Im Machtkampf beim schweizerisch-deutschen Stahlkonzern Schmolz+Bickenbach (S+B) machen die Kleinaktionäre Front gegen die Hauptaktionäre und die Investmentgesellschft Renova des russischen Milliardärs Viktor Vekselberg. Sie stellen sich hinter die Anträge des Verwaltungsrats.

Angesichts der Pläne des deutschen Haupt- und Gründeraktionärs S+B KG schlossen sich die Publikumsaktionäre in der «Vereinigung für eine unabhängige Schmolz+Bickenbach» (VUSB) zusammen, teilten sie in einem Communiqué mit. Co-Präsidenten sind drei ehemalige Kader der einstigen Swiss Steel. Einer von Ihnen ist Stephan Schmid.

Handelszeitung.ch: Welches Interesse haben Sie als ehemaliger Manager an S+B? Geht ihre Beziehung zum Unternehmen über den reinen Aktionärsstatus hinaus?
Stephan Schmid: Meine Kollegen im Co-Präsidium unserer Aktion und ich sind mit der Unternehmung seit Jahrzehnten eng verbundene Kadermitglieder und seit Generationen treue Publikumsaktionäre. Wir haben uns mit den seit Wochen und Monaten laufenden Auseinandersetzungen um die S+B auseinandergesetzt. Nun sind wir sind zum Schluss gekommen, dass man als Aktionär und ehemaliger Mitunternehmer dem Versuch, das Unternehmen auf dem Buckel der Publikumsaktionäre zu übernehmen, nicht tatenlos zusehen darf. Wir sind aktiv geworden und versuchen die Publikumsaktionäre für unser Anliegen zu gewinnen.

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Denn wir sind der Meinung, dass die Rechte und Interessen der Publikumsaktionäre und somit auch der ehemaligen Mitverantwortlichen des Unternehmens  berücksichtigt werden müssen. Dabei geht es nicht vordergründig um die Sicherung der Aktienwerte, sondern um die Unternehmensstrategie und Unternehmenskultur, insbesondere auf der Stufe der des VR und Kaders.

Sind Sie grundsätzlich skeptisch gegenüber eine Beteiligung von Renova? Oder wollen Sie lediglich die Verwässerung der restlichen Aktionäre verhindern?
Mir geht es zu aller erst um eine langfristig positive Entwicklung des Unternehmens. Die Vorschläge des Verwaltungsrates sind interessant. Die neue Strategie, dass man sich auf die Kernkompetenz Produktion konzentriert und sich von gewissen Vertriebsaktivitäten verabschiedet, macht für mich Sinn. Von Renova habe ich bezüglich Strategie überhaupt nichts gehört. Ich weiss nicht, was die wollen. Ich habe nur festgestellt, dass Renova versucht hat, das Unternehmen auf kaltem Weg zu übernehmen, ohne den Drittaktionären ein Angebot machen zu wollen.

Ausserdem ist die von der Renova vorgeschlagene Kapitalerhöhung wegen der starken Verwässerung schlecht für uns Aktionäre und laut Experten in diesem Umfang auch nicht betriebsnotwendig. Und schliesslich tut sich Renova mit dem ehemaligen VR-Präsidenten von Schmolz und Bickenbach, Michael Storm, zusammen, der sich über Jahre bereichert hat und dem Unternehmen mehr geschadet als genützt hat. 

Was bedeutet der Entscheid der Übernahmekommission für die VUSB? Sind Ihre Chancen bei der Generalversammlung dadurch gestiegen?
Der Entscheid der UEK zeigt deutlich, dass Schmolz+Bickenbach kein Sanierungsfall ist und dass die zuständige Behörde dem Versuch, S+B auf kaltem Wege zu übernehmen, einen Riegel schieben wollte. Dieser Entscheid hat dem Verwaltungsrat den Rücken gestärkt. Jetzt hat ja auch die weltgrösste Aktionärsberatungsfirma ISS mitgeteilt, dass sie alle Anträge des VR unterstützt und alle der S+B/Renova ablehnt. Das verbessert sicher die Erfolgschancen der Anträge des Verwaltungsrats an der GV.

Auf den ersten Blick scheint die Logik zu diktieren, dass mehr Eigenkapital auch besser für das Unternehmen ist - und damit für die Aktionäre. Weshalb sind Sie anderer Meinung?
Als ein am Aktienmarkt kotiertes Unternehmen müssen Sie bei Ihren Entscheiden die Interessen des Unternehmens ebenso wie jene aller und nicht nur einzelner (Gross)Aktionäre berücksichtigen. Wenn Untersuchungen von unabhängigen Beratungsunternehmen zum Schluss kommen, dass die vom Verwaltungsrat vorgelegte Kapitalerhöhung ausreichend sei, um Schulden abzubauen und die künftige weitere Entwicklung des Unternehmens sicherzustellen, dann gibt es keinen Grund, von den Aktionären ein grösseres Opfer in Form einer unnötig hohen Verwässerung zu verlangen.

Zu welchem Preis würden Sie ihre Anteile verkaufen? Was ist der realistische Wert des Unternehmens, wenn die Refinanzierung abgeschlossen ist?
Das kann ich Ihnen nicht sagen. Aber ich habe auch gar nicht vor, zu verkaufen, weil ich von einer erfolgreichen Zukunft von Schmolz+Bickenbach unter der heutigen Führung überzeugt bin. Das Unternehmen hat sich sehr klug spezialisiert und verfügt heute über ein attraktives Produkte-Portfolio. Ich bin auch überzeugt, dass der Wert des Unternehmens mit dem neuen Management und der neuen Strategie gesteigert werden kann.

Abgesehen von der Refinanzierung: Sind Sie mit der Strategie des Verwaltungsrats zufrieden, sehen Sie eine erfolgreiche Zukunft für das Unternehmen?
Der Verwaltungsrat hat in den letzten anderthalb Jahren sehr viel verändert. Zuerst hat er mit der Selbstbedienungsmentalität auf oberster Stufe aufgeräumt und mit dem neuen Verwaltungsratspräsidenten, dem neuen CEO und CFO gute Leute eingesetzt, die jetzt auch eine überzeugende Strategie entwickelt haben. Die Konzentration auf die Produktion, auf die Veredelung und auf den direkten Vertrieb von Spezialstählen ist für mich der richtige Weg. Das Zurückfahren der defizitären Handelssparte macht für mich absolut Sinn. Ich bin überzeugt, dass das Unternehmen unter der neuen Führung langfristig erfolgreich sein wird. Ja, wir sind sehr zufrieden mit dem, was wir bei S+B seit einiger Zeit sehen.