Saudi-Arabien will den staatlichen Öl- und Chemiekonzern Saudi Aramco im Jahr 2017 oder 2018 an die Börse bringen. Dabei sollen zunächst weniger als fünf Prozent der Anteile des weltgrössten Öllieferanten in private Hände gelangen, wie Vize-Kronprinz Muhammad bin Salman in einem am Freitag veröffentlichten Interview mit der Nachrichtenagentur Bloomberg ankündigte. Es gelte, die Investitionen zu streuen, sagte er. «Binnen 20 Jahren werden wir eine Volkswirtschaft oder ein Staat sein, der nicht mehr hauptsächlich vom Öl abhängt.»

Im Zuge des Börsengangs will bin Salman den grössten Staatsfonds der Welt schaffen. Dieser soll künftig Werte von mehr als zwei Billionen US-Dollar kontrollieren. Zugleich soll aus dem Ölgiganten ein Industriekonglomerat werden.

Grösster Börsenkonzern der Welt

Über einen IPO wird seit Januar spekuliert. Mit dem Börsengang wird sich die geschlossene Volkswirtschaft Saudi-Arabien für Investoren öffnen. Ausserdem spült er dringend benötigtes Kapital ins Land, denn die tiefen Rohstoffpreise haben ein Loch in die saudische Bilanz gerissen.

Der Gang aufs Parkett wird wohl einen Börsengiganten schaffen, der grösser sein wird als alle anderen kotierten Konzerne der Welt. Selbst bei einer konservativen Schätzung aufgrund der bekannten Reserven käme man auf einen Wert von mindestens 2,5 Billionen Dollar für Aramco, sagte ein Rohstoffexperte von Dogma Capital in Lugano unlängst.

Anzeige

Mehr Transparenz

Saudi Aramco ist der grösste Ölproduzent der Welt und soll auf Reserven von mindestens 261 Milliarden Barrel sitzen. Das ist mehr als das Zehnfache der bekannten Reserven des grössten privaten Ölkonzerns Exxon Mobil, der auf einen Börsenwert von 319 Milliarden Dollar kommt.

Viele Einzelheiten über die Firma sind indes nicht bekannt. Das Unternehmen veröffentlicht keine Umsatzzahlen und auch Informationen zu den Reserven sind nur beschränkt verfügbar. Mit einem IPO müssen die Saudis aber Transparenz über das Business schaffen.

(gku, mit Material von Reuters)