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Textilbranche
Schild und Globus gegen Branchenriesen chancenlos

Globus und Schild: In der Schweiz ein Riese, international klein. (Bild: Keystone)

Die beiden Modeketten bilden künftig zusammen das grösste Unternehmen dieser Branche in der Schweiz. Doch die Effizienz und Grösse von Inditex oder H&M kann Globus nie erreichen.

Von Jeffrey Vögeli
am 28.10.2013

Globus kauft Schild, wie die beiden Unternehmen am vergangenen Freitag bekannt gegeben haben. Die Modehäuser hoffen auf Synergien, etwa durch das Online-Vertriebssystem von Schild. Zudem will man als grösseres Unternehmen der übermächtigen Konkurrenz von Inditex und H&M etwas entgegensetzen.

Diese Hoffnung dürfte sich nicht erfüllen, prophezeit ein Detailhandelsexperte, der anonym bleiben möchte, weil manche der hier erwähnten Unternehmen seine Kunden sind. Im Gegensatz zur Konkurrenz aus dem Ausland sind die meisten Schweizer Kleidergeschäfte Abnehmer von Markenherstellern. Deshalb werden sie nie auf die Traummargen des spanischen Inditex-Konzerns kommen, zu dem beispielsweise Zara und Massimo Dutti gehören. Inditex ist mit rund 15 Prozent Nettomarge sagenhaft profitabel.

Grösserer Umsatz in der Schweiz

Der Umsatz des spanischen Giganten stieg auf 7,7 Milliarden Euro im ersten Halbjahr 2013. Über solche Skaleneffekte kann sich das Management von Globus und Schild nicht freuen. Die übermächtige Konkurrenz kontrolliert grosse Teile der eigenen Wertschöpfungskette und kann dank riesiger Bestellmengen auch bei externen Lieferanten gute Konditionen durchsetzen. Immerhin: Mit 1 Milliarde Jahresumsatz verkaufen die beiden hiesigen Traditionshäuser in der Schweiz mehr als die ausländische Konkurrenz. Inditex' Umsatz verteilt sich auf 86 Länder und 6104 Geschäfte.

Die eigene Position im Markt zu festigen ist in der fragmentierten Schweizer Textilbranche schwierig. Im Unterschied zum Mutterkonzern Migros kommt Globus auch nach dem Zukauf auf nicht mehr als 10 Prozent des Gesamtmarktes, erklärt der Branchenexperte. Auch bei der Frage ob Schilds Online-Verkaufskanal der schnell wachsenden Konkurrenz von Zalando und Co die Stirn bieten kann sieht der Mann schwarz. Ein solcher Vertriebskanal koste auch viel, begründet er seinen Pessimismus.

Begründete Zuversicht

Die Chefs der neu vereinten Unternehmen haben da naturgemäss mehr Zuversicht. Der Online-Shop von Schild hat noch wenig Umsatz, zeigt aber Wachstum. Zudem sei das teurere Segment, in dem sich Globus und Schild bewegen umsatzstärker. Dass Globus und Schild nach eigener Aussage die einzigen Schweizer Unternehmen sind, die in diesem Bereich Wachstum vorzuweisen haben, deutet auf gute Aussichten der neu geschaffenen Kombination hin. Doch nicht alle Unternehmen sind gut aufgestellt. Deshalb werden weitere Übernahmen in der Branche folgen.

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