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Transport
Schiff ahoi - ab durch die Arktis

Eisberge in der Arktis

Auf neuen Schienen oder durch das arktische Meer – neue Transportrouten beschleunigen den Handel zwischen Europa und Asien stark

Von Frederic Spohr
am 20.08.2013

Die Seemänner müssen mit dickstem Packeis kämpfen und Temperaturen wie im Kühlschrank ertragen. Doch wer diese Abkürzung nimmt, dessen Mut wird belohnt: Die Nordostostpassage, also der Weg über das Meer nördlich von Russland, verkürzt dem Seeweg zwischen Europa und Asien um mehr als 5000 Kilometer. Die Schiffe benötigen auf ihrem Weg zum anderen Kontinent nur zwei Drittel der regulären Zeit. Experten schätzen, dass Reeder so Beträge im sechsstelligen Bereich einsparen können.

Das Nordmeer wurde in den vergangenen Jahren für die Handelsschifffahrt immer wichtiger. Denn das Eis zieht sich aufgrund des Klimawandels zurück, die Bedingungen verbessern sich langsam. Für rund fünf Monate im Jahr ist die Strecke mittlerweile passierbar. Eisbrecher können das gesamte Jahr die Route nutzen. 2010 mühten sich vier Schiffe durch die Kälte, ein Jahr später bereits 34 und 2012 schliesslich 46. Laut der russischen Eisbrecherflotte Atomflot, könnte sich die beförderte Frachtmenge von derzeit etwas über 1 Million Tonne auf rund 40 Millionen Tonnen im Jahr 2021 erhöhen. Atomflot-Schiffe begleiten die Frachter und Tanker häufig auf ihrer Reise durch das eisige Meer.

Russland, das Gebühren für die Passage erhebt, will den Verkehr weiter fördern: Seit diesem Jahr können auch Schiffe ohne eine spezielle Eispanzerung die Passage nutzen. Das Land will ausserdem zehn Häfen entlang der Route errichten. Auch die noch vergleichsweise ungenaue Wettervorhersage und die mangelhaften Seekarten für das Gebiet sollen verbessert werden. Schliesslich gibt es Konkurrenz: Auch die Nordwestpassage, der Weg entlang der nordamerikanischen Küste, verkürzt den Seeweg zwischen Asien und Europa erheblich. Noch konnten sich die Vereinigten Staaten und Kanada aber nicht auf eine gemeinsame Strategie einigen. Die Infrastruktur bleibt mangelhaft und es gibt rechtliche Schwierigkeiten.

Noch schneller als der Weg durch das kalte Meer ist der Transport auf Schienen. Bereits heute fahren wöchentlich beispielsweise bis zu drei Züge zwischen der chinesischen Stadt Chongqing und Duisburg. Die über 10’000 kilometerlange Reise zwischen den Kontinenten beträgt 18 Tage. Die Züge müssen dabei mehrfach umgespurt werden, denn auf dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion sind die Gleise grösstenteils breitspurig, in Westeuropa und China jedoch nicht.

Doch auch das soll sich ändern: Die Bahngesellschaften von Russland, Österreich, Slowenien und der Ukraine planen, eine Breitspur bis nach Wien zu legen. Die Züge könnten dann ohne längere Unterbrechung  in 15 Tagen fahren von Wladiwostok am pazifischen Ozean bis in die österreichische Hauptstadt fahren.  Das Projekt befindet sich derzeit noch in der Planungsphase und soll bis ins Jahr 2024 abgeschlossen sein, derzeit läuft eine zweite Machbarkeitsstudie. Wird das Projekt realisiert, sollen  über die Strecke dann jährlich bis zu 16 Millionen Tonnen zwischen Europa und Asien transportiert werden.

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