Die kommenden Monate sind für das Schicksal von OC Oerlikon entscheidend: Der Technologiekonzern kämpft mit einer schweren Schuldenlast, und nun setzt auch noch eine globale Rezession ein. An der Börse gehört Oerlikon längst zum Klub der grossen Verlierer.

Seit einigen Wochen mehren sich die Gerüchte, Oerlikons Fremdfinanzierungskonstrukt stehe vor dem Zusammenbruch (siehe Kasten). Die Konzernführung um CEO Uwe Krüger wiederholt gebetsmühlenartig, das Unternehmen sei «sicher finanziert» – zuletzt bei der Präsentation der Quartalszahlen, wo Krüger deutlich tiefere Auftrags- und Umsatzzahlen vorlegte und die dritte Gewinnwarnung für das Gesamtjahr 2008 nachschob.

Doch die Anzeichen verstärken sich, dass die kreditgebenden Banken zunehmend um ihr Geld bangen und jetzt den Druck auf Oerlikon erhöhen. Im kleinen Kreis wird bereits darüber diskutiert, wie die von immer neuen Negativnachrichten verschreckten Banken beruhigt werden könnten.

Zum Beispiel an einem Treffen zwischen Zürcher Bankern und einem Vertreter von Renova vor wenigen Tagen. Der smarte Mann aus der Beteiligungsfirma des russischen Industriellen Viktor Vekselberg, die Grossaktionärin bei Oerlikon ist, legte die Karten auf den Tisch. Es sei davon auszugehen, dass die Kreditbedingungen mit den Banken neu ausgehandelt werden müssten, weil die Nettoverschuldung den Ertrag auf Stufe Ebitda um das 3,5-Fache übersteigen werde, hiess es. Der Konzern wurde damals für die Kreditkonditionen bejubelt. Den vereinbarten Zinssatz – gut 0,5% über dem unter Banken üblichen Referenz-Zinssatz Libor – erhalten heute nicht einmal mehr erstklassig bewertete Schuldner. Wie es jetzt um Oerlikons Zahlungsfähigkeit steht, ist nicht zu eruieren. Gemäss Bloomberg wird Oerlikon nicht mehr von Ratingagenturen eingestuft. Sprecher Burkhard Böndel sagt dagegen: «Oerlikon ist als Investment Grade eingestuft. Eine Veränderung der Ratings liegt nicht vor.» Ein Investment Grade zeigt an, dass Investitionen in Wertschriften des Unternehmens mit einem geringen Ausfallrisiko behaftet sind.

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Devestitionen als Ausweg?

Platzen die heute gültigen Kreditbedingungen, kann sich Oerlikon finanziell Luft verschaffen, wenn Unternehmensteile veräussert werden. Die jüngste Devestition – der Bereich Optics – füllt die Kassen nicht. Befragte Analysten sehen den Verkaufspreis bei 0 bis 20 Mio Fr.

Aus dem Treffen mit Renova vergangene Woche zogen die Banker den Schluss, dass ein Verkauf der Textimaschinendivision angestrebt wird. «Wir werden keinen Fire Sale, also einen überstürzten Verkauf zu jedem Preis, sehen», liess ein Beteiligter verlauten. «Denn davon haben die Banken aus dem Kreditkonsortium auch nichts.»

Renova legt Wert auf die Feststellung, dass noch völlig offen sei, was mit Oerlikon Textile geschehen solle. Laut Oerlikon-Präsident Vladimir Kuznetsov ist es die klare Intention, Oerlikon Textile wieder profitabel zu machen. «Wie der Markt nach dieser Periode fundamentaler Veränderung aussieht, kann heute niemand sagen. Ziel ist, dass Oerlikon Textile als Marktführer aus der Krise hervorgeht. Danach ist es am VR und den Aktionären zu entscheiden, welche Opportunitäten es gibt.» Renova besitzt die Stimmenmehrheit im VR und hält 41% am Konzern.