Ticket-Anbieter Viagogo muss sich wegen seiner Geschäftspraktiken bald vor Gericht verantworten, wurde kürzlich bekannt. Gegen den Ticket-Anbieter wurden gleich zwei Klagen eingereicht, eine davon vom Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) am 21. September beim Handelsgericht Zürich. Hintergrund sind über 260 Beschwerden über die Plattform in den vergangenen beiden Jahren.

Die Probleme der Firma mit Sitz in Genf beschränken sich nicht nur auf die Schweiz. Auch in Grossbritannien und Spanien ist der Ticket-Wiederverkäufer ins Visier von Konsumentenschützern und Veranstaltern geraten. Und selbst vom anderen Ende der Welt droht Gefahr: Die australische Konsumenten- und Wettbewerbskommission wirft Viagogo Irreführung der Nutzer vor und plant eine Klage einzureichen.

Genervte Kunden

In Down Under bläst dem Ticket-Anbieter auch von anderer Seite kalter Wind entgegen. Die australische Verbraucherorganistion Choice zeichnete Viagogo nun mit einem Shonky aus. Diese Awards werden jährlich an Firmen vergeben, deren Produkte für Konsumenten ein grosses Ärgernis sind. Sei es, weil sie unzuverlässig funktionieren oder überhaupt keinen Nutzen haben.

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Viagogo habe sich die dubiose Ehre durch «zweifelhafte Praktiken, die Konsumenten auf die Palme bringen» verdient, so das Urteil. Hunderte genervte Kunden hätten sich bei Choice über deren Service beklagt, der «etwa so zuverlässig sei, wie ein Schwarzmarkthändler in einer finsteren Seitengasse.»

Geteilte Ehre mit Problemfall Takata

Einziger Trostpreis für die Ticketplattform: Sieben weitere Firmen haben sich in den letzten zwölf Monaten ebenfalls negativ verdient gemacht – und die Preise werden in keiner Reihenfolge verliehen. Das heisst, Viagogo ist ebenso negativ aufgefallen wie eine Gruppe von fünf Autobauern. Diese bekamen den Shonky, weil sie im Skandal um die defekten Takata-Airbags bei der Kommunikation versagt hatten.

Mit dem Preis der Verbraucherorganisation Choice aus Australien schliesst sich auch der Kreis in die Schweiz. Die zweite Klage stammt nämlich von der Westschweizer Konsumentenschutz-Organisation FRC. Bei ihr gingen seit Anfang Jahr knapp hundert Beschwerden gegen die Online-Plattform Viagogo mit Sitz in Genf ein. Die FRC erhob Klage bei der Genfer Staatsanwaltschaft.

«Verabscheuungswürdige Undurchsichtigkeit»

Auch die Vorwürfe gleichen denen aus Australien aufs Haar. Die Schweizer Konsumentenschützer werfen Viagogo Verstösse gegen das Bundesgesetz gegen den unlauteren Wettbewerb vor. Die FRC bemängelt den intransparenten Handel mit Tickets. Der Preis steige beim Kaufverfahren ständig an und der Endpreis werde den Käufern bis zum Schluss vorenthalten.

Zudem stimme die Anzahl der angebotenen Tickets oft nicht, kritisiert die FRC, wie sie in einem am vergangenen Dienstag erschienen Artikel des Magazins «Mieux choisir» festhielt. Sie sprach von einer «verabscheuungswürdigen Undurchsichtigkeit».

(jfr, mit Material der sda)