Die neuerlichen Abgänge in der SBB-Führungsriege setzen Konzernchef Andreas Meyer zu. Ausgerechnet jetzt, nachdem Meyer einen guten Jahresabschluss präsentieren konnte und ihm VR-Präsident Ulrich Gygi dabei öffentlich den Rücken stärkte, sieht sich Meyer erneut mit Diskussionen um seinen Führungsstil konfrontiert. Er ist sozusagen wieder zurück auf Feld eins. Bei den SBB will man sich auf Anfrage nicht (mehr) zu den jüngsten Abgängen äussern. Vielmehr hofft man, dass auch dieser Sturm bald wieder nachlassen möge.

Aus Meyers Umfeld ist zu hören, dass er sich masslos über Schmids Rückzieher als Chef Personenverkehr geärgert hat. Und auch darüber, dass Schmid in der Öffentlichkeit trotz Kehrtwende relativ gut dasteht ? derjenige, der kritisiert wird, ist Meyer. Jürg Schmid wechselte vor gut drei Monaten von Schweiz Tourismus zu den SBB. Nach einer sechswöchigen Einführungszeit und nur zehn Tagen im Amt hat er es hingeschmissen - und kehrt nun zu seinem alten Arbeitgeber zurück.

Gast bei Tourismusveranstaltung

Klar ist: Schmid und Meyer pflegten lange schon einen lockeren Umgang. So nahm Meyer beispielsweise letztes Jahr am «Schweizer Ferientag» teil, an dem sich traditionell die gesamte Führungsspitze der Tourismusbranche versammelt. Am diesjährigen Ferientag am 5. Mai wurde Schmid auf der Bühne als Chef von Schweiz Tourismus herzlich verabschiedet. In der Branche wurde erwartet, dass anlässlich dieses Events gleich auch der Nachfolger von Schmid präsentiert werden würde. Das geschah jedoch nicht; stattdessen erklärte Tourismus-Präsident Jean-François Roth, man sei nicht in Eile und könne in aller Ruhe einen Nachfolger suchen. Was Roth nicht sagte: An diesem Tag wurde er offenbar von Schmid informiert, dass dieser die SBB wieder verlassen wolle. Das notabene, ohne auch nur einen Tag unter seinem neuen Chef Meyer gearbeitet zu haben.

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Weil am Ferientag der Tourismusbranche praktischerweise alle wichtigen Köpfe versammelt waren, wurden gleich Nägel mit Köpfen gemacht. Die beiden potenziellen Schmid-Nachfolger - branchenfremde Marketingprofis, darunter eine Frau -, wurden ausgebremst.

Sommersaison stärken

Dass Roth nach Schmids Sinneswandel so schnell bereit war, die neuen Kandidaten fallen zu lassen und wieder auf Schmid zu setzen, erklären Insider damit, dass dies für ihn den geringsten Aufwand bedeutet habe. Roth gilt als «strategielos». Der Star, der bei Schweiz Tourismus während der letzten zehn Jahre die Arbeit machte, war Direktor Jürg Schmid. Er muss nun ein Konzept für eine stärkere Sommersaison ausarbeiten. Bis jetzt existiert nur der Werbespruch «Re-invent Summer». Schmid muss diesen mit Inhalten füllen. Der Fokus auf den Sommer macht Sinn: Dass es in der Schweiz Berge gibt und über Weihnachten meist auch Schnee, das weiss die Welt bereits.