Dieses Jahr werden die weltweiten Direktinvestitionen um schätzungsweise 30 bis 40% sinken. Umso wichtiger ist darum die Rolle der Standortförderungsorganisation im Wettbewerb um die spärlicher fliessenden Gelder. Doch in einer neuen Untersuchung der Weltbank in 181 Ländern erhält ausgerechnet der Bereich Standortförderung der Osec äusserst schlechte Noten. Unter 29 OECD-Ländern und -Regionen rangiert die Schweiz abgeschlagen auf Rang 21 mit nur gerade 65,8% von möglichen 100% (siehe auch Tabelle).

Besonders unerfreulich für die Schweiz: Einer der grössten Konkurrenzstandorte, Österreich, ist mit 88,6% der Gewinner der «Global Investment Promotion Benchmarking 2009» genannten Untersuchung.

Wenig Fokus in Übergangsjahren

Evaluiert wurde unter anderem die Webseite der Standortförderorganisationen und wie verständlich, übersichtlich, präzis und effektiv der Business-Support ist, den sie potenziellen Investoren bieten. Ebenso stark bewertet wurde die Abwicklung von zwei simulierten Investitionsprojekten - als Beispiele dienten ein Softwareentwickler und ein Getränkeproduzent - durch direkte telefonische Anfragen. Dabei wurden unter anderem die Erreichbarkeit, Inhalt und Relevanz der Antworten, Customer Care und Follow-up bewertet.

Die Verantwortlichen bei der Osec versuchen erst gar nicht, das miserable Resultat ihrer Abteilung zur Standortförderung schönzureden (siehe «Nachgefragt»).

Das schlechte Abschneiden sei in erster Linie damit zu erklären, dass die Standortpromotion der Schweiz im Ausland in den letzten Jahren einem grösseren Wandel unterzogen worden sei, sagt Osec-CEO Daniel Küng. Osec habe das Mandat der nationalen Standortpromotion erst auf Anfang 2008 vom Seco (bis dahin lief es unter dem Namen «Location Switzerland») übernommen. Per 2009 sei dann noch ein Zusatzauftrag aller Kantone dazugekommen. Küng: «Die Jahre 2008 und 2009 sind somit noch ?Übergangsjahre?.»

Anzeige

Budget ist keine Entschuldigung

Küng erwähnt auch das im Vergleich zu den Hauptkonkurrenten bescheidene Budget von 6 Mio Fr. im Jahr. Doch enge Budgets seien keine Entschuldigung für ein schlechtes Abschneiden, heisst es im Report. Dies beweist eine Reihe von einkommensschwachen Ländern wie Moldavien (66,0%), Brasilien (72,7%), Kolumbien (73,0%) oder Nicaragua (74,2%), aber auch Kroatien (69,7%). Alle waren besser als die Schweiz.

Gemäss dem Report sind die Schwellen- und Entwicklungsländer beim Betriebsansiedlungswettbewerb stark am Aufholen. Ausserdem habe das gute Abschneiden Österreichs weniger mit dem Inhalt der Antworten zu tun als mit der guten Schulung der Angestellten im Projektmanagement.

Wichtiger Entscheidungsfaktor

Wie wichtig die Standortpromotoren sind, zeigt unter anderem eine Umfrage bei Verantwortlichen für Investitionsstandortentscheide aus dem Management grosser Firmen in den USA. Danach arbeiten 65% der Firmen eng mit Standortorganisationen zusammen. Nur 8% der Manager würden keine Standortorganisation kontaktieren. Der Anteil der Manager, welche glauben, dass eine Webseite das effektivste Marketinginstrument bei Standortentscheiden ist, stieg von 34% im Jahr 2002 auf 56% letztes Jahr.

 

 

NACHGEFRAGT


«Es braucht Zeit, um eine Lösung zu finden»

Daniel Küng ist CEO der Aussenhandelsorganisation Osec.

Wie stellen Sie sich zum schlechten Abschneiden der Osec-Standortförderung in der Weltbank-Studie?

Daniel Küng: Die Standortpromotion wurde in den letzten Jahren einem grossen Wandel unterzogen. Osec übernahm das Mandat der nationalen Standortpromotion erst auf Anfang 2008 vom Seco. Per 2009 kam dann noch ein Zusatzauftrag aller Kantone dazu. Die Jahre 2008 und 2009 sind somit noch «Übergangsjahre». Die Schärfung des Profils der Schweiz als Wirtschaftsstandort gehört immer noch zu unseren Aufgaben und ist noch nicht abgeschlossen. Ebenso ist auch der Webauftritt für die einzelnen Zielmärkte noch in Arbeit - dies hat das Abschneiden sicherlich negativ beeinflusst.

Was will die Osec tun, um sich zu verbessern?

Küng Die untersuchten Punkte sind bei uns grösstenteils in Arbeit. Viele der Vorschläge im Report - zum Beispiel Training, Ablaufschema der Investorenanfragen, Performancemessung, die enge Koordination mit Regierungen und Behörden - setzen wir bereits um. Wir werden diese Aktivitäten noch weiter verbessern können, sobald sich alle Prozesse innerhalb der Standortpromotion zwischen uns und den Kantonen und zwischen uns und den Investoren im Ausland eingespielt haben.

Hat die Osec ihre Standortförderung infolge der Finanzkrise neu ausgerichtet und angepasst?

Küng: Wir haben die Schwerpunkte - sowohl inhaltlich als auch geografisch angesichts der Rezession - leicht angepasst. Standortmarketing muss aber langfristig ausgerichtet sein. Ein Hauptbestandteil unserer Strategie liegt darin, vor allem in Fernmärkten wie China, Japan, Russland, den Golfstaaten, Indien und den USA die Schweiz als Wirtschaftsstandort bekannter zu machen. Ein erklärtes Ziel der Osec ist es, auf die Short-Lists von Entscheidungsträgern in diesen Ländern zu gelangen. In Nachbarstaaten ist das Wissen bezüglich der Schweiz grösser, während es in den Fernmärkten noch verbessert werden muss.

In der Schweiz spielen die regionalen und kantonalen Standortförderer eine wichtige Rolle. Doch an wen soll sich ein chinesischer Interessent eigentlich wenden?

Küng: Chinesen etwa kennen kaum den Unterschied zwischen den Kantonen und müssen in einem ersten Schritt wissen, dass es die Schweiz überhaupt gibt und dass sie nicht nur steuerlich attraktiv ist. Ansprechpartner ist Osec, weil wir erste Informationen über die Schweiz vermitteln. Interessiert sich eine Firma für einen Umzug in die Schweiz, leiten wir die Anfrage zeitgleich an alle Kantone weiter. Was aber nach dem Ansprechen passiert, durch wen also der potenzielle Interessent weiter begleitet wird, ist in der Tat noch nicht optimal gelöst. In dieser Frage sind die Effektivität der nationalen Standortpromotion und der Föderalismus gegenläufig. Denn da konkurrenzieren sich die Kantone, und hier müssen wir noch eine Lösung finden. Meines Erachtens muss der Köder dem Fisch passen, nicht dem Angler. Bis wir eine Lösung gefunden haben, braucht es aber sicher noch ein bisschen Zeit.