Ärgerlich ist der Defekt der Sesselbahn im Schweiz-Pavillon an der Expo in Schanghai auf jeden Fall. Hinter vorgehaltener Hand sprechen einzelne Vertreter von Schweizer Feriendestinationen von einem PR-Desaster, das noch negative Folgen haben werde für die Tourismusdestination Schweiz.

Vertreter von involvierten Organisationen geben sich auf Anfrage der «Handelszeitung» aber gelassen. «In den chinesischen Medien ist der Stillstand der Bahn kein Thema», vermeldet Pavil-lon-Direktor Manuel Salchli aus Schanghai. Die Reaktionen des Publikums auf den Schweizer Auftritt seien überwiegend positiv. Selbst ohne Bahn gebe es vor dem Schweizer Pavillon nach wie vor grosse Warteschlangen und täglich rund 20000 Besucher, erklärt Salchli.

Ein halbe Million Logiernächte

Keine Sorgen macht man sich auch bei Schweiz Tourismus (ST). «Aus unseren drei Geschäftsstellen, die wir in China betreiben, sind uns keinerlei negative Reaktionen gemeldet worden», sagt Martin Nydegger, Leiter Business Development und Mitglied der Geschäftsleitung bei Schweiz Tourismus. Er sei selbst vor Ort gewesen und habe sich von der ungetrübt positiven Stimmung gegenüber dem Ferienland Schweiz überzeugen können.

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Die jüngsten Einreisestatistiken sprechen für diese positive Sichtweise. China ist der am rasantesten wachsende Gästemarkt im Schweizer Tourismus. Für 2010 erwartet Schweiz Tourismus knapp 500000 Übernachtungen von Chinesen in der Schweiz. Das entspricht einer Steigerung um 35% gegenüber dem Vorjahr.

Gemäss Nydegger ist ein weiteres Wachstum programmiert. «Im Jahr 2011 werden wir die Grenze von einer halben Million Gästen klar überschreiten.» Die Verhandlungen mit den chinesischen Reiseveranstaltern seien in Schanghai sehr positiv verlaufen. «Auch wenn der eine oder andere etwas enttäuscht war, dass er nicht mit der Sesselbahn fahren konnte», räumt Nydegger auf Nachfrage ein.

Bald wieder funktionstüchtig

Eine solche Fahrt dürfte jedoch schon bald wieder möglich sein. Gerüchte, wonach die Anlage aufgrund der Pannenserie bis zum Torschluss der Expo Ende Oktober gar nicht mehr in Betrieb genommen werde, dementiert Pavillon-Direktor Manuel Salchli. Man habe bereits mit der Montage der neuen Fangbremsen begonnen, welche die Flumser Bahnherstellerin Bartholet/Swissrides im Eilverfahren produziert und nachgeschickt habe, erklärt Salchli.

Spätestens am 13. September, wenn der Noch-Bundesrat und Verkehrsminister Moritz Leuenberger kurz vor seinem Rücktritt die Expo Schanghai besuchen wird, soll die Bahn gemäss Salchli wieder funktionstüchtig sein.