Kaum aus den Ferien zurück, kam für Salt-Chef Pascal Grieder die schlechte Nachricht. Nicht dass sie ihn inhaltlich komplett überrascht hätte, aber der Moment war wohl doch unerwartet: Die Konkurrenten Sunrise und UPC nehmen einen zweiten Anlauf für eine Fusion, nachdem das Vorhaben im Vorjahr gescheitert war. Im Mai noch hatte Salt selber mit Sunrise ein Joint Venture gegründet, um gemeinsam mit den Elektrizitätswerken ein superschnelles Glasfasernetz zu bauen. Als Alternative zu Swisscom und UPC. Nur ist dieser Plan Makulatur – und Salt steht wieder alleine da. Alleine vis-à-vis von zwei starken Konkurrenten: von der parastaatlichen Ex-­Monopolistin Swisscom und einer ebenfalls grossen Sunrise-UPC.

«Die Position von Salt ist sicher ungemütlicher», sagt Vontobel-Analyst Mark Diethelm. Noch sei nicht klar, ob das Joint Venture ganz ­gescheitert sei oder ob es in Teilen überlebe. «Aber es ­hätte Salt sicher geholfen, im Glasfaserbereich generell unabhängiger zu werden.»

Die Glasfasernetze sind für Salt doppelt relevant. Erstens braucht der Mobilfunker immer schnellere Leitungen, um seine Antennen anzubinden. Zweitens lancierte Salt 2018 ein auf Glasfaseranschlüssen basierendes Festnetzangebot mit Fernsehen und superschnellem Internet. Das funktioniert nur mit Glasfasern bis in die Wohnungen. Zusammen mit Sunrise hätten solche Leitungen gebaut werden sollen, finanziert von externen Geldgebern.

Im Herbst wäre unterschrieben worden

Die Idee sei «nicht gestorben, aber gestoppt», sagt Marc Furrer. Der frühere ­Bakom-Direktor präsidiert das Glasfaser-Joint-­Venture, dessen Ausbau ein 3-Mil­liarden-Projekt geworden wäre. Inves­toren wären bereitgestanden, im Herbst ­wären die Verträge unterzeichnet worden. Ob und in welcher Form das Vorhaben überlebt, ist derzeit ungewiss. Das Risiko für einen Investor sei unter den neuen Vorzeichen sicher grösser, sagt Vontobel-­Analyst Diethelm. Statt zwei grosser Nutzer der Anschlüsse gibt es jetzt nur noch einen.

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Ins Hintertreffen geriet Salt auch im Kerngeschäft Mobilfunk. Viel später als seine Konkurrenten, die sich einen Prestigekrieg lieferten, stieg Salt in den Bau seines 5G-Netzes sein. Salt verkaufte das immer als strategischen Schritt, weil noch gar keine Nachfrage nach 5G-Leistungen vorhanden sei. Bekannt ist aber auch, und das wird aus mehreren Quellen bestätigt, dass Netzwerkausrüsterin Nokia mit 5G überfordert war, weshalb der Ausbau nicht vorankam. Als dann der politische Widerstand gegen die neue Technologie ausbrach, hatten Sunrise und Swisscom schon erste Antennen aufgestellt. Und Salt war noch nirgends.
Zwar läuft der 5G-Ausbau mittler­weile – auch mit etwas Hilfe von Huawei. Doch ein offizieller Start ist noch immer nicht angekündigt. Man munkelt, das 5G-Netz solle demnächst den Kundinnen und Kunden geöffnet werden. Still und heimlich, als Soft Launch.

Von der früheren Vorstellung, nur mit einem Mobilnetz überleben zu können, hat sich Salt verabschiedet.

Von der früheren Vorstellung, nur mit einem Mobilnetz überleben zu können, hat sich Salt mittlerweile jedoch verabschiedet. Das Bündel aus Fest- und Mobilnetz ist inzwischen auch bei diesem Unternehmen fest verankert. Nur mit solchen Päckchen verkauft man heute noch Abos – daher auch die Fusion zwischen Mobilfunkerin Sunrise und dem Kabelnetz UPC. Allenfalls wird Salt auf dem Land mit 5G auch Fernsehen und Pseudofestnetz anbieten. Doch am Kabel scheint derzeit nichts vorbeizuführen.

Geld für Investments hätte Salt – beziehungsweise Eigentümerin NJJ von Xavier Niel. Trotz sinkenden Umsätzen – zuletzt weniger als 1 Milliarde Franken pro Jahr – gelang es den beiden letzten Salt-Chefs, die Gewinne deutlich zu steigern. Für 2019 weist Salt einen Betriebsgewinn (Ebitda) von 504 Millionen Franken oder 51 Prozent des Umsatzes aus. Das erreichen nur wenige in der Branche. Den Vorwurf, auf Kosten der Qualität zu sparen, konnte Salt allerdings nie ganz entkräften.

Zudem konnte Salt vergangenes Jahr seine Funktürme für viel Geld an Cellnex verkaufen: 836 Millionen Franken flossen dem Unternehmen als Kapital zu, das für Schuldenabbau und Investitionen genutzt werden kann – in der Schweiz oder in ­anderen Gruppengesellschaften. Sunrise erhielt zwei Jahre zuvor deutlich weniger Geld für ähnlich viele Antennen.

An der Glasfaserbox wurde monatelang getüftelt, bis jedes Detail stimmte. Marketing und Werbung dagegen wurden heruntergefahren.

Das Geld wird stärker als früher inhouse investiert. Eigentümer Niel gilt als Nerd. Die Software für die Netzwerksteuerung liess er inhouse neu entwickeln, an der Glasfaserbox wurde offenbar monatelang getüftelt, bis jedes Detail stimmte. Marketing und Werbung dagegen wurden heruntergefahren. Und so ist die Strategie von Salt denn auch schwer fassbar. Man wolle «beste Qualität zu tiefen Preisen», sagte schon Grieder-Vorgänger Andreas Schönenberger.

Doch was heisst das? Wo macht man die Abstriche?

Nebst dem Achtungserfolg mit der Glasfaserlancierung – diesen Frühling waren es bereits 100 000 Kundinnen und Kunden – musste Salt zuletzt Rückschläge verbuchen: Mit Coop Mobile und UPC wechselten zwei grosse Marken weg von Salt auf Konkurrenznetze. 32 Millionen Franken Ebitda kostete das im vergangenen Jahr. Zwar gelang es Salt 2019 endlich, den Abfluss im Firmenkundengeschäft zu stoppen. Doch für wie lange? Auch UPC und Sunrise versuchten zuletzt beide, bei Firmenkunden stark zuzulegen. Kombiniert dürfte es ­ihnen deutlich leichter fallen, gegen Salt und Swisscom anzutreten.

Salt-Chef Grieder hält sich mit Aus­sagen zurück. Noch sei es zu früh dafür, sagt er.