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Zwist
Saint-Gobain-Chef versucht Sika-Bedenken zu zerstreuen

Pierre-André de Chalendar: «In 90 Prozent keinerlei Überschneidungen». Keystone

Saint-Gobain-Chef Pierre-André de Chalendar wirbt erneut für eine Übernahme von Sika. Er stellt sich gegen Vorwürfe, nur sein eigener Konzern würde profitieren.

Veröffentlicht am 21.03.2015

Der Chef des französischen Konzerns Saint-Gobain, Pierre-André de Chalendar, wehrt sich erneut gegen Behauptungen, die Übernahme von Sika durch Saint-Gobain könnte dem Schweizer Bauchemie-Spezialisten schaden. Dass Sika wächst, sei auch im Interesse von Saint-Gobain.

Der Franzose tritt im Interview mit den Zeitungen «Tages-Anzeiger» und «Der Bund» vom Samstag auch Bedenken entgegen, dass Synergien zwischen den beiden Unternehmen vor allem bei Saint-Gobain anfallen würden: «Aufseiten von Sika wird es erhebliche Synergien geben», sagte er. «Diese kommen zu 84 Prozent den Sika-Aktionären zugute.»

Sika: Teilweise in Konkurrenz

Diesen Prozentsatz des Aktienkapitals halten Publikumsaktionäre an Sika. Die restlichen 16 Prozent, die allerdings über 50 Prozent der Stimmen auf sich vereinigen, gehören derzeit der Sika-Gründerfamilie, welche ihre Anteile für 2,75 Milliarden Franken Saint-Gobain verkaufen will.

Das Vorgehen stösst bei der Sika-Spitze auf Widerstand, der auch bereits zu Gerichtsverfahren führte. Die Sika-Führung kritisiert unter anderem, das Saint-Gobain und Sika teilweise in Konkurrenz stünden und Saint-Gobain als Teilbesitzerin bei Konflikten kaum das Interesse der Sika-Firmen vertreten würde.

Kritik an Sika-Management

«In 90 Prozent der Sika-Aktivitäten gibt es keinerlei Überschneidungen mit Saint-Gobain», sagte de Chalendar. Das solle sich auch nicht ändern. Dort wo es Überschneidungen gebe - im Mörtelgeschäft - seien diese marginal. Sika soll zu einem «Exzellenzzentrum» in der Bauchemie werden.

Der Saint-Gobain-Chef und -Präsident kritisiert die Sika-Spitze: Diese verweigere sich der Diskussion um die Unternehmensführung und damit um gerechte Lösung. Stattdessen nehme sie eine Extremposition ein, wenn sie die Übertragung des gesamten Mörtelgeschäfts an Sika fordere. «Doch das ist für uns nicht denkbar.» Dafür sei das Geschäft für Saint-Gobain zu wichtig.

«Starke Vertretung» für Minderheit

Dass die Sika-Aktie nach Ankündigung der Übernahme rund 30 Prozent an Wert verlor, ist für de Chalendar auf die Rücktrittsdrohung der Sika-Führung zurückzuführen - und nicht darauf, dass die Minderheitsaktionäre beim Verkauf leer ausgehen werden. Er weist darauf hin, dass der Kurs heute ungefähr wieder dort ist, wo er zwei Wochen vor der Übernahmeankündigung war.

Mit mehreren Aktionären ist es laut de Chalendar zu Gesprächen gekommen, etwa um den künftigen Sika-Verwaltungsrat: «Ich bin dafür, dass die Minderheitsaktionäre eine starke Vertretung im Verwaltungsrat haben und ihre Interessen entsprechend respektiert werden», sagte er.

Garantie für zwei Jahre

Einen konkreten Vorschlag will de Chalendar nach Vollzug der Übernahme machen. Sicher sei, dass Saint-Gobain die Mehrheit haben werde. Geschäfte zwischen Sika und Saint-Gobain seien zudem «wie bei Geschäften unter Dritten» abzuwickeln. Nicht äussern will er sich zu den laufenden juristischen Verfahren.

De Chalendar bekräftigte im Interview auch erneut, dass Saint-Gobain keine Firmen schliessen wolle. Diese Garantie gelte «mindestens für die nächsten zwei Jahre». Er zeigte sich überzeugt, dass die Beschäftigtenzahl in der Schweiz sogar erhöht werden kann.

(sda/tno)

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