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Justiz
Sarasin geht in Berufung gegen Drogeriekönig Müller

Aktenstapel: Der Prozess Sarasin gegen Müller zieht sich. Keystone

J. Safra Sarasin hat bisher im Streit gegen Drogeriekönig Erwin Müller in jeder Instanz verloren, ist zu Schadenersatz über 45 Millionen Euro verurteilt. Jetzt geht das Basler Geldhaus in Berufung.

Von Seraina Gross
am 26.06.2017

J. Safra Sarasin lässt nicht locker. Die Basler Privatbank geht gegen das Urteil des Landgerichts Ulm in Berufung. Das bestätigt das Oberlandesgericht Stuttgart auf Anfrage der Handelszeitung. J. Safra Sarasin war am 22. Mai zur Zahlung von Schadenersatz über 45 Millionen Euro plus Zinsen von 5 Prozent und zur Übernahme der Verfahrenskosten in der Höhe von mehreren Hunderttausend Franken an ihren ehemaligen Grosskunden Erwin Müller verurteilt worden.

Das Gericht hatte es als erwiesen angesehen, dass der Self-Made-Milliardär von der Bank nicht korrekt über die Risiken einer Anlage in den luxemburgischen Sheridan-Fonds aufgeklärt worden war, insbesondere über dasjenige eines Totalverlusts. Es geht um sogenante Cum/Ex-Geschäfte. Das sind Aktiengeschäfte rund um den Dividendenstichtag, bei denen es bis 2012 durch eine gültige Praxis möglich war, eine nur einmal bezahlte Verrechnungssteuer mehrmals vom deutschen Fiskus zurückzufordern.

Letzter prominenter Cum/Ex-Fall weiter offen

Damit bleibt der letzte prominente Fall in Sachen Cum/Ex und Sarasin weiter offen. Mit Carsten Maschmeyer, Gründer der Finanzvertriebsgesellschaft AWD und Ehemann von Schauspielerin Veronica Ferres, hatte sich die Bank bereits vor zwei Jahren verglichen. Die Rede war damals von einer Summe von 10 Millionen Euro.

J. Safra Sarasin hat bis jetzt alle Gerichtsverfahren in der Causa Müller verloren - insbesondere auch das um die Zuständigkeit der deutschen Gerichte. Mit dem letztinstanzlichen Urteil des deutschen Bundesgerichtshofs war entschieden worden, dass der schwerreiche Müller als Privatanleger und nicht etwa als «qualified investor» zu betrachten sei. Damit galten für die gerichtliche Beurteilung die Beratungsanforderungen an Privatanleger.

Prozessrisiken seit 2013 klar

Die Sarasin-Topshots waren schon 2013 über die Prozessrisiken im Bilde. «Ausgehend von den uns heute verfügbaren Informationen ist es überwiegend wahrscheinlich, dass EM (Erwin Müller, die Redaktion) einen Prozess gegen die BSC (Bank Sarasin & Cie AG) wegen falscher Beratung (...) vor deutschen Gerichten gewinnen wird», schrieben die Anwälte der Kanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer damals in einem Gutachten zu den Risiken eines Schadenersatzprozesses.

Notabene nicht im Auftrag der Gegenseite, sondern der Bank selbst. Erwin Müller sei berechtigt, eine Stornierung der Anlage zu fordern, unabhängig von der Frage, ob die Steuererstattung letztlich gewährt wird oder nicht.

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