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Weichenstellung
Schicksalsjahr für die Andermatt-Vision

Die Sawiris-Vision: Andermatt vor Schicksalsjahr
Franz-Xaver Simmen: Kam von Schindler zu Samih Sawiris. Keystone

In Andermatt entsteht der Tourismustraum von Samih Sawiris. Die Destination steht in einer entscheidenden Phase. Es fliesst so viel Geld wie noch nie im Urserental.

Von Marc Iseli
2017-04-20

Die Lifte am Gemsstock stehen still. Seit Sonntag ist die Skisaison in Andermatt zu Ende. Jetzt beginnen die neuerlichen Ausbauarbeiten im Urserental. Bereits im nächsten Winter sollen drei neue Transportanlagen den Betrieb aufnehmen. Eine weitere Beschneiungsanlage soll für Schneesicherheit sorgen. Und im Tal werden drei neue Apartmenthäuser sowie eine Tiefgarage Urstand feiern.

Unterm Strich kostet der Ausbau des Skigebietes und der Tourismusdestination Andermatt abermals rund 100 Millionen Franken, wie Franz-Xaver Simmen sagt. Das ist Rekord. Noch nie wurde in Andermatt mehr Geld in einem Jahr verbaut. 2016 summierten sich die Investitionen auf 90 Millionen Franken.

Ausbau der Skiarena

«Alleine in den Ausbau der Skiarena investieren wir im laufenden Jahr etwa 50 bis 60 Millionen Franken», sagt Simmen weiter. Der in Biel ausgebildete Bauingenieur ist Chef der Andermatt Swiss Alps AG. Die Gesellschaft verantwortet den Ausbau des Skiresorts und wird vom ägyptischen Baulöwen Samih Sawiris präsidiert.

Im Vergleich zu anderen Bergdestinationen nimmt sich diese Zahl gigantisch aus. Die letzte grosse Investition im Skigebiet Flims-Laax war der Ersatz der La-Siala-Sesselbahn. Dafür wendete die Bergbahngesellschaft rund 13 Millionen Franken auf. Die Titlis-Bergbahnen haben in den letzten Jahren im Schnitt etwa 30 Millionen Franken in die Infrastruktur investiert.

Grosser Verlust

Die hohen Investitionen drücken denn auch das Ergebnis in Andermatt. Jahr für Jahr bleibt unterm Strich ein Verlust in Millionenhöhe. Zuletzt summierte sich das Minus auf 36 Millionen Franken. «Wir sind noch in der Aufbauphase», erklärt Simmen das erneute Minus.

Wann die Erntephase kommt, ist noch unklar. «Eigentlich dann, wenn alles aufgebaut ist», sagt Simmen. Der Tourismusmanager mit Schindler-Vergangenheit rechnet aber damit, dass sich das Minus in den kommenden Jahren verkleinern wird – peu à peu. Der Ausbau des Skigebietes würde mehr Besucher anlocken, die Hotels mehr Umsatz machen, die Immobilienverkäufe mehr Geld in die Kassen spülen, lautet das Versprechen.

Internationales Klientel

Die Zahlen für das erste Quartal sind Zeugen, dass die Rechnung aufgehen könnte. Die Zahl der Skitage stieg von 314'000 auf 316'000. Der Umsatz im Skigebiet erhöhte sich von 12,7 Millionen auf 13 Millionen Franken. Auch das 5-Sterne-Luxushotel The Chedi ist stärker gestartet. «Bis im April sind knapp 19 Prozent mehr Übernachtungen gezählt worden, der Umsatz ist um 26 Prozent gestiegen», sagt Simmen.

Das Klientel, das Andermatt anlockt, ist derweil zunehmend international. 58 Prozent der Chedi-Besucher stammten 2016 aus der Schweiz – fast die Hälfte davon aus der Romandie. Grossbritannien, Deutschland und die Benelux-Staaten folgen auf den Plätzen zwei, drei und vier.

Vier Fokusmärkte

Diese vier Märkte sind denn auch die touristischen Fokusmärkte. «Bei Immobilienverkäufen gehen wir aber klar weiter», sagt Simmen. «Da ist Asien sehr wichtig». In China, so Simmen, gäbe es zahlreiche Investoren, die grosses Interesse an europäischen Immobilien hätten. Der Markt würde intensiv bearbeitet, die Andermatter seien an diversen Messen in China vor Ort, zuletzt an deren zwei in Shanghai.

«Wir erhalten gutes Feedback», resümmiert Simmen das Engagement im Reich der Mitte. Immer wieder habe er Wohnungen an chinesische Eigentümer verkaufen können, zunehmend würden Offerten verschickt und chinesische Personen im Herzen der Schweiz zur Besichtigung begrüsst. 

Goldene Maurerkelle

Immobilien sind zentral für den Erfolg des Resorts. Der Grossteil der Einnahmen stammt aus dem Verkauf von Luxusapartments. Die Relevanz zeigte sich wieder in der letzten Woche. Für die Grundsteinlegung des Apartmenthauses «Alpenrose» reiste Samih Sawiris am vergangenen Freitag persönlich an. Bei strahlendem Sonnenschein griff der Ägypter zu vergoldeten Maurerkellen und goldenen Schaufeln.

Bezeichnenderweise war es bei der Präsentation der Jahreszahlen zwei Wochen vorher weniger goldig. Das Wetter präsentierte sich von seiner schlechtesten Seite. Dicker Nebel legte sich über die Baustelle in Andermatt.

Wie der Bau des Resorts voranschreitet, sehen Sie im Video unten.

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