaft weiterhin bei der Stange halten zu können. Aktuelle Verkaufszahlen zeigen, dass man die Firmenzukunft nicht auf Sand baut. Auch in der Schweiz hat Hoffnung der Angst vor dem endgültigen Aus Platz gemacht. 521 Saab wurden in den ersten zehn Monaten hierzulande verkauft: Dies ist zwar noch immer ein minus von 21,4 Prozent gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum, doch die Analyse zeigt, dass in den letzten Monaten die Nachfrage - und damit auch die Verkäufe - deutlich angezogen haben. Denn eines hat Saab nicht verloren: Die Einmaligkeit seiner Fahrzeuge.

Das Abschiedsgeschenk von GM und Opel

Das gilt selbstredend für den neuen 9-5, das Flaggschiff Saabs, das zwar technisch in vielen Bereichen auf dem Opel Insigna basiert und damit vom früheren Saab-Besitzer GM entwickelt und vorfinanziert worden ist, das aber mit seinen Saab-typischen Eigenschaften überzeugt. Allem voran mit dem schwedisch kühlen, oder noch besser kühnen Design, das repräsentativ und elegant, dennoch aber eigenständig wirkt und das sich so wohltuend vom Jekami-Auftritt verschiedenster Konkurrenten abhebt. Die puristische Formensprache wurde beibehalten, allerdings stark beeinflusst von der Aero-X-Studie. Aus jeder Perspektive macht der 9-5er - trotz seiner Länge von beachtlichen 5,01 Metern - einen starken und kraftvollen Eindruck. Ähnlich überzeugend wirkt auch der Innenraum mit seiner tiefen Mittelkonsole, die sich bogenförmig in einem flachen Winkel zum Fahrer hin neigt. Hier wünscht man sich trotz guter Materialwahl und hoher Vearbeitungsqualität etwas mehr Eigenständigkeit und eine bessere Differenzierung zum Opel Insigna. Das hervorragende Head-up-Display alleine reicht nicht aus.

Am Steuer macht der starke Saab viel Spass, allen voran die Top-Motorisierung mit dem 2,8-Liter-Sechszylinder-Turbo und seiner Leistungsbereitschaft von 300 PS. Das Verstellfahrwerk - eine der vielen, allerdings nicht günstigen Optionen - und der Allradantrieb tragen zudem zur markentypischen Sicherheit bei.

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