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Interview
«Schliesslich Zugeständnis von Sepp Blatter»

Das Hilfswerk Solidar Suisse sorgt mit einem scheinbaren Hack der Fifa-Webseite für Furore. Modernes Marketing sagen die einen, Effekthascherei die anderen. Geschäftsführerin Esther Maurer antwortet.

Von Stefan Eiselin
2013-06-25

Solidar Suisse sorgte mit dem vermeintlichen Hack der Fifa-Webseite global für Aufsehen. Erreichen Sie damit wirklich etwas?
Esther Maurer: Derartige Online-Kampagnen dienen dazu, den öffentlichen Druck zu kanalisieren und so etwas Konkretes zu bewirken. So zeigen die Nutzerzahlen, dass bei unserem Fifa-Spot sehr viele Menschen aus Brasilien mitmachten. Solidar Suisse trug auch deren Stimme zu Sepp Blatter. Das hat nichts mit Effekthascherei zu tun. Wir arbeiten schon seit Jahren auf dem Thema «faire Fussball-WM». So war Solidar Suisse vor der WM 2010 in Südafrika aktiv und konnte bessere Arbeitsbedingungen für die Bauarbeiter erwirken.

Und wie waren die Reaktionen auf die neuste Aktion?
Unsere Website wurde rund 300‘000 Mal angeklickt, zudem sandten uns in den letzten fünf Tagen 270 Leute per Post Kommentare und Botschaften für Sepp Blatter und die Fifa zu. Und unsere Petition haben wir mit über 28'000 Unterschriften übergeben.

Sie trafen am Montag Sepp Blatter. Wie reagierte er?
Der Fifa-Präsident war sehr offen für unsere Anliegen. Er sicherte uns zu, dass er unsere Petition und Forderungen in den unmittelbar anstehenden Gesprächen mit der brasilianischen Regierung einbringen werde. Entscheidend ist für mich auch, dass er längere Zeit intensiv mit uns diskutierte und dass dies ein erster Schritt war in einem Dialog, der weitergehen soll. Denn die Fifa hat eine Machtstellung, die nicht unterschätzt werden darf: Wenn sie sich für eine umfassend faire WM einsetzt und dies auch einfordert, dann hat das Wirkung in Brasilien.

Ging der Fifa-Präsident auch inhatlich auf Ihre Kritik ein?
Es war ein offener und unkomplizierter Dialog, in dem verschiedene Positionen, jene der Fifa und jene von Solidar Suisse, eingebracht wurden, und der schliesslich im Zugeständnis von Sepp Blatter mündete, sich im Herbst mit uns an einen Tisch zu setzen, um eine faire WM voranzutreiben.

Sie veräppelten ihn aber bereits einmal mit einem Video, wo er als geldgierig oder vielleicht gar korrupt dargestellt wurde. Freude dürfte er daran nicht haben.
Für mich ist es wichtig, dass Solidar Suisse - auch mit dem Fifa-Präsidenten - einen fairen Dialog führt. Sepp Blatter wird auf dem Video zwar als gelenkiger Sambatänzer dargestellt, was man witzig finden mag oder nicht - aber wir haben ihn nicht als kriminell dargestellt.

Zuvor griffen Sie Banker an und Nespresso - mit teuer produzierten Spots. Man hat schon das Gefühl, es geht Ihnen mehr um die Form als die Sache.
Es geht eben gerade nicht um teuer produzierte Spots. Online-Kampagnen sind viel kostengünstiger als Plakate und dennoch sehr wirkungsvoll bezüglich der Sensibilisierungsarbeit hier in der Schweiz. Und für Solidar Suisse ist es wichtig, dass zu einem witzigen Spot auch ein sauber recherchiertes Faktendossier gehört: Sowohl zu Nahrungsmittelspekulation, Fair Trade oder nun zur Fussball-WM.

Die Spots in verschiedenen Sprachen sind aber teuer. Das Geld würde besser in Projekte gesteckt.
Unsere Kampagnen in der Schweiz unterstützen unsere Projekte in den Ländern: Dabei geht es um faire Arbeitsbedingungen, um Unterstützung der Zivilgesellschaft und um soziale Gerechtigkeit. Schweizer Unternehmen wie Nestlé oder eben die Fifa sind dabei zentrale globale Player – ihre Rolle wollen und müssen wir auch hier in der Schweiz thematisieren.

Wen nehmen Sie sich nun als nächstes vor?
Vielleicht die Handelszeitung...

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