Credit Suisse-Verwaltungsratspräsident Urs Rohner setzt sich dafür ein, dass der Steuerstreit mit den USA gelöst wird. «Dass das Thema generell geregelt werden muss, darüber besteht kein Zweifel, und zwar spätestens seit die UBS, gestützt auf den UBS-Staatsvertrag, eine Einigung mit den US-Behörden erzielt hat», erklärt der CS-Banker im Gespräch mit der NZZ.

Aus seiner Sicht ist dabei auch eine auf den ersten Blick schmerzhafte Lösung für alle besser als keine Lösung. «Zu glauben, dass man dieses Problem auf die lange Bank schieben kann und dass es sich mit der Zeit von selbst löst, ist unrealistisch». Das werde nicht passieren. Rechtssicherheit in dieser Sache stelle zudem einen Wert dar. Er widersprach der Ansicht, dass die Banken nur darauf warten würden, Daten an die USA zu liefern. Dies sei ein falscher Eindruck. Richtig sei, dass Banken nicht wollten, dass man ihnen in Zukunft vorwerfe, sie würden Beihilfe leisten, wenn Kunden ihren Staat betrügen. «Die Toleranz gegenüber Steuerdelikten hat sich fundamental geändert. Es ist ein ökonomisch unsinniges und moralisch inakzeptables Geschäftsmodell, wissentlich unversteuerte Gelder anzunehmen», äusserte sich Rohner unmissverständlich. 

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Rohner verteidigt Politik

Für den Fall, dass keine generelle Regelung mit den USA zustande kommt, wäre nach Ansicht von Rohner jede Bank gut beraten, zu versuchen, eine Lösung auf individueller Basis zu erzielen. «Aber die Vorstellung, die zum Teil immer noch herrscht, das sei ein Problem von dreizehn Banken, und die anderen seien nur marginal betroffen, ist bestimmt falsch», so der CS-VRP. Die Liste der Banken könne jederzeit länger werden. «Und sollte eine Vereinbarung scheitern, nachdem man fast drei Jahre intensiv verhandelt hat, könnte das meines Erachtens zu einer Eskalierung des Streites führen», warnte er. 

Den Vorwurf, dass die Schweiz speziell schlecht verhandle, teilt Rohner nicht. Das amerikanische System sei ein auf Konflikt ausgelegtes Rechtssystem, wo beide Seiten ihre Interessen sehr hart vertreten müssten. Sein Eindruck sei, dass die Amerikaner am Schluss vernünftige Lösungen wollten und auch dazu stehen würden. Aber natürlich spiele die Macht der Behörden dabei auch eine Rolle. 

Bezüglich deutscher und französischer Kunden, welche unversteuerte Vermögen bei der CS haben, bekräftigte Rohner frühere Aussagen seiner Bank, wonach diese aufgefordert werden, ihre Steuersituation zu regularisieren. «Kunden, die das nicht tun wollen, werden die Konsequenzen ziehen müssen», so der Top-Banker weiter. Denn letztlich dürfe keine Bank wissentlich undeklarierte Vermögenswerte mehr annehmen. 

Mit Blick nach vorne gibt sich Rohner für den Finanzplatz einigermassen optimistisch: «Der Schweizer Finanzplatz hat mittelfristig sehr gute Perspektiven.» Voraussetzung dafür sei, dass die Vergangenheitsproblematik gelöst werde. «Ich erwarte, dass wir in den nächsten Jahren gerade auch im Vermögensverwaltungsgeschäft vermehrt Zuflüsse sehen werden.» Als Gründe dafür ortet Rohner nicht mehr die Steueraspekte, sondern die Professionalität und Attraktivität des Finanzplatzes sowie die Stabilität des Schweizer Systems mit seiner Währung. 

Die Politik müsse sicherstellen, dass die Rahmenbedingungen attraktiv blieben. «Wir brauchen eine klare und verhältnismässige Regulierung», so seine Forderung. Die Infrastruktur müsse zudem die nötigen Voraussetzungen für weiteres Wachstum schaffen. Und es sollten keine Steuern erhoben werden, die zu einer Verlagerung von Geschäften ins Ausland führten. Die Abschaffung der Schweizer Stempelsteuer wäre dabei gemäss Rohner ein «sehr wichtiges Signal».

(muv/tke/sda/awp)