Bei den geplanten Prämienerhöhungen für 2010 im Krankenversicherungsbereich lässt sich die Sanitas-Gruppe als Erste in die Karten blicken. «Wir werden unsere Sätze im Durchschnitt um 8 bis 10% gegenüber dem laufenden Jahr erhöhen», sagt Sanitas-CEO Otto Bitterli im Gespräch mit der «Handelszeitung».

Dabei werde es aber grosse Belastungsunterschiede geben. «Je nach Kanton und Eigenverantwortung - also Höhe der Franchise - kann die zusätzliche Belastung stärker oder auch milder ausfallen», so Bitterli.

Besonders Personen mit hoher Eigenverantwortung würden vermehrt zur Kasse gebeten. Das hängt laut Bitterli mit dem durch den Bund reduzierten Maximalrabatt zusammen. Diese Vergünstigung wird Versicherten gewährt, die durch hohe Eigenverantwortung grundsätzlich zur Kostenreduktion im Gesundheitswesen beitragen.

Mit der Rabattsenkung muss nun ein Grossteil der erwachsenen Versicherten in den sauren Apfel beissen und für die Kranken im Solidaritätsprinzip verstärkt aufkommen. Der Internetvergleichsdienst Comparis hält in einer kürzlich veröffentlichten Studie fest, dass die Personen mit hoher Franchise gar mit Prämienaufschlägen von bis zu 20% und mehr rechnen müssen.

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Konkurrenten warten lieber ab

Das bestätigt auch Bitterli und spitzt die Aussage von Comparis gar noch zu. «Je nach Kanton müssen Versicherte mit Wahlfranchise mit einem Prämienanstieg von bis zu 30% rechnen.» Allerdings müsse man dabei in Betracht ziehen, betont der Sanitas-Chef, dass der Prämienanstieg bei Wahlfranchisen auf einem tieferen absoluten Niveau aufbaue.

Während Sanitas vorprescht, geben sich die Konkurrenten noch verschwiegen. So wollten vier der grössten Schweizer Krankenkassen - Helsana, CSS, Swica und Concordia - auf Anfrage der «Handelszeitung» keine Stellung nehmen.

Die Unternehmen weisen darauf hin, dass das Bundesamt für Gesundheit (BAG) die geplanten Prämien noch abzusegnen hat. «Bereits jetzt schlüssige Aussagen zu den geplanten Prämienerhöhungen zu machen, wäre unseriös», sagt etwa Swica-Mediensprecherin Esther Gerster.

Sie betont zudem, dass in der kommenden Herbstsession des Parlaments noch Diskussionen über Sparmöglichkeiten im Krankenversicherungsbereich anstehen. «Diese könnten einen bedeutenden Effekt auf die Prämien haben», sagt Gerster.

Davon zeigt sich die Sanitas-Gruppe wenig berührt. «Zwar wurden die Prämien vom BAG noch nicht abgesegnet, aber ich bin zuversichtlich, dass es zu keinen grossen Änderungen kommen wird», sagt Sanitas-CEO Bitterli. Und selbst wenn es zu Anpassungen käme: Die Umsetzung von kurzfristig beschlossenen Sparmassnahmen ware Bitterli zufolge ein logistisches Problem.

Concordia kritisiert Mittelwerte

Obwohl Bitterli darauf aufmerksam macht, dass es je nach Versicherungsvertrag und Wohnort zu unterschiedlichen Belastungen kommen wird, hält die Concordia-Versicherung Aussagen zu Mittelwerten grundsätzlich für falsch. «Durchschnittswerte bei den geplanten Prämienerhöhungen führen nur zu Verwirrung anstatt zur Aufklärung. Für jeden Kunden wird die Prämienerhöhung individuell ausfallen und nicht mit dem Durchschnittswert korrelieren», sagt Richard Lüdi, Leiter Markt bei Concordia. Daher würde die Concordia-Versicherung auf eine Prozentangabe im Allgemeinen verzichten.

Bis das BAG die Prämien der jeweiligen Krankenversicherer für das kommende Jahr überprüft hat, wird es noch bis Anfang September dauern. Dennoch will Helsana ihre Prämiensätze für 2010 bereits Mitte August kommunizieren. Swica, CSS und Concordia wollen mit den von ihnen geplanten Prämienerhöhungen erst im September an die Öffentlichkeit treten.