Die Branchenbeobachter, welche sich aus wissenschaftlichem Interesse mit dem Baselbieter Biotechunternehmen Santhera beschäftigen, brauchen nicht mehr viel Geduld: Am 12. November 2007 wird die Firma in Zürich über ihre Forschungs- und Entwicklungsprojekte informieren. Wer aber neue Details über Santheras finanzielle Situation erhalten möchte, muss sich bis zum 29. Februar 2008 gedulden. Erst dann wollen sich CEO Klaus Schollmeier und Finanzchefin Barbara Heller zur wirtschaftlichen Lage von Santhera äussern.

Monate der Entscheidung

Bereits jetzt zeichnet sich aber ab, dass sich das Erreichen der Gewinnschwelle verzögern dürf-te. «Bis jetzt gingen wir davon
aus, dass wir den Breakeven im Jahre 2010 erreichen. Diese Aussage überprüfen wir nun im gerade laufenden Budgetprozess», sagt Schollmeier. «Immerhin haben wir unsere Pipeline stark ausgebaut», gibt er gegenüber der «Handelszeitung» zu bedenken. Damit verbunden seien weitere Studien, die zusätzliche finanzielle Mittel verschlingen werden. Deshalb gibt Schollmeier auch zu: «Die Cash-burn-Rate wird 2008 gegenüber 2007 nochmals steigen.» 2007 wird Santhera jeden Monat über 15 Mio Fr. «verbrennen».
Andererseits hat die Firma mit aktuell 70 Mitarbeitern die Chance, ihr erstes Medikament früher als vorgesehen zu lancieren. Dabei handelt es sich um ein Mittel (Projektname: SNT-MC17) zur Behandlung der raren Nervenkrankheit Friedreich-Ataxie. In der Europäischen Union, in Kanada und in der Schweiz soll das Produkt im 2. Halbjahr auf den Markt kommen, in den USA 2009.
Im wichtigen und lukrativen US-Pharmamarkt will Santhera das Medikament mit 30 Mitarbeitern alleine lancieren. In der
EU wird dies mit dem japanischen Partner Takeda geschehen. «Das 2. Halbjahr 2008 und das Jahr 2009 werden entscheidend sein, wie Santhera langfristig aufgestellt sein wird», fasst CEO Schollmeier die Lage zusammen. Auch die Gespräche mit den Krankenversicherungen über deren Rückerstattungspflicht seien auf Kurs.
Gleichzeitig denkt er bereits daran, wie er den Aktionsradius seines Unternehmens verbreitern kann. Einerseits könnte SNT-MC17 gegen weitere neuromuskuläre Krankheiten wirksam sein. «Andererseits könnte sich Santhera auch durch Kooperationen oder Einlizenzierungen verstärken. «Beide Möglichkeiten sind für uns gleichwertig», so Schollmeier.

«Free Float wird sich erhöhen»

Welche Aktionäre dann noch in die Firma investiert sind, wird sich zeigen. Denn Anfang dieses Monats lief die einjährige Verkaufssperre ab, die am Tag des IPO begann. «Ich gehe nicht davon aus, dass es im Aktionariat grosse Veränderungen geben wird», vermutet Klaus Schollmeier. Gleichzeitig sagt er: «Trotzdem wird sich der Free Float und damit die Liquidität des Titels etwas erhöhen. Das wird der Aktie gut tun.»
Zu den Grossinvestoren gehören NGN (12,2%), Merlin
(7,7%), Oxford Bioscience (7,1%), 3i (6,9%), Schroders (5,1%) und GIMV (5%). Seit dem IPO legte der Titel um rund 17% auf zuletzt 103 Fr. zu.

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