Obwohl die Daten zur diesjährigen Branchenstatistik noch nicht vorliegen, geht Wolfgang Durrer, Geschäftsführer des Schweizerischen Verpackungsinstitutes SVI, davon aus, dass die Schweizer Verpackungsindustrie 2009 insgesamt «mit einem blauen Auge» davongekommen ist. 2008 sei noch ein gutes Jahr gewesen, das erst im 4. Quartal moderat zurückgegangen sei. Der Grund dafür waren massive Bestelleinbrüche bei Maschinen und technischen Verpackungen. Die konsumnahen Bereiche dagegen spürten wenig Einbrüche. Dies nicht zuletzt durch stabilisierende Faktoren wie der Arbeitslosenrate, die nicht im befürchteten Umfang zugenommen hatte. Trotzdem: «Die Sandwichposition der Verpackungsindustrie zwischen Zulieferern und Kunden hat sich akzentuiert», so Durrer.

Preisunterbietungen

Derzeit spüre die Verpackungsindustrie eine positive Tendenz. Deswegen könne sich aber niemand zurücklehnen. Wolfgang Durrer: «Die Geschäfte laufen äusserst hektisch, die Kurzfristigkeit hat massiv zugenommen, eine saubere Planung ist fast nicht mehr möglich.» Auch hat der Preisdruck weiter zugenommen wie auch die Kosten für Rohstoffe und Energie.

In einigen Sub-Branchen sind zudem Preisunterbietungen an der Tagesordnung. «Wer nur eine reine Preisbeziehung zum Kunden hat, muss sich warm anziehen», sagt der SVI-Geschäftsführer. Das betrifft naturgemäss Packmittel ohne grossen Wertschöpfungsprozess, bei denen die Rendite seit jeher dünn wie eine Folie ist und entsprechend auf Skaleneffekt mit hohen Volumina gesetzt werden muss. Durrer: «Die Anbieter müssen deshalb unbedingt versuchen, den Kunden eine grössere Wertschöpfung zu bieten, indem sie zum Produkt weitere Dienstleistungen offerieren können. Dann werden sie gute Chancen haben, weiterhin gegen ausländische Wettbewerber zu bestehen.»

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Heterogene Struktur

Die Verpackungsindustrie der Schweiz besteht aus rund 240 Betrieben mit 20000 Beschäftigten und einem geschätzten Umsatz von über 7 Mrd Fr. Packungsmaterialien sind Kunststoff, Karton, Wellkarton, Holz, Aluminium, Stahlblech, Glas. Dazu kommen weitere Bereiche wie Verpackungsmaschinen, Etiketten, Systeme.

Diese vielfältige Industrie ist geprägt von wenigen grossen Anbietern und vielen industriellen KMU, die zu einem grossen Teil in Nischen und weltweit tätig sind. Diese Nischen können sie verteidigen, weil sie stark in Forschung und Entwicklung investieren. Das zeigt sich nicht zuletzt auch an den jährlich durchgeführten Swiss-Star- und World-Star-Wettbewerben, mit denen innovative und lösungsorientierte Verpackungen ausgezeichnet werden. Wer einen Swiss Star erhält, wird auch für den World Star zugelassen - und da sind Schweizer Anbieter regelmässig an der Spitze mit dabei.

Doch die Leistung muss immer wieder von Neuem erarbeitet werden. Das ist derzeit etwas schwieriger als noch vor wenigen Jahren, denn der Geschäftsgang der Verpackungsindustrie hängt direkt von demjenigen der Kundenindustrien ab. Vor allem der Konsum- und Gebrauchsgüterindustrien.

In der untenstehenden Umfrage geben Exponenten einzelner Packmittelhersteller, respektive Interessensorganisation, eine persönliche Einschätzung zum Ist-Zustand und möglicher Entwicklung ab. Fazit vorab: Trotz konstanter Hektik und Druck zu äusserster Flexibilität dominiert die Zuversicht.