Der Chef von Samsung Electronics hat überraschend seinen Rücktritt erklärt. Für den von einem Korruptionsskandal erschütterten Konzern sei es Zeit, neu zu starten, mit neuem Elan und unter einer jüngeren Führung, erklärte der 64-jährige Kwon Oh-hyun am Freitag. Mit Kwons Abgang droht Südkoreas Aushängeschild ein Führungsvakuum. Der Chef der Samsung-Gruppe, Jay Y. Lee, wurde wegen Korruption im August zu fünf Jahren Haft verurteilt. Im Zuge des Skandals mussten diverse Spitzenmanager ihren Hut nehmen.

Kwon als Chef von Samsung Electronics, dem Kronjuwel des Konglomerats, galt als Nummer zwei der Gruppe. Es wurde erwartet, dass er eine grössere Rolle übernehmen würde. Wann genau Kwon seine Ämter abgibt, ist unklar. Auch zu möglichen Nachfolgern wollte sich eine Firmensprecherin nicht äussern. Kwon arbeitet seit 32 Jahren für Samsung und steht seit fünf Jahren an der Spitze von Samsung Electronics.

Blendende Zahlen

Erfreulicherweise erziele das Unternehmen derzeit Rekordgewinne, sagte der auch als «Mr Chip» bekannte Kwon. «Aber das ist das Ergebnis früherer Entscheidungen und Investitionen. Im Moment sind wir noch nicht einmal nahe dran, neue Wachstumstreiber und neue Trends auszumachen.»

Dank der starken weltweiten Nachfrage nach Speicherchips fuhr Samsung Electronics im dritten Quartal einen so hohen Betriebsgewinn ein wie nie zuvor. Das operative Ergebnis verdreifachte sich vorläufigen Zahlen zufolge auf umgerechnet knapp elf Milliarden Euro (14,5 Billionen Won). Der Umsatz des Apple-Rivalen stieg demnach um fast 30 Prozent auf 46,2 Milliarden Euro.

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Breites Sortiment

Während Apple ausschliesslich Unterhaltungselektronik im Angebot hat, kann Samsung auf ein breites Sortiment setzen, das auch aus Fernsehern, Hausgeräten, Halbleitern und Bildschirmen besteht. Dies kam den Südkoreanern nun zu Gute.

Analysten zufolge konnte Samsung auch mit seinem neuen Smartphone-Flaggschiff Galaxy Note 8 punkten. Vor einem Jahr belastete noch eine kostspielige Rückrufaktion des Vorgängermodells. Zum anderen profitiert Samsung weiterhin vom Boom bei den Speicherchips. Samsung veröffentlicht Ende Oktober genauere Angaben zum Quartal. Die Aktie fiel 1,5 Prozent.

Beispiellose Krise

Man sehe sich innerhalb und ausserhalb des Unternehmens einer Krise von bisher nicht dagewesenem Ausmass gegenüber, schrieb Kwon in einem Brief an die Belegschaft. Es sei ihm nicht leicht gefallen, seinen Abschied in den Ruhestand zu beschliessen.

Der Rückzug soll im März 2018 erfolgen, wenn seine Zeit als Mitglied des Aufsichtsrats und Vorsitzender des Verwaltungsrats ablaufe. Auch als Chefvon Samsung Display will Kwon zurücktreten. Bei Samsung gibt es eine aus europäischer Sicht verwirrende Vielfalt von Titeln.

Last durch Korruptionsaffäre

Neben Kwon ist auch der inhaftierte Erbe des Samsung-Imperiums, Lee Jae Yong, Vizevorsitzender der Elektroniktochter. Lee wurde im August wegen versuchter Präsidenten-Bestechung und anderer Vergehen in erster Instanz zu fünf Jahren Haft verurteilt. Derzeit läuft sein Berufungsprozess. Das Verfahren steht im Zusammenhang mit dem Skandal um Ex-Präsidentin Park und eine ihrer Vertrauten. Park wurde im März von ihren Amtspflichten enthoben.

Die Ermittler beschuldigten Samsung, hohe Summen an Unternehmen und Stiftungen der umstrittenen Park-Freundin Choi Soon Sil und ihrer Verwandten gezahlt und ihm Gegenzug politische Unterstützung für die Fusion zweier Konzerntöchter erhalten zu haben, um die Stellung der Gründerfamilie zu stärken. Lee bestritt die Bestechungsvorwürfe.

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(sda/cfr/jfr)