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Dein Deal
Sartoriani-Konkurs: Präsident beteuert Unschuld

Massanzüge: Viele Kunden kauften bei Dein Deal – und legten zusätzlich in bar drauf. (Bild: Wikimedia)

Der vorbestrafte Ricky Kripalani ritt die FBM Fashion Brand Management in den Konkurs. Im Handelsregister taucht nur eine Person auf – ausgerechnet ein diplomierter Wirtschaftsprüfer aus Luzern.

Von Volker Strohm
am 22.07.2013

In der Personendatenbank «Monetas» wird Peter K. Bachmann mit nicht weniger als 25 aktuellen Funktionen in Unternehmen aufgeführt. Nebst dem Engagement in der eigenen Cobalu GmbH ist der Luzerner Wirtschaftsprüfer unter anderem auch Verwaltungsratspräsident der FBM Fashion Brand Management AG, über die am 11. April 2013 in Zürich der Konkurs eröffnet worden ist.

Dahinter steckt das Label Sartoriani, das über das Schnäppchen-Portal Dein Deal Gutscheine für Massanzüge zum Schleuderpreis anbot. Dessen Geschäftsführer Ricky Kripalani ist untergetaucht, die Geschäftsräume sind versiegelt – und rund 1000 Kunden warten noch immer auf die bestellte Ware, dazu sind laut Wirtschaftsmagazin BILANZ Rechnungen für Miete, IT-Dienstleistungen, private Gartenmöbel oder Reinigungskosten offen.

Auch Bachmann gibt sich als Opfer macht laut Artikel einen Schaden von mehr als 75'000 Franken geltend. Kunden seien in seiner Wahrnehmung dagegen nicht geschädigt worden. Zu den Fragen von handelszeitung.ch nimmt Bachmann schriftlich Stellung.

Herr Bachmann, Sie wurden am 10. Mai 2011 als Nachfolger von Thomas Blattmann als einziger Verwaltungsrat der Firma FBM Fashion Brand Management AG ins Handelsregister eingetragen. Welches waren damals Ihre Motivationsgründe?
Peter K. Bachmann: Mitte 2011 hat sich Ricky Kripalani bei mir gemeldet und nachgefragt, ob ich das Mandat als Verwaltungsrat bei der FBM Fashion Brand Management AG übernehmen würde. Anhand der mir vorgelegten Jahresabschlüsse – erstellt durch eine mir bekannte Treuhandgesellschaft, die Procliente Treuhand AG – und einer Referenzanfrage beim vormaligen Verwaltungsrat, Rechtsanwalt Thomas Blattmann, kam ich zum Schluss, dass es sich hier um ein seriöses Engagement handelt. Deshalb habe ich die Anfrage positiv beantwortet.

Was wussten Sie über den Geschäftszweck?
Ricky Kripalani erklärte mir, dass es inskünftig geplant sei, aus einem Atelier in Zürich Massanzüge und Hemden zu verkaufen, welche hauptsächlich in England gefertigt werden. Ich habe gesehen, dass sein Onkel ein gleiches Geschäft an der Bahnhofstrasse betreibt.

Mit einer einfachen Google-Anfrage wird deutlich, dass Ricky Kripalani in Deutschland wegen identischen «Geschäftsmodellen» – nicht gelieferte Massanzüge – bereits im Gefängnis sass. Inwieweit war Ihnen dies damals bekannt?
Das war mir nicht bekannt.

Kripalani ist bei der FBM Fashion Brand Management AG nicht im Handelsregister eingetragen. Machte Sie dies nie stutzig?
Es war nicht vorgesehen, dass er das Tagesgeschäft aktiv betreibt. Deswegen bestand auch keine Veranlassung bestand, ihn im Handelsregister einzutragen.

Wann haben Sie erstmals von den Lieferproblemen erfahren?
Bachmann verweist an dieser Stelle auf einen Brief vom 24. Juni, der handelszeitung.ch vorliegt. Daraus folgende Passagen:

«Am 23. August 2012 rief ein Herr Buchmann von der Kriminalpolizei Zürich, Abteilung Vermögensdelikte, bei mir im Büro an und verlangte, mich dringend zu sprechen. Da ich im Ausland weilte, konnte ich ihn aber nicht sofort zurückrufen und erreichte ihn erst ein oder zwei Arbeitstage später. Herr Buchmann eröffnete mir, dass er verschiedene Nachfragen von Kunden erhalten habe, die auf die Auslieferung der bestellten und bezahlten Kleider warteten. Er habe in der Zwischenzeit aber selbst recherchiert und von der Goodshine AG die Bestätigung erhalten, dass wohl mit der FBM alles in Ordnung sei, denn sie hätten keine übermässigen Reklamationen – ich könne den Fall als abgeschlossen betrachten.

Im Dezember liess ich mir eine Bestätigung der grössten Lieferanten geben, dass alle Rechnungen beglichen sind. Auch in dieser Zeit wurden zwei Rechtsöffnungsbegehren – einmal über 10'000, einmal über 24'000 Franken – abgewiesen, das heisst die Forderungen waren nicht berechtigt. Um die Jahreswende 2012/2013 wurden etwa drei bis fünf Kunden hartnäckiger und gaben an, die Kleider seien schon lange überfällig und sie würden auch keine Antwort erhalten.

Ich schrieb dies dem Umstand zu, dass wir in der Zwischenzeit nur noch eine Person im Teilzeitpensum angestellt hatten und so eben das Atelier oft nicht besetzt war. Mit einem Kunden hatte ich regelmässigen Kontakt – und habe ihn jeweils zu vertrösten versucht. Dies ging so lange gut, bis er mir einen vom 12. März 2013 datierten Betreibungsregisterauszug zukommen liess, der 25 Betreibungen auflistete. Da ich aber zu der Zeit geschäftlich im Ausland weilte, konnte ich zu wenig schnell reagieren – und habe insbesondere nicht bemerkt, dass bereits eine Konkursandrohung vorlag. Mit Urteil vom 11. April 2013 hat der Konkursrichter des Bezirksgerichts Zürich über die Gesellschaft mit Wirkung ab 10 Uhr der Konkurs eröffnet. Sofort wurden die Geschäftsräumlichkeiten versiegelt und die Angestellte nachhause geschickt.»

Gegen Ihre Firma sind Strafanzeigen wegen des Verdachts auf betrügerischen Konkurs in Vorbereitung.
Das ist sehr bedauerlich. Der Tatbestand des betrügerischen Konkurses liegt nicht vor; der Konkurs wurde eröffnet, weil während meiner Auslandabwesenheit der Lieferant von Kleiderständern die Konkurseröffnung verlangt hat und wir nicht richtig und rechtzeitig reagiert haben. Die behaupteten Schäden von Kleiderkunden entstanden hauptsächlich durch den Umstand, dass mit der Versiegelung des Ateliers noch etwa 100 bis 200 Lieferungen vom Konkursamt blockiert sind und nicht an die Kunden ausgeliefert werden können.

Gegen Sie als Verwaltungsrat könnte auch eine Klage wegen Verletzung Ihrer Aufsichtspflicht erfolgen. Für Sie als Sie als Wirtschaftsprüfer und Mitglied der Treuhandkammer wenig verheissungsvoll.
Auch dies ist sehr bedauerlich. Ich habe aber bereits gegenüber dem Konkursamt dargestellt, dass eine adäquate Aufsicht gewährleistet war – wenn die Kleider ausgeliefert werden können, kommt es praktisch zu keinem Schaden. Die grösste Gläubigerin ist die Livit, welche einen völlig unhaltbaren Folgeschaden von fast 300'000 Franken geltend macht für die Miete an der Oetenbachgasse für 3 Jahre.

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