Er kam als derjenige, der den grössten Tintenklecks im Swisscom-Reinheft bereinigen sollte: Die angeschlagene Swisscom-Tochter IT Services auf Vordermann zu bringen. Alles andere als eine leichte Aufgabe für den 44-jährigen Eros Fregonas. 2006 musste Swisscom in diesem Bereich 49 Mio Fr. abschreiben ? «wegen Vertragsrisiken im Projektgeschäft» ? und hatte mit Qualitätsproblemen im Outsourcing-Bereich zu kämpfen. Trotzdem nahm der schweizerisch-italienische Doppelbürger per 15. Mai 2007 Platz auf dem Chefsessel ? und liess seither kaum einen Stein auf dem anderen.

Ehemalige und gegenwärtige Arbeitnehmer klagen über ein «unerträgliches Klima der Angst». Wer nicht die richtige «Attitüde», sprich Haltung habe, so die interne Losung, hat bei IT Services nichts mehr zu suchen. «Es herrscht reine Willkür», sagt ein langjähriger Mitarbeiter, der anonym bleiben will. Viel Know-how sei durch freiwillige und unfreiwillige Abgänge von Fachkräften bereits verloren gegangen. Zwei Drittel des Top-Managements und ein Drittel aller Kadermitglieder wurden im Rahmen der Neuorganisation ersetzt. Jede fünfte Führungsposition wurde gestrichen. 2007 reduzierte sich die Zahl der Vollzeitstellen um knapp 100 auf 2600. Bei vielen Verbliebenen, so andere Mitarbeiter, «ist die Motivation auf dem Nullpunkt».

Eiserne Hand

Der «smarte, aber eiskalte Fregonas», wie ihn ein ehemaliger Swisscom-IT-Services-Mann tituliert, führt mit eiserner Hand. Und mit dem Rotstift. Selbst kleinste Spesen werden aufs Genauste kontrolliert und Ausgaben gekürzt, wo es nur möglich ist. Und seien es nur einige Franken für einen Messeeintritt. Auf der Bilanz-Seite zahlt sich dieser Führungsstil aus: Der Umsatz mit externen Kunden von IT Services stieg im Berichtsjahr 2007 von 346 auf 430 Mio Fr. Rechnet man die internen Erträge hinzu, setzte IT Services 902 Mio Fr. um. Auch unter dem Strich vermochte Fregonas Management-Team Stabilität zu schaffen. «Eine trügerische», wie jedoch von Insidern angemerkt wird. Der Verlust von Wissen und Erfahrung werde sich mittelfristig als Bumerang erweisen, ist ein Kaderangestellter überzeugt. Die Solidarität und Verbundenheit der Angestellten mit dem Unternehmen sei noch nie so gering gewesen wie heute.

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Dem widerspricht Eros Fregonas energisch: «Interne Stimmungsbarometer zeigen einen positiven Trend.» Selbstverständlich habe es aber einige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die sich mit der neuen Unternehmenskultur nicht mehr identifizieren könnten. Diese müssten sich entscheiden, sich stärker an Performance zu orientieren und effizienter zu werden oder die Firma zu verlassen. «Das Management-Team musste massive Veränderungen einleiten, um marktorientiert arbeiten zu können. Das fordert von jedem Einzelnen eine bestimmte Attitüde.» Diejenigen, die diese Haltung nicht einnehmen könnten, seien es denn auch, die ihrem Unmut Luft machten.

Fregonas ist vom eingeschlagenen Weg überzeugt: «Wir werden auch dieses Jahr über dem Markt wachsen und für unsere Kunden den Service verbessern.» Die internen Kritiker widersprechen nicht. Sie fragen sich aber, zu welchem Preis dies geschehe.

 

 


Schloter zeigt Emotionen

Am 1. Februar 2008 platzte Swisscom-Chef Carsten Schloter der Kragen. Und zwar vor der Vorstandssitzung der Asut, der Branchenorganisation der Telekommunikation. «Wenn das Thema Netzgesellschaft» ? also die Auftrennung des Swisscom-Festnetzes ? am Lobby-Anlass mit Parlamentariern vom 3. März thematisiert würde, werde Swisscom «aus dem Verband austreten». Der «emotionale Ausbruch» sorgte innerhalb der Verbandsspitze für Irritation, wie mehrere voneinander unabhängige Quellen bestätigen. Im Vorstand Einsitz haben neben Schloter unter anderem Ständerat Bruno Frick, Orange-Chef Andreas Wetter, Sunrise-CEO Christoph Brand und Asut-Präsident Fulvio Caccia.

Zum angedrohten Verbands-austritt kam es nicht ? im Gegenteil: Anfang Februar erhielten die Vorstandsmitglieder einen persönlichen Brief von Carsten Schloter, er liegt der «Handelszeitung» vor. Darin bittet er um «Verständnis» für seine «Emotionalität in der Sache». Swisscom legt Wert darauf, dass der Brief «nicht als Entschuldigung» angesehen wird. Er habe nur erklärt, weshalb die funktionale Trennung nicht Gegenstand der Asut-Parlamentariertagung sein sollte. (mik)