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SBB schnappt sich Grossauftrag am Gotthard

SBB Cargo will für den Grossauftrag auch neue Lokführer anstellen. (Bild: Keystone)

Da konnte BLS Cargo nicht mithalten: SBB Cargo übernimmt den Alptransit-Grossauftrag des deutschen Transportunternehmens DB Schenker.

Veröffentlicht am 02.04.2013

Bei den Verhandlungen um einen Gütertransport-Grossauftrag durch den Gotthard hatte die SBB die besseren Karten: Ab 2014 führt sie für das deutsche Transportunternehmen DB Schenker 5000 bis 6000 Züge über die Gotthardstrecke. Bei BLS Cargo gehen bis zu 80 Stellen verloren.

Das Bahnunternehmen gab am Dienstag bekannt, dass die Verhandlungen mit Schenker gescheitert seien. BLS Cargo habe darauf verzichtet, eine nicht kostendeckende Offerte für den Auftrag abzugeben. Das Unternehmen hatte im vergangenen Jahr 1,85 Millionen Franken Verlust geschrieben.

SBB braucht neue Lokführer

Schon 2013 wolle man im Gütertransport wieder schwarze Zahlen schreiben, sagte BLS-Cargo-Chef Dirk Stahl vor den Medien in Bern. Dafür sei es aber unabdingbar, die «tiefgreifenden Rentabilitätsprobleme» am Gotthard zu bereinigen. Durch den Verlust des Schenker-Auftrags büsst BLS Cargo nun zwar Transportvolumen ein, hofft aber, gleichzeitig die Rentabilität verbessern zu können.

Allerdings fallen dadurch auch 70 bis 80 Stellen weg - davon bis zu 60 Lokführerstellen. Ob die betroffenen Angestellten bei der SBB untergebracht werden können, ist ungewiss. Für diese kommt der Grossauftrag gelegen: «Wir haben einen Überbestand an Lokpersonal im Tessin», sagte SBB-Sprecher Christian Ginsig auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda. Das Personal könne nun besser ausgelastet werden.

Es müssten aber auch neue Lokführer angestellt werden. Wann immer möglich, werde Personal der BLS Cargo bei Stellenbesetzungen berücksichtigt, sagte Ginsig. Wie viele neue Stellen geschaffen werden, konnte der SBB-Sprecher aber noch nicht sagen. Darüber will die SBB nach Abschluss der Planungsphase informieren.

Zerrüttete Partnerschaft

SBB Cargo rechnet damit, ihr Ergebnis dank des Grossauftrags von Schenker verbessern zu können. Mit den Konditionen der SBB konnte BLS Cargo nicht mithalten. Sie macht das generell tiefe Preisniveau, eine überproportionale Steigerung der Trassenpreise auf der Gotthardachse sowie den ungünstigen Wechselkurs zum Euro für die fehlende Rentabilität verantwortlich.

Die BLS Cargo AG besteht seit zwölf Jahren. Zu 52 Prozent gehört sie der BLS, pikanterweise hält aber auch der Schweizer Ableger der DB Schenker 45 Prozent des Aktienkapitals. Darüber, wie es mit der Partnerschaft nach dem Wechsel von Schenker zur SBB weitergeht, wollen beide Seiten «ergebnisoffen» diskutieren, wie BLS-Chef Bernard Guillelmon erklärte.

(rcv/sda)

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