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Ausbau
SBB: besseres Netz im Regionalverkehr

Telefonieren und surfen am Bahnsteig: Das soll künftig vielerorts möglich sein. (BIld: Keystone)

Telefonieren und surfen ist im Schweizer Regionalverkehr wegen des schlechten Empfangs oft sehr mühsam. Die SBB wollen nun aufrüsten – auch an den Bahnhöfen. Knackpunkt sind jedoch die Kosten.

Veröffentlicht am 06.11.2013

Während mittlerweile 70 Prozent der Fernverkehrszüge dank Signalverstärker guten Internet- und Telefonempfang haben, ist der mobile Empfang im Regionalverkehr nur in stark reduzierter Qualität möglich, wie Messfahrten gezeigt haben. Jetzt will die SBB aufrüsten. Knackpunkt sind die Kosten.

«Bis im Jahr 2020 soll die gesamte Regionalverkehrsflotte umgerüstet werden», sagte SBB-Chef Andreas Meyer am Mittwoch vor den Medien in Bern. Voraussetzung dafür ist allerdings eine Einigung mit den Mobilfunkanbietern und den Kantonen als Besteller über die Gesamtfinanzierung.

SBB will Kosten nicht alleine übernehmen

Denn die geschätzten Umrüstungskosten von 66 Millionen Franken will die SBB nicht alleine übernehmen. «Wir sind mit Bund, Kantonen und Providern im Gespräch», sagte Meyer. Eine Mitfinanzierung durch das Bundesamt für Verkehr (BAV) setzt laut SBB-Mitteilung aber «die grossmehrheitliche Übernahme der Kosten durch die Mobilfunkprovider voraus.»

Meyer hofft auf einen Durchbruch in den Verhandlungen mit den Mobilfunkanbietern noch vor Weihnachten. So könnten die Fahrzeuge, die 2014 in Revision gehen, bereits umgerüstet werden. Um die Mobilfunkverbindung zu verbessern, sollen Signalverstärker in die Regionalzüge eingebaut werden.

Bis Ende 2014 guter Empfang in allen Fernverkehrszügen

Schneller vorwärts geht es bei den Fernverkehrszügen. Hier soll wie bereits früher angekündigt bis Ende 2014 in allen Zügen ein guter Empfang möglich sein. Dafür wird das Angebot in 75 Erstklasswagen mit Bezahl-WLAN von Swisscom abgeschafft. «Die Verbindung über Mobilfunk ist besser, das WLAN-Angebot wurde kaum gebraucht», sagte Peter Kummer, Leiter der SBB-Informatik.

Der kostenlose Internetzugang an Bahnhöfen wird wie geplant ausgebaut. Nach einem Pilotprojekt in den Bahnhöfen Bern Wankdorf, Burgdorf BE und Wetzikon ZH wird das Angebot bis Ende Jahr auf 13 kleinere Bahnhöfe ausgeweitet. Bis Ende 2015 sollen Bahnkunden an den 100 meistfrequentierten Bahnhöfen gratis im Internet surfen können.

Für das Gratis-Internet an Bahnhöfen gibt die SBB laut Kummer «einen tiefen zweistelligen Millionenbetrag aus». Über die Kosten für die Aufrüstung der Fernverkehrszüge mit Signalverstärkern zwecks besserer Mobilfunkverbindung schweigt sich die SBB aus. «Die Provider und die SBB teilen sich die Kosten», so Kummer.

Konsumentenschützerin fordert WLAN

Konsumentenschützerin Sara Stalder ist nur bedingt zufrieden mit der SBB-Mobilfunkstrategie. Dass das Warten am Bahnhof dank Gratis-Internet attraktiver werde, sei zwar zu begrüssen. «Das reicht aber nicht. Die Leute brauchen unterwegs eine gute Verbindung, damit sie im Zug arbeiten können.»

Die Signalverstärker, auf welche die SBB setzt, bezeichnet Stalder als «Pseudolösung». Der Empfang damit sei häufig ungenügend. Besser wäre laut der Konsumentenschützerin ein WLAN-Angebot in den Zügen. Von einem solchen will die SBB aus technischen Gründen aber absehen.

Postauto-Passagiere haben seit April 2012 WLAN

Postauto-Passagiere profitieren allerdings bereits seit April 2012 von einer gratis WLAN-Verbindung während der Fahrt. Der Unterschied liegt laut SBB darin, dass in einem Zug viel mehr Menschen auf engem Raum zusammen sind und der Zug mit grösserer Geschwindigkeit unterwegs ist.

«Ein WLAN würde nur die Verteilung des Signals im Zug verbessern. Das Problem bei einem fahrenden Zug ist aber der Empfang von aussen. Darum setzen wir auf Signalverstärker», sagte Kummer. Das lässt Sara Stalder nicht gelten. «Die Erklärung ist erstaunlich. Bei vielen Hochgeschwindigkeitszügen im europäischen Raum scheint WLAN gut zu funktionieren.» Ein weiterer Kritikpunkt: Der Zeithorizont bis 2020 für den Regionalverkehr sei zu weit gefasst. «Einmal mehr werden die Fernverkehrsverbindungen gegenüber den Regionallinien bevorzugt. Dabei spielen die Regionalverbindungen als Zubringer eine wichtige Rolle», sagte Stalder.

(sda/moh)

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