Das Baselbieter Pharmaunternehmen Santhera ist im letzten Jahr tiefer in die roten Zahlen geraten. Zum Verlust von 51,5 Millionen Franken (Vorjahr: 35,4 Millionen) trugen unter anderem gestiegene Marketing- und Vertriebsaufwendungen für neue Medikamente bei. 

Sie erhöhten sich gegenüber dem Vorjahr von 21,1 Millionen auf 28,5 Millionen Franken, wie Santhera am Dienstag mitteilte. Weiter verantwortlich für den Verlust, dessen Höhe Santhera bereits im Januar angekündigt hatte, seien hohe Aufwendungen für klinische Versuche. 

Steigende Forschungskosten

Denn durch die Phase-III-Studie (SIDEROS) und auch die Vorbereitungen der Zulassungsanträge von Raxone in den USA und der EU seien die Kosten für Forschung und Entwicklung auf 26,6 Millionen Franken (Vorjahr: 17,7 Millionen) angestiegen. 

Raxone ist das Schlüsselmedikament von Santhera und erzielte letztes Jahr einen Umsatz von 22,9 Millionen Franken, 21 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Umsatz von Raxone entspricht dem Gesamtumsatz des Unternehmens. 

Das Medikament wird in der EU für die Behandlung von Leberscher Hereditärer Optikus-Neuropathie (LHON) verkauft, einer seltenen vererbliche Erkrankung des Sehnervs. 

Rückschläge bei Zulassung

Für weitere Anwendungen von Raxone hatte Santhera in den letzten Monaten Rückschläge erlitten. Für den Einsatz bei Patienten mit primärer progredienter Multipler Sklerose zeigte Raxone keine bessere Wirkung als Placebos. Ebenfalls hatte es die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) abgelehnt, die auch unter dem Namen Idebenone bekannte Arznei zur Behandlung von Muskelschwund (DMD) zu empfehlen. 

Obschon man über die ausbleibende Zulassung in Europa sehr enttäuscht sei, wolle Santhera weiter an einer Zulassung arbeiten, erklärte Unternehmenschef Thomas Meier. Man konzentriere sich nun darauf, weitere stützende klinische Daten zu erheben, um einen erneuten Antrag zu stützen.

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Pipeline erweitern

Mit dem Kauf einer weltweiten Exklusivlizenz zur Entwicklung und Vermarktung eines klinischen Prüfmedikaments habe Santhera das wichtige Ziel erreicht, die Pipeline auf dem Gebiet der seltenen Krankheiten zu erweitern. 

Konkret geht es um Entwicklungskandidat POL6014, der einen potenziellen Therapieansatz bietet für Krankheiten wie Mukoviszidose (zystische Fibrose, CF) und andere neutrophile Lungenerkrankungen. 

Santhera werde weiterhin Möglichkeiten prüfen, die Pipeline mit Wirkstoffkandidaten zur Behandlung seltener neurophthalmologischer, neuromuskulärer und pulmonaler Erkrankungen auszubauen. 

Santhera sieht sich finanziell gut aufgestellt. Mit der Wandelanleihe von über 60 Millionen Franken, die im Februar 2017 erfolgreich platziert wurde, verfüge das Unternehmen über die nötigen Mittel, um in weitere klinische Tests zu investieren. Per Ende 2017 verfügte Santhera über liquide Mittel in Höhe von 58,2 Millionen Franken.

(sda/gku/mlo)