Noch arbeiten die Pensionskassen an ihren Jahresabschlüssen. Doch schon jetzt steht fest: 2008 war ein miserables Jahr für die Vorsorgeeinrichtungen der 2. Säule.

Gemäss der Vermögensverwalterin Swisscanto besteht wegen Börsenverlusten für knapp 20% der privatrechtlichen und fast 60% der öffentlich-rechtlichen Kassen dringender Handlungsbedarf. Was nichts anderes bedeutet als: Sanieren. «Die Probleme sollten nicht aufgeschoben werden, aber es muss mit Umsicht vorgegangen werden», sagt Stephan Wyss, Leiter Vorsorgeberatung Zürich bei Swisscanto.

Vermehrt Insolvenzen

Tatsächlich ist heute mehr Umsicht vonnöten denn je. Saniert werden muss nämlich in einem Umfeld ausbleibender Aufträge und Sparmassnahmen, wo auch Firmenpleiten immer wahrscheinlicher werden. Damit rückt eine Instanz in den Vordergrund, an die die meisten angestellten Berufstätigen Beiträge entrichten, die aber nur den wenigsten bekannt ist: Der Sicherungsfonds BVG. Er ist dort gefordert, wo es die gesetzlichen Leistungen an die Versicherten gegenüber einer Insolvenz zu sichern gilt sei es bei Zahlungsunfähigkeit der Kasse, oder weil der Arbeitgeber Konkurs gegangen ist.

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In der Vergangenheit musste der Fonds selten zahlen. Bekannt wurde der Konkurs der Oltener Pensionskassenstiftungen Vera/Pevos 1996, wo der Sicherungsfonds schliesslich über 72 Mio Fr. einschoss. Fälle wie dieser könnten sich nun jedoch häufen. «Es ist gut möglich, dass wir vermehrt mit Anfragen für Insolvenzleistungen konfrontiert werden», sagt Daniel Dürr, Geschäftsführer des Sicherheitsfonds BVG.

Skiliften geht das Geld aus

Dies auch deshalb, weil einzelne Firmen eine Sanierung schlichtweg nicht verkraften. Mit diesem Problem ringt Ascoop, die Sammelstiftung für konzessionierte Privat- und Bergbahnen in der Schweiz. Heute liegt ihr konsolidierter Deckungsgrad bei 71%. Bis Ende 2009 sind die angeschlossenen Unternehmen aber dazu aufgefordert, die nötigen Mittel einzuschiessen, um die Quote auf 81,23% zu steigern - eine Summe von 300 Mio Fr. Doch gerade Bergbahnen und Skilifte brauchen das Geld dringend für Investitionen, um ihre Betriebslizenz zu halten. «Wenn die Sanierungsbeiträge nicht geleistet werden, müssen wir uns im äussersten Fall überlegen, ob die Firmen allenfalls für die Differenz zum effektiven Deckungsgrad betrieben werden», sagt Ascoop-Direktor Urs Niklaus.

Dabei ist Ascoop nur ein besonders drastisches Beispiel der Zwangslage, in der sich Kassen und Firmen heute befinden. Demgegenüber steht der Sicherheitsfonds mit Reserven von heute 349 Mio Fr. Und diese Mittel aufzustocken, ist schwierig. Denn höhere Sicherheitsfonds-Prämien gefährden die Solidarität zwischen den Vorsorgeeinrichtungen. Bleibt am Schluss nur noch Eines: Ein Darlehen vom Bund.