Für Inkontinenzprodukte, Produkte für die Blutzuckermessung und Beatmungsgeräte wollen Krankenkassen weniger vergüten. Der Dachverband Santésuisse fordert vom Bundesamt für Gesundheit (BAG), die Preise für diese Produkte per 1. Juli zu senken.

santésuisse ortet - mit tieferen Preisen - ein Sparpotenzial von rund 34 Millionen Franken im Jahr, wie der Verband am Freitag schrieb. Patienten und Patientinnen müssten keine Qualitätseinbussen hinnehmen. Senke das BAG die zu vergütenden Höchstpreise, würden sie aber nicht mehr mit überhöhten Preisen unnötig belastet.

34 Millionen Franken Sparpotenzial

Der Verband stützt seine Forderung auf einen Ausland-Preisvergleich mit Deutschland, Frankreich, den Niederlanden, Italien und Österreich. Verglichen wurden laut Santésuisse Produkte in identischer Ausführung.

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Für Inkontinenzprodukte - Einlagen und Katheter - beträgt das Sparpotenzial gemäss den Berechnungen von Santésuisse 16,9 Millionen Franken im Jahr. Im Jahr 2015 vergüteten die Krankenkassen für diese Produkte rund 70 Millionen Franken.

Produkte für die Messung des Blutzuckergehaltes kosteten die Kassen 2015 rund 107 Millionen Franken jährlich. Bei dieser Kategorie sieht Santésuisse ein Sparpotenzial von 13,4 Millionen Franken.

Zu hoch sind in den Augen des Verbandes auch die Mietpreise für Beatmungsgeräte. Die Kosten für die Kassen für diese Geräte beliefen sich 2015 auf 10 Millionen Franken. Mit einer vom Bund veranlassten Senkung könnten laut Santésuisse 3,2 Millionen Franken gespart werden.

Die Kassen sind laut Santésuisse dazu gezwungen, nur in der Schweiz gekaufte Mittel und Gegenstände zu vergüten. Für die Produkte sind Höchstvergütungspreise festgelegt. Insgesamt vergüten die Kassen pro Jahr laut Santésuisse rund 550 Millionen Franken für von Ärzten und Ärztinnen verschriebene medizinische Mittel und Gegenstände.

BAG sieht weniger Sparpotenzial

Das BAG verwies auf die im Dezember 2015 begonnene umfassende Revision der Mittel- und Gegenständeliste (MiGeL). Zwischen 2016 und bis 2019 würden Änderungen laufend in Kraft gesetzt. Das Bundesamt sieht aber weit weniger Sparpotenzial als die Kassen, nämlich insgesamt etwa 10 Millionen Franken.

Bis Ende 2017 will das BAG jene Produkte unter die Lupe nehmen, die insgesamt zwei Drittel der Kosten für Mittel und Gegenstände verursachen. Zu dieser Kategorie gehören Produkte für Diabetiker, Verbandmaterial und Inkontinenzeinlagen.

Die Vergütungsansätze für die umsatzstärksten Produkte auf der Liste - Blutzuckerteststreifen, Verbandmaterial und Pauschalen für Inkontinenzmittel - seien zum Teil schon mehrmals gesenkt worden, schrieb das BAG. Hier gebe es nur noch wenig Sparpotenzial.

Schweiz nicht systematisch teurer

Die übrigen Produkte auf der Liste seien kleinere Gruppen, für die im Ausland teils mehr und teils weniger bezahlt werden müsse als die derzeitigen Höchstvergütungsbeträge. Entsprechend könnten bei einer Revision der Mittel- und Gegenständeliste Höchstvergütungsbeträge sinken oder auch steigen.

Erste Analysen zur Vorbereitung der Revision der Liste haben laut BAG gezeigt, dass die Höchstvergütungsbeträge in der Schweiz nicht systematisch höher sind als die Preise im Ausland.

(sda/chb)