Das Spezialitätenpharma-Unternehmen Santhera hat im ersten Halbjahr 2016 dank steigender Verkaufszahlen für Raxone den Umsatz gesteigert. Wegen eines deutlich höheren Aufwands infolge verstärkter kommerzieller und klinischer Aktivitäten resultiert unter dem Strich dennoch ein Verlust. Für den Rest des Jahres gibt sich das Management zuversichtlich.

In den ersten sechs Monaten 2016 stieg der Nettoumsatz von Raxone an Patienten von Leber Hereditärer Optikusneuropathie (LHON), einer seltenen Augenerkrankung, auf 7,2 Millionen von 1,5 Millionen im Vorjahr. Für den Umsatzsprung verantwortlich seien höhere Verkäufe in Deutschland und Frankreich (87 Prozent der Verkäufe), sagte CEO Thomas Meier an einer Medienkonferenz. Die restlichen Verkäufe wurden in Österreich und Schweden generiert.

Konservative Umsatzprognose

Das Umsatzwachstum von Raxone liege damit aber etwas unter den ursprünglichen Erwartungen auf Grund der komplexen Preisfindungs- und Rückerstattungsprozesse in verschiedenen EU Ländern, so Meier weiter. Er erwarte jedoch entsprechende Entscheide in den kommenden Monaten, was zur weiteren Steigerung der Verkäufe von Raxone führen dürfte. Für das Gesamtjahr rechne er mit einem Nettoumsatz mit Raxone von 16 Millionen bis 18 Millionen Schweizer Franken, «was eine konservative Einschätzung ist», so der CEO.

Anzeige

Dem im ersten Semester gestiegenen Umsatz stand ein höherer operativer Aufwand als Folge verstärkter kommerzieller und klinischer Aktivitäten gegenüber. Der operative Gesamtaufwand belief sich auf 22,6 Millionen nach 7,5 Millionen in der gleichen Vorjahresperiode. Dabei führte die Vorbereitung der Zulassungsanträge für das Mittel DMD (Duchenne Muskeldystrophie) gegen abnehmende Atmungsfunktion in Europa und den USA sowie die Durchführung von klinischen Studien zu höheren Entwicklungs-, Marketing- und Vertriebskosten.

Somit weitete sich der operative Verlust auf 17,2 Millionen von 6,2 Millionen im Vorjahr aus. Unter dem Strich resultierte ein Reinverlust von 18 Millionen Schweizer Franken, verglichen mit einem Fehlbetrag von 6,2 Millionen im Vorjahr.

Nettomittelverbrauch von 13,3 Millionen

Per 30. Juni 2016 verfügte Santhera über liquide Mittel im Umfang von 63,6 Millionen. Per Ende Dezember 2015 hatten diese 76,9 Millionen betragen. Der Nettomittelverbrauch im ersten Halbjahr 2016 belief sich auf 13,3 Millionen. Die finanzielle Basis erlaube es, die Markt- und Entwicklungsstrategien plangemäss umzusetzen, sagte Meier weiter.

Strategisch liegt der Fokus der Gesellschaft in nächster Zeit vor allem auf den USA. Dort hat sie die eingeschlafenen Aktivitäten reaktiviert und mit Todd Bazemore als COO eine Führungskraft mit 22 Jahren Berufserfahrung eingestellt. Unter seiner Leitung wird sich die US-Niederlassung anfänglich auf die Funktionen Regulatory und Medical Affairs konzentrieren und die Umsetzung der klinischen Programme und die Zusammenarbeit mit Patientenorganisationen unterstützen sowie die kommerzielle Strategie für den Markteintritt von DMD erarbeiten.

Aufbau der operativen Tätigkeit in den USA

Der Aufbau der operativen Tätigkeiten in den USA ist gemäss Meier ein wichtiger Schritt für das Unternehmen, insbesondere im Hinblick auf die geplante weitere Interaktion mit der Gesundheitsbehörde FDA bezüglich einer beschleunigten Zulassung von Raxone für DMD. Im Juli hatte Santhera diesbezüglich einen Rückschlag erlitten. Santhera suche nun das Gespräch mit der Behörde, um die Möglichkeiten einer beschleunigten Zulassung zu erörtern.

Der Markt reagierte mit Kursabschlägen auf das in den Augen von Kepler Cheuvreux solide Umsatzwachstum. Auch die Analysten der Neuen Helvetischen Bank bezeichnen den Umsatzanstieg als gut. Um die nächsten Schritte umzusetzen, verfüge das Unternehmen über die notwendigen Mittel, ergänzen die Experten. Falls Santhera die diversen Meilensteine erreiche, werde sich die Geschichte rund um das Unternehmen massiv verbessern und das Interesse der Investoren zurückkehren, schreiben die Experten. Bis gegen 12.20 Uhr verlieren die Valoren 1,1 Prozent auf 50,40 Schweizer Franken, während der Gesamtmarkt (SPI) 0,14 Prozent höher steht.

(awp/chb)