Der rasant steigende Ölpreis, aber auch die intensiver werdenden Diskussionen über die Umweltproblematik, insbesondere des Klimaschutzes, zwingen die Fahrzeughersteller, neue Konzepte zu entwickeln, welche Umweltschutz, aber auch Wirtschaftlichkeit und Leistungsfähigkeit eines Fahrzeuges in Einklang bringen. Keine leichte Aufgabe, doch praktisch alle Nutzfahrzeughersteller arbeiten derzeit mit Hochdruck daran, neue Motorenkonzepte zu entwerfen.

Einen wichtigen Schritt in diese Richtung unternahm der schwedische Nutzfahrzeughersteller Volvo Trucks mit der Entwicklung eines Entsorgungsfahrzeuges mit Hybridantrieb. Volvo stellte kürzlich zwei Hybridentsorgungsfahrzeuge vor, die von den beiden schwedischen Firmen Renova und Ragn-Sells bei der normalen täglichen Kehrrichtabfuhr getestet werden.

«Diese Testphase ist die letzte Stufe, bevor wir mit der Serienfertigung unserer Hybridlösung beginnen. Seit der Vorstellung unseres ersten Konzeptfahrzeugs im Jahr 2006 haben wir ein deutlich gestiegenes Marktinteresse an dieser Technologie beobachtet. Unsere Lösung ist für den Antrieb eines schweren Nutzfahrzeugs ausreichend leistungsfähig und wirtschaftlicher als alle anderen derzeitigen Alternativen», erklärte Staffan Jufors, Präsident und CEO der Volvo Truck Corporation, anlässlich der Vorstellung der neuen Fahrzeuge. Leistungsfähigkeit und Wirtschaftlichkeite sind wichtige Kriterien, die für den kommerziellen Erfolg des Hybridantriebes entscheidend sind. Volvo Trucks will im Jahr 2009 mit der Produktion von Lastwagen mit Hybridantrieb beginnen.

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Für spezielle Einsätze

Die Hybridlösung von Volvo kombiniert einen Diesel- und einen Elektromotor miteinander, wobei der Elektromotor zum Anfahren und zum Beschleunigen bis auf 20 km/h eingesetzt wird. Bei höheren Geschwindigkeiten übernimmt der Dieselmotor den Antrieb. Beim Anhalten wird der Dieselmotor ausgeschaltet, um einen unnützen Betrieb im Leerlauf zu vermeiden. Die Batterien werden durch die beim Bremsen erzeugte Energie aufgeladen. Dieses System ist damit besonders für Einsatzbereiche geeignet, bei denen ein häufiges und wiederholtes Anhalten und Weiterfahren erforderlich ist, wie bei der Kehrichtentsorgung oder bei der Belieferung von Innenstädten.

Bei den Hybrid-Entsorgungsfahrzeugen werden ein um bis zu 20% geringerer Treibstoffverbrauch und eine entsprechende Senkung des Kohlendioxidausstosses erwartet. Darüber hinaus ist eines der Fahrzeuge mit einem zusätzlichen Batterieblock ausgestattet, über den der Abfallverdichter betrieben wird. Diese Batterie wird über das Stromnetz geladen, wenn das Fahrzeug nachts steht.

Eine Technologie mit Zukunft

Die Gesamtreduktion des Kohlendioxidausstosses wird bei diesem Fahrzeug etwa 30% betragen, sodass mit diesem Ansatz ein höherer Umwelteffekt erzielt wird als beispielsweise mit einem Erdgasfahrzeug. Der Elektroantrieb bietet zusätzlich den Vorteil, dass er absolut keine Emissionen produziert und nur geringe Geräusche verursacht – wichtige Aspekte für Entsorgungsfahrzeuge, die oft frühmorgens in der Stadt im Einsatz sind. Anfänglich war die Hybridtechnologie vor allem für Fahrzeuge vorgesehen, die in Städten eingesetzt werden. Langfristig plant Volvo aber auch, Hybridfahrzeuge für den Fern- und Baustellenverkehr anzubieten. «Die Hybridtechnologie wird zukünftig eine wichtige Rolle spielen, da der Klimaschutz und die Abhängigkeit vom Erdöl immer stärker in den Blickpunkt rücken», erklärt Mats Franzén, Motorenmanager der Abteilung Product Strategy and Planning von Volvo Trucks.

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Unabhängig davon, welche Treibstoffe zukünftig dominieren werden, wird deren Verfügbarkeit in immer stärkerem Masse begrenzt sein. Eine Technologie, die zu einem geringeren Verbrauch führt, wird deshalb für die einzelnen Flottenbesitzer von grossem Interesse sein, welche Art von Transportaufgaben auch immer sie betreiben. Bei Fahrzeugen, die im Verteilerverkehr eingesetzt werden, ist eine Senkung des Treibstoffverbrauchs um 20 bis 30% realistisch. Im Fernverkehr wird die prozentuale Verbrauchssenkung nicht so hoch ausfallen, aber weil diese Fahrzeuge oft lange Strecken zurücklegen müssen, fällt die absolute Ersparnis dennoch ins Gewicht.