Baunahe Zulieferer wie der Aufzug- und Fahrtreppenhersteller Schindler können sich nicht über fehlendes Wachstum beklagen. Ausser in den USA, wo sich die Geschäfte der Bauindustrie seit Anfang Jahr merklich abschwächen, herrscht überall rege Nachfrage, insbesondere in Asien und Osteuropa.

Dementsprechend positiv sollten die Zahlen zum 1. Semester 2007 sein, die der Schweizer Konzern Schindler am 17. August 2007 präsentieren wird. Wenn da nicht eine Reihe von Problemen wäre, mit denen Schindler zumindest noch im vergangenen Jahr kämpfte und die zu einer enttäuschenden Entwicklung der Betriebsmarge (Ebit) geführt hatten. Ende Februar musste Schindler für das Geschäftsjahr 2006 eine von 9,2 auf 8,4% gesunkene Ebit-Marge vorweisen.
Zu den Gründen zählt der Konzern unter anderem die Lancierung einer neuen Produktgeneration in Europa, die höhere Umstellungs- und Ausbildungskosten verursachte, als geplant war. Zudem führte die starke Nachfrage nach Schindler-Produkten zu Engpässen, was zusätzliche Kosten verursachte.
Erschwerend kommt hinzu, dass die angeschobene Vereinheitlichung der Prozesse und Strukturen langsamer vorangekommen ist als erwartet. Schliesslich haben hohe Energie- und Rohstoffkosten, Ertragsausfälle in Japan nach einem tödlichen Unfall sowie die überproportional rasche Zunahme des Neuanlagengeschäfts in Wachstumsmärkten auf die Ebit-Marge gedrückt.

Schindler trifft Massnahmen

Einige dieser Schwierigkeiten stellten sich Schindler auch noch im 1. Semester 2007, insbesondere das hohe Wachstumstempo und die hohen Energie- und Rohstoffpreise. Welche Massnahmen der Konzern im Detail ergriffen hat, wird zwar erst in rund zwei Wochen klar, doch dass Schindler reagiert hat, zeigt sich anhand einzelner Bereiche.
Um die stark gestiegenen Kos-ten für Energie und Rohwaren sowie den negativen Wechselkurseffekt des Frankens zum Euro aufzufangen, gab Schindler Mitte Juli bekannt, dass die Liftpreise für Neuanlagen und Modernisierungslösungen in der Schweiz und in weiteren Märkten um 8% erhöht werden.
Eine zweite Massnahme sickerte vor wenigen Tagen durch: Schindler verstärkte per 1. August 2007 die Konzernleitung mit Michael Füllemann (40). Er soll die Globalisierung des Geschäfts mit Hochleistungsaufzügen und Rolltreppen vorantreiben – offensichtlich haben sich die Schweizer diesem Bereich, in dem sich insbesondere die Konkurrenten Otis (USA) und Thyssen Krupp Elevator (Deutschland) profilieren, bisher nicht ausreichend gewidmet.

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Mitbewerber berichteten bereits

Mit Spannung erwartet die Finanzgemeinde darüber hinaus Neuigkeiten zum EU-Kartellverfahren. Anfang 2007 verhängten die europäischen Wettbewerbshüter wegen Absprachen in den Benelux-Staaten und Deutschland eine Busse gegen die führenden Marktteilnehmer Otis, Schindler, Thyssen Krupp Elevator, Kone und Mitsubishi in der Höhe von 1,37 Mrd Euro. Schindler hat davon 14,4% oder 143,7 Mio Euro zu bezahlen.
Zwar haben Schindler und die Mitbewerber gegen die verhängte Geldstrafe geklagt. Trotzdem steht das Geld den Unternehmen vorläufig nicht zur Verfügung. Das hat Auswirkungen auf die Ebit-Marge, wie die Semesterresultate des Schindler-Konkurrenten Thyssen Krupp Elevator zeigen. Die Deutschen präsentierten per 31. März 2007 ein negatives Vorsteuerergebnis von 293 Mio Euro. Ohne die EU-Kartellbusse läge der Wert bei 187 Mio Euro. Die Umsatzrendite hätte, wie bereits in der Vorjahresperiode, 8,6% erreicht.
Positive Resultate könnte auch Kone vorweisen. Im 1. Halbjahr 2007 erreichte die Ebit-Marge ohne Einberechnung der EU-Kartellbusse 10,2%. Im Vorjahr lag die Umsatzrendite noch bei 8,6%. Damit konnte Kone als bisher einziges Unternehmen seine Ebit-Marge deutlich steigern – auch wenn die Wettbewerbshüter 2007 einen Strich durch die Rechnung machen werden.
Etwas weniger gut arbeitete der US-Mitbewerber und Marktführer Otis, ein Unternehmen der United Technologies. Vom schwächelnden Heimmarkt beeinträchtigt, konnte Otis seine Umsatzrendite im 1. Semester 2007 nur halten, aber nicht steigern: Sie lag abzüglich der Geldstrafe bei 18,6%, wie bereits in der Vorjahresperiode.
Schindler jedenfalls hat ambi-tiöse Pläne. Bis 2012 soll der Jahresgewinn von zuletzt 511 auf 900 Mio Fr. steigen. Als Ebit-Marge werden 14% angepeilt. Die Börse ist derzeit noch zurückhaltend: Seit der Publikation dieser Unternehmensziele vor sechs Monaten verloren Schindler PS über 9% und notierten zuletzt bei 75 Fr.