Das im nördlichen Teil des Kantons Waadt gelegene Weinbaugebiet Côtes-de-l’Orbe zählt - zusammen mit jenen von Bonvillars und von Vully - zu den kleinen, weniger bekannten Appellationen des zweitgrössten Weinbaukantons der Schweiz. Die Rebberge sind auf verschiedene Gemeinden rund um das Städtchen Orbe verteilt. In Eclépens, der südlichsten Gemeinde der Appellation, sind gerade mal 5,5 Hektaren mit Reben bestockt. Sie gehören zur Domäne des Château d’Eclépens, die neben dem Rebland weitere 80 Hektaren Wald und Felder umfasst.

«Wir sind hier die einzigen, die Wein erzeugen», sagt François de Coulon und schlägt vor, einen Abstecher zu den oberhalb des Dorfes gelegenen Reben zu machen. Der zusammenhängende, gegen Süden ausgerichtete Rebhang liegt am Fuss der ehemaligen Römerstrasse, die einst die Region Basel mit dem Genferseegebiet verband.

Auf Gamay und Pinot noir konzentriert

«Früher wurden hier weisse Rebsorten kultiviert», erläutert de Coulon, «doch nach dem vernichtenden Frost von 1956 pflanzte man in erster Linie rote Sorten, vor allem Gamay und Pinot noir. Das mag erstaunen, doch die kalkhaltigen, tiefen und gleichzeitig durchlässigen Böden sind ein sehr gutes Terroir für rote Varietäten.»

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Anfang 2010 übernahm François de Coulon die Führung und Verwaltung der Familiendomäne. Zuvor hatte sein Vater Georges sich während beinahe 30 Jahren dieser Aufgabe gewidmet. Wie François hatte auch sein Vater zuerst eine andere Berufslaufbahn eingeschlagen. Als Nuklearphysiker hatte er für die Industrie und später in der Bundesverwaltung in Bern gearbeitet. 1981 entschied er sich im Alter von 50 Jahren, die Leitung und Verwaltung der Familiendomäne selbst in die Hand zu nehmen, und zog mit der Familie von Genf ins ehemalige Pfarrhaus und später in ein zum schlossartigen Herrenhaus umgebautes Anwesen in Eclépens. Georges de Coulon war der erste Besitzer des Château, der die Domäne selbst bewirtschaftete. «Für uns Städter war der Umzug hierher eine ziemlich grosse Umstellung», erinnert sich François de Coulon, der beim Umzug 14 Jahre alt war, sich aber rasch an das Landleben gewöhnte und heute mit seiner eigenen Familie hier lebt. Nach dem Politologiestudium und dem Masterabschluss an der London School of Economics arbeitete François de Coulon zuerst zehn Jahre lang für die Waadtländer Wirtschaftsförderung, bevor er beschloss, in die Fussstapfen seines Vaters zu treten. «Ich repräsentiere die siebte Generation unserer Familie auf Château d’Eclépens, und es ist mein Ziel, trotz der schwierigen Lage in der Landwirtschaft, zusammen mit den fünf Angestellten die Domäne zu erhalten und später an die nächste Generation weiterzugeben», erklärt er.

Besonderes Augenmerk legt François de Coulon auf die Weinproduktion. Neben einem frisch-fruchtigen Chasselas und einem allerdings nur in kleinen Mengen erzeugten Pinot gris mit dezenter Restsüsse vinifiziert er in der Schlosskellerei diverse rote Sorten, vorab Gamay und Pinot noir sowie Gamaret und Garanoir. Zurzeit experimentiert er mit weiteren roten, krankheitsresistenten Varietäten, um allenfalls später die Sortenpalette zu erweitern.

Ein Gamay mit 14 Volumenprozenten

Besondere Beachtung verdient der Gamay, der seinen Namen dem Canal d’Entreroches verdankt, der das Rhein- mit dem Rhônegebiet hätte verbinden sollen und das Gemeindegebiet von Eclépens passiert hätte. Das in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts begonnene Bauwerk wurde aber nie ganz fertiggestellt. Es fehlten 15 Kilometer zwischen Morges und Cossonay.

Der aus selektionierten Trauben alter Reben erzeugte Wein präsentiert sich komplex und finessenreich. Der 2009er ist allerdings mit 14 Volumenprozentenen für einen Gamay ein bisschen alkoholschwer ausgefallen. Das Gleiche gilt für den Pinot noir, der seinen süssen Schmelz wohl auch zu einem Teil dem hohen Alkoholgehalt von 14,5 Volumenprozentenen verdankt.

Mit der Landwirtschaft und der Weinproduktion allein liesse sich die Domäne nicht erhalten. «Ein wichtiger Teil der Einnahmen stammt heute aus der Vermietung von Wohnungen, die mein Vater in einigen der zur Domäne gehörenden Gebäuden und im Schloss selbst eingerichtet hat», erklärt Sohn François. «Doch ich setze alles daran, dass das Château d’Eclépens auch in Zukunft seinen landwirtschaftlichen Charakter behält.» Nicht zuletzt deshalb ist man auch der 2004 gegründeten Vereinigung Clos, Domaines & Châteaux beigetreten. In ihr haben sich gut zwei Dutzend Besitzer traditionsreicher, herrschaftlicher Weingüter aus dem Kanton Waadt zusammengeschlossen, um - basierend auf einer strengen Qualitätscharta - die Weine ihrer Domänen unter einem gemeinsamen Label zu vermarkten.