Nach dem Megadeal zwischen Vodafone und dem US-Mobilfunker Verizon bahnt sich in dem aufgewühlten Telekomsektor möglicherweise die nächste Übernahme an. Der ägyptische Milliardär Naguib Sawiris bestätigte am Wochenende sein Interesse an einer Beteiligung an Telecom Italia. Zugleich erklärte er aber, sich womöglich zurückzuhalten, sollte die italienische Regierung gegen seinen Einstieg bei dem hoch verschuldeten Konzern sein. Italiens Wirtschaftsminister Fabrizio Saccomanni betonte allerdings, ausländische Investitionen zu begrüssen. Der Verwaltungsrat von Telecom Italia will am 19. September über die Strategie und mögliche Änderungen bei den Eignern beraten. Naguib Sawiris ist Bruder von Samih Sawiris, dem Promotor des Ferienresorts Andermatt.

 

Sawiris sagte der Nachrichtenagentur Reuters, er erwäge eine «potenzielle Investition in die Telecom Italia». Falls allerdings Medienberichte zuträfen, wonach die Regierung in Rom einen Zusammenschluss mit der spanischen Telefonica bevorzuge, würde er eventuell kein Angebot vorlegen. Die Zeitung «Il Messaggero» hatte ohne Quellenangaben berichtet, dass die italienische Regierung einen Zusammenschluss mit Telefonica einem Einstieg Sawiris vorziehen würde. Wirtschaftsminister Saccomanni sagte dagegen, die Regierung verfolge keine Strategie, ausländische Investitionen zu verhindern. Es sollte den Unternehmen überlassen bleiben, über die Bedingungen für ausländische Übernahmen zu entscheiden.

«Wir sind für alle Optionen offen»

Telecom Italia lehnte eine Stellungnahme zu Sawiris' Erklärung ab. Vergangenes Jahr hatte der Ägypter angekündigt, drei Milliarden Dollar in das Unternehmen stecken zu wollen. Das Angebot wurde vom Verwaltungsrat des Konzerns abgelehnt. Eine neue Offerte habe er nicht abgegeben, sagte Sawiris. Kreisen zufolge haben ausser Sawiris auch der US-Konzern AT&T sowie der America-Movil -Konzern des mexikanischen Telekom-Milliardärs Carlos Slim Kontakt mit verkaufswilligen Grossaktionären aufgenommen. Diese Nachricht hatte für einen vorübergehenden Höhenflug der Telecom-Italia-Aktie gesorgt.

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Dem Chef von Telecom Italia-Investor Intesa Sanpaolo, Enrico Cucchiani, zufolge will der Konzern Verwaltungsrat-Chef Franco Bernabe bis zum 19. September einen Plan vorlegen. «Wir sind für alle Optionen offen, die für das Unternehmen strategisch Sinn machen», sagte er. Auch der Versicherer Generali, ein weiterer Anteilseigner, hatte bereits Verkaufsabsichten geäussert. «Wann wir aussteigen wird sehr stark davon abhängen, was wir vom Verwaltungsrat bezüglich der Strategie am 19. September hören», sagte Generali-Chairman Gabriele Galateri.

 

Entscheid bis zum 28. Sepetember

Telecom Italia gehört zu 22,4 Prozent der Holdinggesellschaft Telco, die ihrerseits von den italienischen Geldhäusern Mediobanca und Intesa Sanpaolo sowie dem Versicherer Generali und der spanischen Telefonica kontrolliert wird. Sie müssen bis zum 28. September entscheiden, ob sie aus dem Aktionärsbündnis aussteigen oder daran festhalten. Mediobanca hat bereits offen erklärt, einen Verkauf ihres unprofitablen Pakets vorzubereiten.

Nach dem Ausstieg des britischen Branchenriesen Vodafone aus dem US-Mobilfunk-Jointventure Verizon Wireless wird eine Neuordnung des Telekomsektors erwartet. Verizon überweist dafür 130 Milliarden Dollar nach London. Vodafone hat bereits erklärt, unter anderem massiv in den Ausbau seiner Netze in Italien investieren zu wollen. Die geplanten Investitionen bringen Rivalen wie die hochverschuldeten Unternehmen Telefonica und Telecom Italia in Zugzwang.

(reuters/se)