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Formel 1
Saubers neue Freunde aus Russland

Künftig haben beim Schweizer Rennstall russische Sponsoren das Sagen - allesamt haben sie einen direkten Draht in den Kreml.

Von Stefan Eiselin
am 15.07.2013

Saubers finanzielle Weltreise geht weiter. Einst war der staatliche malayische Ölkonzern Petronas wichtigster Geldgeber des Schweizer Rennstalls, dann der deutsche Autobauer BMW – und in der laufenden Saison sorgten vor allem mexikanische Unternehmen für frische Mittel. Künftig haben nun russische Sponsoren das Sagen, wie das Unternehmen aus Hinwil ZH heute bekannt gab.

Der Einstieg der Russen hat Kalkül. Das Riesenreich will sich in der Formel 1 profilieren. Nächstes Jahr findet in Sotschi der erste Grand Prix in Russland statt. «Die Zusammenarbeit [...] umfasst die Förderung des Formel-1-Sports in Russland», schreibt Sauber in der Medienmitteilung zur Bekanntgabe der neuen Investoren. Zudem gehe es um «die Unterstützung zur Entwicklung einer jungen Generation von Motorsportlern in Russland». Und so fährt nächste Saison der unerfahrene 18-jährige Sergeij Sirotkin für die Schweizer.

Heikle Verbindung

Auch Sauber hofft, von der Kooperation zu profitieren. Sie verleihe dem Unternehmen «eine solide Basis». Zudem ermögliche die Zusammenarbeit, die «Wettbewerbsfähigkeit langfristig zu steigern», schreibt der Rennstall.

Der Schritt ist jedoch nicht ganz unproblematisch. Die drei Geldgeber stehen alle direkt oder indirekt alle unter dem Einfluss des Kremls. Und Russland erwies sich besonders in letzter Zeit nicht immer als verlässlicher Partner des Westens. Menschenrechtsgruppen kirtisieren zudem Demokratiedefizite und die Missachtung von Menschenrechten. Das ist zumindest imagemässig heikel.

Der Chef fuhr Rallye

Umso mehr erstaunt, dass die neuen Partner mit Formel 1 eigentlich gar nichts am Hut haben. Der Staatliche Fonds für Entwicklung der Nord-Westlichen Russischen Föderation (Gosfond) finanziert Projekte, die das Kulturerbe in der Region zwischen St. Petersburg und Komi fördern. Der Rennsport steht weniger auf seiner Agenda.

Nur einen Anknüpfungspunkt gibt es: Fonds-Chef Sergeij Afanasjew schreibt nicht nur Gedichte und Songtexte, sondern war früher auch Rallyefahrer. Hinter dem Fonds stehen die Regierung Russlands, das Parlament, der Föderationsrat der Russischen Föderation und die Stadt Moskau. Auch der Investment Cooperation International Fund wurde mit Staatshilfe gegründet. Von Moskau aus will er die technologische Entwicklung und Erneuerung in den Regionen Russlands fördern.

Vater des Sauber-Fahrers

Und als dritte Institution mit dabei ist das Nationale Institut für Luftfahrttechnik. Gemäss dem Schweizer Fernsehen SRF ist dessen Generaldirektor Oleg Sirotkin der Vater des neuen Sauber-Fahrers.

Bis zum Erscheinen dieses Artikels antwortete Sauber nicht auf die Fragen von handelszeitung.ch.

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