«Ehemalige Staatsbetriebe haben die Tendenz, an der Börse schlecht zu performen», sagt Vontobel-Analyst und Telecom-Spezialist Panagiotis Spiliopoulos auf Anfrage. Er bezeichnet die Performance der Swisscom-Aktie, die heute auf dem Niveau des Börsengangs von 1998 dümpelt, als nicht überzeugend.

Dass die Bahn nach einem IPO weiterhin Service-Public-Auflagen zu erfüllen hätte und Subventionen bezöge, findet er nicht problematisch. Auch Swisscom müsse einer Universal-Service-Public-Obligation nachkommen – was mit Leistungsauftrag und Konzessionen geregelt werden könne.

Spiliopoulus fragt sich aber, wie attraktiv die von Bundesrat Moritz Leuenberger lancierte SBB-Beteiligung für Private wäre, wenn die strategischen Entscheide beim Bund bleiben: «Die Kosten würden dem Privataktionär übergeben, vielleicht wird eine kleine Dividende in Aussicht gestellt.» Zudem sei nicht ersichtlich, wie das Bahnunternehmen künftig profitorientiert geführt werden könne. Vor einer weiteren Privatisierung müssten die SBB ihre defizitäre Cargo-Sparte auf die Beine bringen sowie die Probleme der Pensionskasse lösen, fordert der Wirtschaftsdachverband Economiesuisse.

Für die Gütersparte werden laut SBB-Sprecher Roland Binz nach wie vor alle Optionen ausgelotet, einzig ein Verkauf sei ausgeschlossen. Dank Divisionalisierung wäre es theoretisch kein grosser Schritt zu einer Lösung, wie sie die Deutsche Bahn anstrebt. Sie gliedert die Bereiche Güter-, Fern- und Regionalverkehr in eine Tochterunternehmung aus, an der Private maximal 24,9% erwerben können. Die Aktien sollen Ende Jahr an der Börse platziert werden.

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Binz zweifelt aber an der Durchführbarkeit einer weiteren SBB-Privatisierung, weil die Politik den SBB ein enges Korsett anlegt. So erlaube der Preisüberwacher den SBB heute nicht einmal eine nachfrageorientierte Ticketpreisgestaltung. Sein Fazit: «Letztlich ist ein Börsengang aber eine politische Frage.»

Gemäss Spiliopoulos gäbe es bei einem IPO der SBB kaum Gemeinsamkeiten mit jenem von Swisscom – abgesehen von der Bundesbeteiligung. «Im Telecomgeschäft besteht ein kompetitiver Markt, mit einem Regulator sowie vielen Konkurrenten, teilweise mit eigener Infrastruktur.» Das Bahngeschäft aber werde von einem einzelnen Betreiber mit eigener Infrastruktur dominiert.