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Verkehr
SBB: Probleme beim Pendolino-Ersatz

Pendolino: Das SBB-Zugsmodell ist in die Jahre gekommen.   Keystone

Die Bundesbahnen haben nach dem Doppelstock-Ersatz erneut Ärger mit einer Ausschreibung: Der Entscheid über einen Auftrag von 800 Millionen Franken verzögert sich – das Problem ist hausgemacht.

Von Sven Millischer und Bernhard Fischer
am 29.01.2014

Nach dem Doppelstock-Debakel droht den Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) erneut Ärger mit einer Ausschreibung: Vor zwei Jahren hatten sie für die Gotthard-Linie den 800-Millionen-Franken-Auftrag für 29 Schnellzüge ausgeschrieben. Zuschlag und Arbeitsbeginn für den Pendolino-Ersatz hätten im dritten Quartal 2013 erfolgen müssen – nun verzögert sich der Entscheid bis in den Sommer hinein. Unter den Zugbauern ist die Unzufriedenheit mit der SBB gross, wie die «Handelszeitung» in ihrer neuen Ausgabe berichtet. 

Im Verfahren für die Gotthardstrecke änderten die SBB die Spielregeln ständig, ärgert sich ein Beteiligter. «Die Vorgaben im Vorgespräch wichen von den Vorgaben der Ausschreibung ab. Und die Vorgaben der Ausschreibung wurden hernach abermals angepasst.» So konnte keine der vier offerierenden Hersteller – Alstom, Siemens, Stadler, Talgo – die Ausschreibungskriterien der SBB erfüllen. Dies bei Kosten pro Offerte in zweistelliger Millionenhöhe.

Zusatzwünsche erforderten komplett neues Angebot

Stattdessen forderten die SBB von den Anbietern 300 Ergänzungen zu technischen und kommerzielle Aspekten ein. «Die Zusatzwünsche der SBB erforderten ein komplett neues Angebot», kritisiert der Insider. Die Verzögerungen in der Ausschreibung seien deshalb hausgemacht. «Die SBB schreiben nicht funktional, sondern lösungsorientiert aus».

Statt den einzelnen Anbietern also die Funktionalitäten ins Pflichtenheft zu schreiben, machten die Bundesbahnen strikte, technische Vorgaben. Weichen die Standardlösungen der Anbieter von den SBB-Wünschen ab, seien teure und langwierige Neuentwicklungen vonnöten. Gleichzeitig würde mit allen Anbietern bis zum «bitteren Ende» verhandelt, statt wie in Europa üblich frühzeitig einen bevorzugten Anbieter auszuwählen.

Angesichts der anstehenden Bahnliberalisierung in Europa kommen die SBB auf der Gotthardstrecke nun unter Druck. «Je länger sich die Ausschreibung hinzieht, desto besser für die Deutschen und Italiener», sagt der Insider. 

Mehr zum Thema lesen Sie in der neuen «Handelszeitung», ab Donnerstag am Kiosk oder mit Abo bequem jede Woche im Briefkasten.

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