Nach der Kritik der Gewerkschaften am Rückzug von Kondukteuren aus SBB-Regionalverkehrszügen gehen die SBB in die Offensive. «Die SBB stehen zur Zugbegleitung. Das ist heute so und wird auch zukünftig so sein», sagt Mediensprecher Christoph Rytz.

Er kündigt gegenüber der «Schweiz am Sonntag» sogar einen Ausbau im Fernverkehr an: «Im Hinblick auf den Einsatz der neuen Doppelstockzüge im Fernverkehr wird die Zugbegleitung an Bedeutung gewinnen.

So denken wir heute mit allen Beteiligten über 3er- und 4er-Begleitung der neuen Fernverkehrszüge nach.» Das wäre ein Novum. Heute gibt es bloss 2er-Teams. Die neuen Züge aber fassen mehr Passagiere; hauptsächlich darum sollen dort mehr Kondukteure zirkulieren. 

Verspätetes Rollmaterial von Bombardier

Hinzu kommen Sicherheitsüberlegungen. Bei dem neuen Rollmaterial handelt es sich um die Bombardier-Züge, die ursprünglich schon dieses Jahr hätten geliefert werden müssen. Bombardier ist aber arg in Rückstand; die SBB erwarten die Inbetriebnahme erst Ende 2015.

Während hier also neue Stellen für Zugbegleiter entstehen, geht der Abbau im Regionalverkehr weiter. Diese Woche wurde bekannt, dass die Linie Chur-St. Gallen ab 9. Juni unbegleitet sein wird. Weitere Regioexpress-Strecken werden bald unbegleitet sein.

Das gilt etwa für die Linien Olten–Langenthal–Bern und auch für Bern–Biel. Sie werden umgestellt, sobald die neuen Wagen verfügbar sind, die mit Kameras ausgestattet sind. «Das wird ab 2014 schrittweise der Fall sein», sagt SBB-Sprecher Rytz der «Schweiz am Sonntag».

Die Eisenbahnergewerkschaft (SEV) befürchtet, dass darüber hinaus weitere Linien betroffen sein werden. «Sobald das neue Rollmaterial da ist, dürften weitere Regioexpress-Linien auf der Abschussliste stehen», sagt SEV-Gewerkschaftssekretär Jürg Hurni. Zudem befürchtet er, dass heutige Interregio- zu Regioexpress-Zügen heruntergestuft werden, was den Weg freimacht für den unbegleiteten Betrieb.

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(aho)