Während Jahren diente das 1858 von Leonhard Zugheer gebaute Haus Bellevue in Zürich, das ehemalige Grand Hotel Bellevue, als Bürogebäude und Kinotheater.

Im Sommer 2003 erhielten wir den Auftrag, eine Machbarkeitsstudie für die Renovation der von zahlreichen Eingriffen betroffenen Liegenschaft zu erstellen. Unter dem Titel «Revitalisierung Bellevue» prüften wir eine dem geschützten Gebäude entsprechende Nutzung, unter Berücksichtigung der bestehenden Mietverträge. Zudem arbeiteten wir, in enger Zusammenarbeit mit der städtischen Denkmalpflege, den Schutzumfang und Schutzvertrag des Gebäudes aus. Dies führte 2004 zum bewilligten Bauprojekt.

Drei wichtige Eingriffe

Für Passanten und Bewohner sind die Veränderungen im Erdgeschoss am offensichtlichsten. Dabei handelt es sich um die Wiederherstellung der prominenten Arkade am Utoquai und die Rekonstruktion der repräsentativen Treppenanlage beim Eingang Limmatquai.
Weiter erforderte die grosse Geschossfläche aufgrund von betrieblichen und feuerpolizeilichen Anforderungen ein neues durchgehendes Treppenhaus. Dieses Element fügten wir, als klar erkennbaren neuen Eingriff, auf der Seite zum Bellevue ein, wodurch ein in der historischen Fassadenkomposition spürbarer Zugang vom Bellevue her entstand.
Eine grosse Herausforderung stellte schliesslich das Thema «Wohnen» im Haus Bellevue dar: Da diese Nutzung in den Regelgeschossen einen zu hohen Eingriff in die historische Bausubstanz bedeutet hätte, versuchten wir den erwünschten Wohnraum mitten in der Stadt im Dachgeschoss zu realisieren. Mit einem präzise zwischen die beiden Ecktürme gesetzten Eingriff auf der Limmatseite, konnten wir die bestehende Dachfläche respektieren. So entstanden drei luxuriöse Penthousewohnungen mit privaten Aussenräumen. Die Wohnungen werden mittels neuen Patios und dem Einbezug der vorhandenen Lichthöfe von innen her belichtet und profitieren von der Aussicht durch die vom Strassenraum kaum sichtbaren kleinen Fenster.
Im Januar 2006 konnte mit der ersten Phase des Baus begonnen werden. Die Flächen werden im Frühjahr 2008 bezugsbereit sein. Die zweite Etappe Seite Wasserkirche kann im Sommer 2009 bezogen werden. Wie bei den meisten Sanierungsaufgaben historischer Gebäude wird das Erfüllen heutiger Standards, Vorschriften und technischer Anforderungen zum zentralen Problem. Neben dem Zustand der Bausubstanz, die viel schlechter als erwartet war, und der Erfüllung der Erdbebensicherheit stiessen wir mit den minimalsten Anlieferungs- und Bauinstallationsflächen an die Grenze des Machbaren.

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Wechselnde Nutzungen

Immer häufiger werden solche Aufgaben im innerstädtischen Gebiet die Architekten beschäftigen. Aufgrund ständig wechselnder Nutzungsanforderungen und des gleichzeitigen Alterungsprozesses der Gebäude entsteht eine faszinierende Auseinandersetzung von Alt und Neu. Die grosse Herausforderung dabei ist es, aus der Lektüre der historischen Gegebenheiten die Qualitäten zu erkennen und zusammen mit den Anforderungen unserer Zeit ein ausgewogenes Spannungsfeld aufzubauen.

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Martin Spühler, Martin Spühler Architekten AG, Zürich.