Es ist kein Zufall, dass Michael Mack Anfang des nächsten Jahres den Chefposten des britisch-schweizerischen Saatgut- und Pflanzenschutzmittelkonzerns Syngenta übernehmen wird. Denn Mack leitet seit zweieinhalb Jahren das weltweite Saatgutgeschäft von Syngenta. Diese Division erzielte im Geschäftsjahr 2006 mit 1,7 Mrd Dollar zwar nur rund 20% des gesamten Konzernumsatzes in Höhe von 8 Mrd Dollar. Doch sie gewinnt immer mehr an Bedeutung, weshalb nicht zuletzt auch die Investoren von den Kenntnissen Macks profitieren dürften. Am kommenden 26. Juli werden die Halbjahreszahlen von Syngenta deshalb von den Analysten besonders auf das Abschneiden des Saatgutgeschäftes hin analysiert werden.

Profittreiber Bioethanol

Der Grund dafür ist klar: Mais oder Zuckerrübe werden mittlerweile nicht mehr nur als Nahrungs- und Futtermittel verwendet. Sie werden verstärkt auch für die Produktion von Biotreibstoffen eingesetzt. So wurden 2006 in den USA bereits 20% der gesamten Maisernte für die Herstellung des alternativen Treibstoffs Bioethanol verbraucht. «Deshalb planen wir, 2008 eine Maissorte zu lancieren, die mit Amylase angereichert ist. Dieses natürliche Enzym soll es ermöglichen, die Ethanolproduktion aus Mais wirtschaftlich effizienter zu machen», sagt Robert Berendes, der bei Syngenta den Bereich Business Development, Strategie und Mergers & Aquisitions leitet.
Er denkt aber nicht, dass es zu Konflikten kommen werde, welche Anteile der landwirtschaftlichen Anbauflächen für die Produktion von Nahrungsmitteln und von Tierfutter einerseits und von Pflanzen zur Herstellung von Biotreibstoffen andererseits verwendet werden sollen. «So stehen in Ländern wie Brasilien, Russland und der Ukraine insgesamt rund 150 Mio ha bislang ungenutztes Anbauland zur Verfügung, ohne dass man dabei in natürliche Rückzugsräume eingreifen würde», so Berendes.

Mehr Ertrag

Um die steigende Nachfrage zu decken, muss die Landwirtschaft also profitabler werden. Für Berendes ist diese heute ein «Hightech-Geschäft», das einen konkreten Nutzen bringen müsse. «Gerade in Westeuropa ist dies noch nicht immer erkannt worden, da hier nach wie vor ein idealisiertes Bild dieser Industrie dominiert», sagt der Syngenta-Strategiechef, dessen Familie selbst einen Bauernhof besitzt.
In China und in den USA hingegen sei die Nachfrage nach Nahrungsmitteln dermassen gross, dass die Leistungsfähigkeit des Saatgutes wichtiger sei als das Festhalten an herkömmlichen Produktionsmethoden.

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Inputs aus Biotechnologie

Der Konzern mit seinen 21000 Mitarbeitern setzt deshalb viel auf die Gen- respektive Biotechnologie, um das Saatgut noch ertragreicher zu machen (siehe «Nachgefragt»). Damit ist Syngenta im schnell wachsenden Saatgutmarkt aber nicht allein. Vor allem Marktführer Monsanto mit 17500 Mitarbeitern und einem Umsatz von 6,3 Mrd Dollar im Geschäftsjahr 2006/2007 setzt seit längerem auf gentechnisch verändertes Saatgut.
Auch der deutsche Chemie- und Pharmakonzern Bayer will mit Hilfe der Biotechnologie «integrierte Lösungen für die Landwirtschaft» finden. Die Bayer-Division CropScience hat dafür extra eine Einheit mit der Bezeichnung Bioscience gegründet. Bayer CropScience erzielte 2006 mit 17900 Mitarbeitern einen Umsatz von 5,7 Mrd Euro. Zum Vergleich: Der gesamte Bayer-Konzern beschäftigt 106000 Mitarbeiter und verzeichnete im vergangenen Geschäftsjahr einen Umsatz von 24 Mrd Euro. Wegen der guten Wachstumsaussichten soll das Saatgutgeschäft bis 2015 einen Umsatzanteil von 15% zum gesamten Konzern beisteuern.

Gute Aussichten für Investoren

Gemäss Bernard Le Buanec, Generalsekretär des Internationalen Saatgutverbandes (ISF) mit Sitz in Nyon VD, umfasst der globale Saatgutmarkt aktuell rund 23 Mrd Dollar und ist «stark» wachsend. Er sei aber sehr fragmentiert: Die zehn grössten Branchenvertreter wie Monsanto, DuPont (mit der Tochter Pioneer Hi-Bred), Syngenta, Groupe Limagrain, Land OLakes, Bayer CropScience oder Dow Chemical (mit der Divison Dow AgroSciences) haben zusammen einen Marktanteil von 55%. Le Buanec rechnet dennoch damit, dass sich die Konsolidierung in der Branche fortsetzen wird.
Für die Investoren bleiben die Gewinnchancen damit weiterhin intakt – alleine die Syngenta-Aktie hat seit der Firmengründung im Jahre 2000 um 220% auf zuletzt fast 250 Fr. zugelegt.

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Nachgefragt Robert Berendes: «Gentechnik für Landwirtschaft immer wichtiger»

Der Strategiechef von Syngenta über die Bedeutung der Gentechnik für sein Unternehmen.


Welche Bedeutung hat die Genrespektive Biotechnologie für das Saatgutgeschäft von Syngenta?

Robert Berendes: Die Gentechnik wird für die Landwirtschaft immer wichtiger. So ist in den USA momentan die Nachfrage nach Mais dermassen gross, dass man dieser mit herkömmlichen Züchtungsmethoden gar nicht nachkommen würde.

Was bedeutet dies?

Berendes: Auf begrenztem Raum müssen immer mehr Nahrungsmittel, Futtermittel und Biokraftstoffe produziert werden. Also muss das Saatgut leistungsfähiger werden. Dafür muss man aber bereit sein, moderne Technologien einzusetzen.

Doch genau da liegt die grosse Schwierigkeit.

Berendes: Wir sind uns bewusst, dass es dazu unterschiedliche Meinungen gibt. Gerade in Westeuropa wird Gentechnik kritisch betrachtet. Doch in den meisten anderen Ländern wird sie neutral bis positiv beurteilt. Für uns überwiegen klar die Vorzüge.

Trotzdem: Die Konsumenten lehnen Genfood ab.

Berendes: Wir sind der Meinung, dass die Verbraucher selber entscheiden sollen, ob sie gentechnisch veränderte Nahrungsmittel erwerben wollen oder nicht. Diese Wahlfreiheit ist in Westeuropa aber noch nicht da, weil gentechnisch veränderte Lebensmittel kaum zugelassen werden.