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Banken
Saudi-Arabien lockt die Schweizer Banken

epa07200385 Crown Prince of Saudi Arabia Mohammad Bin Salman Al Saud waits for the family picture at the G20 summit in Buenos Aires, Argentina, 30 November 2018. The Group of Twenty (G20) Summit brings together the heads of State or Government of the 20 largest economies and takes place from 30 November to 01 December 2018.  EPA/LUKAS COCH  AUSTRALIA AND NEW ZEALAND OUT
Der saudische Thronfolger Mohammed bin Salman: Sein Regime soll in die Ermordung von Regimegegner Jamal Kashoggi verwickelt sein.Quelle: Keystone/AP &nbs

Im Königreich winken gute Geschäfte. Ein halbes Jahr nach dem Mord am Regimegegner Jamal Kashoggi erhält die Credit Suisse eine Banklizenz.

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Von Marc Bürgi
am 24.04.2019

Am Donnerstag hatte der Chef des weltgrössten Vermögensverwalters Blackrock einen Auftritt in Saudi-Arabien. Larry Fink war Gast an der «Financial Sector Conference». Es war eine Konferenz für die Finanzindustrie, die das Königreich in Riad organisierte. Das Land entwickle sich fantastisch, «pretty amazing», sagte Fink an dem Podium. «Wir haben viel Vertrauen in diese Wirtschaft», so der Amerikaner. Nebst Fink waren weitere Tobanker zugegen, etwa HSBC-Chef John Flint und Daniel Pinto, Co-Präsident von Morgan Stanley.

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Die Schweizer Finanzbranche war hingegen nicht prominent vertreten. Seit die Rolle Saudi-Arabiens in der Ermordung von Regimegegner Jamal Kashoggi bekannt ist, sind Reisen nach Saudi-Arabien aus Schweizer Sicht eine heikle Angelegenheit. Credit-Suisse-Chef Tidjane Thiam sagte letzten Oktober unter öffentlichen Druck einen geplanten Besuch ab.

Die Credit Suisse erhält den Behördensegen

Das Interesse an Saudi-Arabien hat die Schweizer Finanzbranche allerdings nicht verloren, im Gegenteil: Am Donnerstag hat die Credit Suisse die Banklizenz für das Land erhalten. Es ist ein wichtiger Erfolg für die Grossbank, um den sie sich lange bemüht hat. Was heisst das genau? Nun kann sie das Onshore-Geschäft starten und Kunden ohne die Hilfe einer saudischen Depotbank betreuen.

Laurence Fink, Chairman and CEO of BlackRock Inc., speaks at the Council on Foreign Relations, Wednesday, Feb. 29, 2012 in New York. BlackRock, Inc., today launched a multi-faceted global initiative that offers investors practical actions for building more dynamic, more diverse portfolios that these times require. (AP Photo/Mark Lennihan)
Blackrock-Chef Larry Fink: Der weltgrösste Asset-Manager öffnet ein Büro in Saudi-Arabien.
Quelle: Keystone

Die Credit Suisse steht mit ihren Ambitionen für das Königreich in der Finanzbranche nicht alleine da. Die UBS will ihre Abteilung für Saudi-Arabien verdoppeln, die Genfer Privatbank Lombard Odier sucht eine saudische Partnerbank. Saudische Reiche horten ihr Vermögen von jeher gerne in der Schweiz. Nun öffnet das Königreich seinen zuvor abgeschottenen Markt für ausländische Finanzinstitute. Und Schweizer Banken wollen im dem Land mit seiner reichen Elite Fuss fassen.

Ein Bundespräsident als Türöffner

Die Bankenbranche erhält Unterstützung aus der Politik: Letztes Jahr reiste Bundespräsident Ueli Maurer mit einer Delegation aus der Finanzbranche nach Saudi-Arabien. Die Schweiz führt einen «Finanzdialog» mit dem Land. Hinter diesem sperrigen Begriff verbirgt sich auch das Ziel, Banken besseren Zugang zum Markt zu verschaffen.

Dieses Jahr wollte Maurer erneut mit Bankvertretern nach Riad reisen. Diese Reise ist vorest auf Eis gestellt. Und in diesem Rückzieher offenbart sich auch das Risiko für ausländische Banken in Saudi-Arabien.

Maurer verschob die Reise wegen der Kontroverse um die Ermordung Jamal Kashoggis. Die Rolle des Regimes von Thronfolger Mohammed bin Salman in diesem Mord brachte Saudi-Arabien international in Verruf. Westliche Unternehmen vermieden es in den letzten Monaten, mit Saudi-Arabien in Verbindung gebracht zu werden. Unter Bin Salman ist das Land grundsätzlich unberechenbarer geworden. Der Finanzsektor bietet zusätzliche Gefahren - die Europäische Union führt das Land auf einer Schwarzen Liste und bemängelt die Bekämpfung von Geldwäscherei und Terrorfinanzierung.

GrafikenSaudi-Arabien
Saudi-Arabien: Ein lukrativer Markt für Schweizer Banken (Angaben von 2017).
Quelle: Handelszeitung

Der «Finanzdialog» wird fortgeführt

Die Angst vor Negativschlagzeilen haben Manager wie Blackrock-Chef Fink oder HSBC-Chef Flint mittlerweile verloren, wie die Konferenz zeigt. Keine Gemeinschaft in der Welt sei perfekt, liess sich Fink im Vorfeld der Reise sinngemäss zitieren. Schlagzeilen seien für ihn kein Grund, einen Ort zu meiden – sondern vielmehr Motivation, genau dorthin zu eilen. Saudi-Arabien mit seinem Reichtum aus dem Ölgeschäft ist für ausländische Unternehmen offenbar zu verlockend.

Auch die Schweizer Banken dürfen ihre Expansion vorantreiben. Und Ueli Maurer liebäugelt damit, seine Reise nachzuholen. Der «Finanzdialog» mit Saudi-Arabien wird auf jeden Fall mit einem Treffen in Bern diesen Frühling weitergeführt.