Schindler will mit einer Statutenänderung das Vertrauen der Minderheitsaktionäre stärken und Kritikern der Opting-out-Klauseln den Wind aus den Segeln nehmen. Zudem soll damit eine Situation wie im Fall Sika der Riegel geschoben werden.

Der Lift- und Rolltreppen-Hersteller Schindler schiebt einem möglichen Übernahmeversuch wie beim Bauchemiekonzern Sika einen Riegel vor. Das Luzerner Unternehmen peilt auf einer ausserordentlichen Generalversammlung vom 11. August die Einführung einer sogenannten Opting-in-Klausel an. Damit muss ein Käufer, der mindestens 50 Prozent des Aktienkapitals übernimmt, allen Aktionären und den Inhabern der Partizipationsscheine ein Kaufangebot unterbreiten, teilte Schindler am Freitag mit.

Mit der Regelung werden die Minderheitsaktionäre vor einem unliebsamen Kontrollwechsel besser geschützt. «Das ist eine Folge des Sika-Debakels. Mit diesem Schritt soll ein das Unternehmen lähmender Machtkampf vermieden werden», sagte ein Händler.

Schindler legt keine Begründung vor

Bei der Baumchemiefirma Sika tobt seit Monaten ein Kampf um die Kontrolle. Der französische Mischkonzern Saint-Gobain will das Zuger Unternehmen durch den Kauf der Namenaktien der Gründerfamilie, die lediglich 16 Prozent des Kapitals aber 52 Prozent der Stimmen an Sika ausmachen, übernehmen. Die Inhaberaktionäre sollten dabei leer ausgehen.

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Schindler legte für die Einführung der Klausel keine Begründung vor. Doch waren nach dem Sika-Fall Stimmen laut geworden, die sich vor einer ähnlichen Entwicklung bei Schindler sorgten. Denn auch beim Liftbauer hält die Familie mit einer Minderheit des Kapitals eine Mehrheit der Stimmen und hat damit die Geschicke des Unternehmens in der Hand.

Familie verzichtet auf ein Privileg

Mit der Einführung des Opting-in verzichtet die Familie auf ein Privileg. «Unserer Einschätzung nach ist dies ein weiterer Schritt hin zu zukünftigen Einführung einer Einheitsaktie», erklärte Vontobel-Analyst Christian Arnold.

Die vorgeschlagene Statutenänderung überrasche nicht, schrieb Martin Hüsler von der Zürcher Kantonalbank (ZKB). Schindler habe Ende des Jahres 2014 angedeutet, dass es Änderungen beim Aktionärsbindungsvertrag geben könnte. Dass Schindler für die Statutenänderung eine ausserordentliche Generalversammlung einberufe, lasse darauf schliessen, dass baldige Änderungen anstünden.

(reuters/ise/ama)