Im Konflikt zwischen dem Textilmaschinen- und Getriebehersteller Saurer und dem mit 20% am Konzern beteiligten britischen Hedge Funds Laxey Partners um Dividenden und Mitspracherecht hat die Stunde der Anwälte und der Stimmenfänger geschlagen. Kurz vor der Schliessung des Aktienbuchs am 28. April und zwei Wochen vor der Saurer-Generalversammlung (GV) am 11. Mai wird mit allen juristischen Tricks gekämpft. Es geht um 140 Mio Fr., die Laxey als Ausschüttung fordert, und einen Sitz im Saurer-Verwaltungsrat (VR) für Laxey-Präsident Preston Rabl. Saurer lehnt beides ab.
Die «HandelsZeitung» erhielt Einblick in die Korrespondenz der letzten Wochen zwischen Saurer und Laxey, in der um zwei Punkte gestritten wird: Punkt eins betrifft die Stimmkraft von Laxey an der kommenden GV. Saurer hat bislang die Eintragung ins Register eines Teils der von Laxey gehaltenen Aktien aufgrund der verschachtelten Gesellschaftsstruktur des Hedge Funds verweigert. Nachdem Laxey Ende März Informationen nachlieferte, verlangte Saurer weitere Angaben, unter anderem zur Struktur der Partnerschaft der verschiedenen Laxey-Gesellschaften und des Managements. Zudem wollte Saurer wissen, wie die einzelnen Gesellschaften an der GV stimmen werden. «Solche Angaben über Aktionäre zu fordern, erscheint uns zumindest äusserst ungewöhnlich», sagt Laxey-Anwalt Matthias Courvoisier.
Tatsächlich kann gemäss Aktienrecht einem Anlagefonds, der als Gesellschaft registriert ist, der Eintrag ins Aktienbuch im Prinzip nicht verweigert werden. Das Aktienrecht enthält keinen Passus, der es einem Konzern-VR erlaubt, sich seine Aktionäre auszusuchen.
*Rabl weiterhin nicht genehm*
Der zweite Streitpunkt betrifft Laxey-Präsident Preston Rabl. Saurer verlangte - verständlicherweise - Garantien von Rabl und den Laxey-Gesellschaften zur Einhaltung der Offenlegungspflicht von Managementtransaktionen und der internen Insiderhandelregeln. Nach längerem Hin und Her lieferten Rabl und die Laxey-Gesellschaften diese nach, Letztere am 18. April. Einen Tag später verschickte Saurer die Einladung zur GV, in der es hiess, die Garantien seien nicht gemacht worden. «Saurer hat seine Aktionäre bezüglich der Ablehnungsgründe von Preston Rabl zum Teil nicht richtig informiert», so Courvoisier. «Stimmt nicht», entgegnet Saurer-Sprecherin Simone Lalive. Die Laxey-Gesellschaften hätten sich nur zu den SWX-Richtlinien zur Offenlegung von Managementtransaktionen bekannt. Saurer verlange zusätzlich die Einhaltung der internen Richtlinien.
Während Saurer dem einen Aktionär das Stimmrecht verweigert, sucht die damit beauftragte Bank am Bellevue fieberhaft nach Aktionären, die dem VR an der GV den Rücken stärken. An der letztjährigen GV war nur ein Drittel der stimmberechtigten Aktien vertreten. Dass Saurer in den vergangenen Jahren die Aktionärspflege etwas vernachlässigt hat, wird von Sprecherin Lalive mit den schlanken Konzernstrukturen begründet. In den letzten Wochen habe sich die Aktionärsstruktur enorm verändert, sagt sie. Deshalb der Auftrag an die Bank am Bellevue.
An der GV wird jede Stimme zählen: Sollten die Laxey-Aktien noch eingetragen werden und der Hedge Funds Silverpoint (5,3%) sowie die BZ Bank und BZ Fund Management (5,4%) im Sinne der Briten stimmen, wird es für Saurer ganz eng.

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