Eternit-Opfer fordern die Aberkennung des Ehrendoktortitels, den der Schweizer Industrielle Stephan Schmidheiny von der US-Universität Yale verliehen erhielt, wie Handelszeitung in ihrer neusten Ausgabe schreibt. Die amerikanische Eliteuniversität verlieh 1996 dem Unternehmer und Multimilliardär Stephan Schmidheiny den Titel. Er habe grosse Verdienste in den Bereichen Nachhaltigkeit und Umwelt, begründete die Ivy-League-Uni ihren Entscheid. Nun aber steigt der öffentliche Druck auf Yale, dem Schweizer Milliardär die Ehrendoktorwürde wieder abzuerkennen.

Mitte 2013 verurteilte ein Berufungsgericht in Turin Schmidheiny zu einer Haftstrafe von 18 Jahren. Die Richter erklärten den ehemaligen Eternit-Chef Schmidheiny für den Tod und die Erkrankung von gegen 3000 italienischen Asbest-Opfern schuldig. Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Schmidheinys Anwälte haben Berufung vor dem Kassationsgericht in Rom eingelegt, das wohl noch in diesem Jahr entscheiden wird.

«Eine Frage der Würde»

Dennoch fordern Opferorganisationen wie die italienische AssociazioneFamiliari Vittime Amianto, dass Yale dem ehemaligen Eternit-Chef die Ehrendoktorwürde aberkennt. «Das ist eine Frage der Würde gegenüber den Tausenden von Asbestopfern», sagt ein Vertreter und erklärt, dass der Eliteuni zum Zeitpunkt der Titelvergabe nicht alle Fakten zum Eternit-Fall bekannt gewesen seien. Yale betont dagegen, dass der Ehrendoktor Schmidheinys gesamte Verdienste als Philantrop und Geschäftsmann würdige. Dazu zähle auch sein Engagement bei der Aufarbeitung der Asbestfälle. 

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