Die Verwaltungsratshonorare sind weiter im Anstieg. Gu- te Unternehmensergebnisse und Börsenrekordstände im vergangenen Jahr haben die Vergütungen an die Mitglieder des Aufsichtsgremiums begünstigt. Obwohl die Barzahlung klar dominiert, sind die Gesellschaften vermehrt dazu übergegangen, ihre Verwaltungsräte in Aktien und Optionen auszuzahlen. Die erfolgsabhängigen Bezüge haben an Bedeutung gewonnen. Das durchschnittliche Honorar eines Verwaltungsrates ist 2008 gemäss der «Handelszeitung»-Umfrage bei den börsenkotierten Firmen und übrigen Grossunternehmen in der Schweiz um 13% auf 99000 Fr. gestiegen.

Löhne für 2009 klar tiefer gesehen

Im Langzeitvergleich bestätigt sich die Korrelation zwischen dem Aktienkurs und der Honorarentwicklung bei den Verwaltungsräten (siehe Grafik). Als der SMI-Index 2001 die vorläufige Höchstmarke von 8000 Punkten durchbrach, schnellte die durchschnittliche Vergütung auf 82000 Fr. hoch. Im Jahr danach sackte der Index auf 6500 Punkte ab und die VR-Entschädigung verminderte sich gleichzeitig auf 66000 Fr. Wird die gleiche Entwicklung für den künftigen Verlauf der Verwaltungsratshonorare simuliert, dürfte sich das durchschnittliche Gehalt, das 2009 ausgezahlt wird, auf geschätzte 81000 Fr. zurückbilden.Für Vergütungsexperten ist die finanzielle Besserstellung auch das Resultat einer Professionalisierung und der zeitlichen Mehrbelastung im Aufsichtsgremium. Die jährlich fünf bis acht VR-Sitzungen werden ergänzt durch Strategietagungen. Dieser Arbeitsaufwand wird normal mit dem Honorar abgedeckt. Einzelne Firmen entrichten noch Spesenvergütungen.

Die höchsten VR-Honorare entrichten die Beteiligungsfirmen BB Biotech und BB Medtech, bei denen der Anstieg des Börsenkurses als Hebel wirkt. Der Rückversicherer Swiss Re ist mit einer guten Verdoppelung des Gehalts auf den dritten Rang vorgestossen. Die UBS und Novartis haben sich im Spitzenfeld behauptet, während die Credit Suisse, mit einer Vergütung die noch gut ein Drittel des Vorjahres erreicht, zurückgefallen ist. Klar niedrigere Entschädigungen weisen auch Nestlé und Kuoni aus. Demgegenüber haben Adecco, OC Oerlikon, Sulzer, ABB, Zurich Financial Services, Straumann, Nobel Biocare und Sonova einen grossen Sprung nach vorne gemacht. Bei der Privatbank Sarasin hat sich das VR-Salär nach der Einverleibung durch die holländische Rabobank verdreifacht, und auch die neu formierte Julius Bär weist einen höheren Durchschnittswert aus. Ingesamt sind die Verwaltungsratsmitglieder von Banken und Pharmafirmen am besten bezahlt.

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Mehr variable Entlöhnung

Die staatsnahen Betriebe liegen mit ihren Entschädigungen für das Aufsichtsgremium deutlich tiefer als die Privatunternehmen. Dem Durchschnittsverdienst von 99000 Fr. kommt die Post mit 80000 Fr. am nächsten. Neue VR-Mitglieder erhalten beim Bundesbetrieb ab diesem Jahr jedoch nur noch 70000 Fr. Damit nähert sich das Gehalt den SBB (63700 Fr.) und der SRG (54700 Fr.) an. Mit 34400 Fr. sind die Bankräte der Schweizerischen Nationalbank deutlich tiefer eingestuft. Markante Unterschiede gibt es bei den Grossverteilern. Die Genossenschaft Migros zahlt ihren VR-Mitgliedern nur halb so viel wie Coop. Auch der genossenschaftlich organisierte Versicherer Mobiliar liegt deutlich hinter den Branchenkonkurrenten Zurich Financial Services, National, Bâloise und Swiss Life. Unter den Energiefirmen ist Aare-Tessin nach einem Gehaltssprung auf knapp 160000 Fr. nun doppelt so hoch eingestuft wie die BKW. Noch deutlich tiefer liegen Axpo, NOK und EKZ.

Vermögenshebel Verwaltungsräte

Die Vergütung mit Aktien und Optionen ist nach einer vorübergehenden Stagnation wieder auf dem Vormarsch. Im Vorjahresvergleich hat die Zahl der Unternehmen, die ihre Verwaltungsräte teilweise mit Aktien entschädigen, von 46 auf 63 zugenommen. Geberit und Galenica geben ihren VR-Mitgliedern ausschliesslich Aktien ab, bei Lonza ist der vollständige Bezug von Anteilscheinen an der eigenen Firma möglich, während bei Carlo Gavazzi und Cytos die Wahl zwischen Bargeld und Aktien besteht. Aktienoptionen können neu bei 22 (Vorjahr: 15) Unternehmen bezogen werden. Bei Day Software wird das Aufsichtsgremium vollumfänglich mit Optionen entschädigt. Actelion, Rieter, Schulthess und die Luzerner Kantonalbank kennen neben der Barzahlung eine Kombination zwischen Aktien und Optionen. Je mehr Aktien und Optionen ein Verwaltungsrat an seinem Unternehmen besitzt, desto grösser wird der sogenannte Vermögenshebel. Hostettler & Partner mit Sitz in Zürich hat diese Hebelwirkung für die gesamten Verwaltungsräte bei den 20 Schweizer SMI-Firmen ermittelt (Grafik links). Dabei wird das Verhältnis der Vermögensveränderung des VR zur Vermögensveränderung der Aktionäre berechnet. Je höher diese Zahl ist, desto grösser ist der Anreiz, im Sinne der Aktionäre zu entscheiden. Ein «echter Unternehmer», der 100% seines Vermögens in Unternehmensaktien hält, verfügt über einen Vermögenshebel von 1,0.

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Zudem wurde als Vergleich zwischen den gehaltenen Aktien und Optionen sowie der Total Compensation in einem Jahr die Anzahl der in Equity gehaltenen Jahressaläre bestimmt.

Die Verwaltungsräte der SMI-Unternehmen weisen im Mittel einen Vermögenshebel von 0,48 auf. Sie liegen damit in einem ähnlichen Bereich wie bei den amerikanischen S&P-1500-Firmen (0,4). Zwischen den einzelnen Gesellschaften gibt es allerdings erhebliche Unterschiede: Während Holcim den «Idealzustand» verkörpert, liegen Swisscom und Richemont ganz am Ende. Viele Unternehmen positionieren sich unterhalb des Mittelwerts. Da bietet sich gemäss Stephan Hostettler noch Spielraum, die Entscheidungen des Aufsichtsgremiums stärker auf die Interessen der Kapitalgeber auszurichten: «Für einen Verwaltungsrat ist der Vermögenshebel ein geeignetes Instrument, die Qualität der Vergütungspakete im Sinne der Aktionärsinteressen zu beurteilen.»

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