Bereits seit den 70er-Jahren arbeiten die Ingenieure der MAN Nutzfahrzeuge AG an verschiedenen Technologien, um durch die Rekuperation von Bremsenergie Treibstoff und damit CO2 einzusparen. Zuverlässigkeit, Wirtschaftlichkeit und Effizienz sind die drei wesentlichen Erfolgskriterien für marktfähige Hybridantriebe. Nur Hybridantriebe, welche diese Kriterien voll erfüllen, entwickelt MAN Nutzfahrzeuge bis zur Serienreife. Die Zeit der Hybridtechnik für Verteilerfahrzeuge begann bei MAN schon 1983 mit dem ersten diesel-elektrisch betriebenen G90-Lastwagen, einem 7,5-Tönner aus der MAN-VW-Gemeinschaftsbaureihe.

Einige Jahre Erfahrung mit Hybrid

MAN präsentierte den ersten Hybrid-Verteilerlastwagen mit Kurbelwellen-Starter-Generator im Jahr 2001. 2006 wurde der TGL Hybrid mit EDA, einem elektrodynamischen Anfahrelement, vorgestellt. 2008 präsentierte MAN das Modell TGL 12.220 Hybrid mit Lithium-Ionen-Batterie als Energiespeicher, das eine Treibstoff- und CO2-Einsparung bis zu 15 Prozent - je nach Einsatzprofil - verspricht. Beim Verteilerfahrzeug setzt MAN auf parallele Hybridtechnik, die gerade im Zubringerverkehr mit längeren Konstantfahrt-Streckenanteilen höhere Wirkungsgrade verspricht.

Beim TGL 12.220 Hybrid arbeitet ein Vierzylinder-Common-Rail-Dieselmotor mit 220 PS in EEV-Ausführung, der seine Leistung an ein Hybridgetriebe abgibt. Zusätzlich ist ein 60 kW starker Elektromotor als Starter-Generator in den Antriebsstrang integriert. Eine Kupplung trennt den Elektromotor und das Getriebe vom Verbrennungsmotor und ermöglicht so elektrisches Fahren.

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Die elektrische Maschine wird im Generatorbetrieb auch als Stromerzeuger genutzt, die Bremsenergie wird von einer kompakten Lithium-Ionen-Batterie gespeichert. Das Gesamtsystem besteht aus einem automatisierten Sechsgang-Getriebe, einem Elektromotor und einer Hochspannungsbatterie. Es übernimmt alle Funktionen eines Vollhybridsystems: Die Stopp-Start-Funktion, die Rekuperation der Bremsenergie, die Unterstützung beim Beschleunigen (Boosten) und das elektrische Fahren. Das Hybrid-Energiemanagement steuert die Energieflüsse zwischen Dieselmotor, Elektromotor, Energiespeicher, Antriebsachse und Nebenaggregaten, es optimiert zudem die Drehmoment-Aufteilung zwischen Dieselmotor und Elektromaschine. Daneben wird ein bedarfsgerechter Betrieb der Nebenaggregate sichergestellt.

Sogar rein elektrischer Betrieb möglich

MAN Nutzfahrzeuge sieht in der Weiterentwicklung des Energiemanagements seine Kernkompetenz im Bereich des Hybridantriebs: Wie schon beim MAN Lion’s City Hybrid stellt das Energiemanagement einen zuverlässigen Betrieb des Fahrzeugs sicher und ist zugleich der Garant dafür, dass eine hohe Energieeffizienz erreicht wird. Die Stopp-Start-Automatik spart bei den Leerlaufzeiten Treibstoff, das elektrische Anfahren mit Bremsenergie spart beim Beschleunigen. Mit einer stärkeren Batterie von etwa 10 kWh wird sogar ein rein elektrischer Kurzstreckenverkehr möglich. Die elektrische Zusatzleistung, immerhin 60 kW, erlaubt ein gezieltes Downsizing des Verbrennungsmotors; die Leistungsreduzierung wird beim Beschleunigen vom Elektromotor kompensiert. Das Sparpotenzial des seriellen MAN-Lion’s-City-Hybrid-Stadtbusses erreicht der TGL Hybrid konzeptbedingt nicht ganz.