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Tourismus
Samih Sawiris: Bald kommt der Ägypten-Boom

Samih Sawiris: Der Orascom-Chef leidet unter dem Rückgang in Ägypten.   Keystone

Ist der Ägyptentourismus am Ende? Mitnichten, sagt Orascom-Chef Samih Sawiris. Der Investor leidet stark unter dem Rückgang im Ägypten-Tourismus – doch er sieht einen Aufschwung noch in diesem Jahr.

Von Gabriel Knupfer
am 15.04.2014

Samih Sawiris ist verärgert. Eine «unakzeptable Bevormundung der Bürger» seien die Reisehinweise des EDA zu Ägypten, findet der Orascom-Chef. Die Gefahren würden übertrieben. Insbesondere die Evakuierung der Schweizer Touristen von der Sinai-Halbinsel im Februar kann der ägyptische Unternehmer nicht verstehen.

Die neusten Zahlen von Orascom lassen aufhorchen. Der Bau- und Tourismuskonzern von Samih Sawiris fuhr im vergangenen Jahr einen Verlust von 157,8 Millionen Franken ein. Der Konzern liegt damit im oberen Bereich des im März angekündigten Reinverlustes von 145 bis 160 Millionen Franken.

70 Prozent der Einnahmen aus Ägypten

Hauptverantwortlich für die tiefroten Zahlen seien die instabile Lage in Ägypten und die damit verbundenen Reisebeschränkungen, erklärt Samih Sawiris. Trotz der geografischen Diversifizierung ist der Konzern immer noch stark vom Ägyptengeschäft abhängig. 2013 kamen rund 70 Prozent der Einnahmen aus Ägypten, weshalb Orascom vom Putsch im Juli und den folgenden Wirren stark betroffen war.

Für die Zukunft zeigt sich der Vater von «Andermatt Swiss Alps» aber trotzdem zuversichlich. «Wir sehen Licht am Ende des Tunnels und es ist ein grosses Licht», so Sawiris an der Orascom-Pressekonferenz. Das Unternehmen habe im vergangenen Jahr gezeigt, dass es auch unter erschwerten Bedingungen nicht untergehe. Dank dringend notwendiger Restrukturierungen sei man bereit für einen Neustart.

Ein Neustart wäre vor allem in Ägypten dringend notwendig. Nach einem positiven ersten Halbjahr 2013 ist der Tourismus seit Herbst erneut eingebrochen. Im August gab das EDA eine generelle Reisewarnung für Ägypten heraus. Die grossen Schweizer Reiseveranstalter transportierten vorübergehend keine Reisenden mehr ins Land.

Reisewarnungen verunsichern Gäste

Nach einer gewissen Entspannung im Winter und der Abschwächung der Reisehinweise, kam im Februar 2014 die nächste Hiobsbotschaft für den Ägyptentourismus. Nach einem Selbstmordanschlag im Badeort Taba, bei dem drei Touristen aus Südkorea und ein ägyptischer Busfahrer ums Leben kamen, wurde eine Reisewarnung für die Sinaihalbinsel herausgegeben.

Dass die Schweizer Reiseveranstalter deshalb ihre Touristen ausgeflogen haben, sei lächerlich, findet Samih Sawiris. Teilweise sei die groteske Situation entstanden, dass dieselben Flugzeuge, mit denen deutsche und schweizerische Touristen evakuiert wurden, auf dem Rückflug englische Gäste mitbrachten. «Die Schweizer haben ihre Reisehinweise einfach den Deutschen angepasst», so Sawiris, «weil sie nach der Annahme der Einwanderungsinitiative nicht noch mehr ins Abseits geraten wollten».

Um die Zukunft des Ägyptengeschäfts macht sich Samih Sawiris aber keine Sorgen. «In ein paar Monaten haben wir einen neuen Präsidenten und alles läuft wieder seinen gewohnten Gang.» Spätestens 2015 werde sich Ägypten auch touristisch wieder erholen. Nach dem Anschlag in Luxor 1997 sei der Tourismus in Ägypten schon einmal am Boden gewesen, sagt Sawiris, «und nur sechs Monate später boomte das Geschäft wieder.» Er sehe keinen Grund, warum sich die Geschichte nicht wiederholen sollte.

EDA: Eigenverantwortung der Reisenden

Beim EDA weist man die Anschuldigungen zurück. Die Reisehinweise seien als «Hinweise» zu lesen. «Das EDA kann Reisenden und Reiseveranstaltern aber den Entscheid und die Verantwortung für die Vorbereitung der Reise nicht abnehmen», schreibt das Aussenministerium auf Anfrage von Handelszeitung.ch. Die Reisehinweise stützten sich «auf eigene, als vertrauenswürdig eingeschätzte Informationsquellen», sowie «auf Analysen anderer Dienste der Bundesverwaltung».

Wann die Warnungen wieder aufgehoben werden, kann das EDA nicht sagen. «Die Reisehinweise werden laufend überprüft und angepasst, können also kurzfristig ändern.» Samih Sawiris dagegen ist sich sicher, dass die Deutschen ihre Teilreisewarnung nach den Präsidentschaftswahlen wieder aufheben werden. «Und dann wird auch die Schweiz ihre Reisehinweise wieder abschwächen.»

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