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Schmidheiny verspricht Aktionären sattes Kursplus

Thomas Schmidheiny: Der Zementbaron ist zuversichtlich für die Zukunft. Bloomberg

Thomas Schmidheiny äussert sich erstmals zur Grossfusion von Lafarge und Holcim. Harzig werde diese für die Führungsriege, sagt der Hauptaktionär. Anleger dürften dagegen mit sattem Kursplus rechnen.

Von Marc Iseli
am 12.06.2015

Zum ersten Mal seit der Ankündigung der Grossfusion von Holcim und Lafarge äussert sich Holcim-Hauptaktionär Thomas Schmidheiny. «Europa ist baumüde», sagt er in einem grossen Interview mit dem Wirtschaftsmagazin Bilanz. «Die limitierten Mittel werden eher für soziale Zwecke als für Infrastrukturprojekte eingesetzt.»

Für den Zementbaronen liegen die Wachstumschancen deshalb ausserhalb des alten Kontinents. Die Elefantenhochzeit mit dem französischen Konkurrenten Lafarge helfe dabei, diese Märkte zu erschliessen. «Holcim und Lafarge ergänzen sich geografisch optimal», meint Schmidheiny. «Die Lafarge-Aktionäre profitieren von unserer starken Position in Asien und Lateinamerika, wir profitieren vom Lafarge-Engagement im Mittleren Osten und in Afrika.»

Aktienkurs von 100 Franken

Schmidheiny, der rund 20 Prozent an Holcim hält, rechnet denn auch mit einer raschen Kurssteigerung. «Wir sollten relativ zügig einen Kurs um 100 Franken erreichen.» Heute liegt die Aktie bei 72 Franken. Auch erachtet er einen Betriebsgewinn «von sieben bis acht Milliarden Franken als sehr realistisch».

Einwände gegen die Fusion wischt der Urenkel des Holcim-Gründers vom Tisch. Die Franzosen seien zentralistisch geführt, die Schweizer dagegen dezentral, hiess es immer wieder. Die Firmenkultur passe nicht zusammen. Die Anlagestiftung Ethos machte deshalb sogar Stimmung gegen die Fusion, konnte sich letztlich aber nicht durchsetzen.

Für Schmidheiny ist das alles unsinniges Geschwätz: «Die Zentralismusdebatte stimmte so vor 20 Jahren, heute ist das passé.» Die Prozesse seien viel ähnlicher, als gemeinhin angenommen werde. «Die eigentliche Diskussion dreht sich um die 1500 Führungsposten an den Hauptsitzen in Zürich und Paris», sagt er. «Es wird Umsiedlungen geben.»

Zuversicht für Duo Lafont-Reitzle

In einem Punkt gibt der Zementbaron aber trotzdem nach: Die Aversion gegen den Zusammenschluss in Zürich und in Paris war auf beiden Seiten gross. «Aber die Feindbilder wurden abgebaut, seit wir Eric Olsen als CEO des neuen Konzerns bestimmt haben», sagt er.

Schmidheiny zeigt sich nicht nur zufrieden mit dem neuen CEO, sondern auch zuversichtlich für das Führungsduo Lafont-Reitzle. Bruno Lafont, der jetzige Lafarge-Chef, wird Co-Präsident des Verwaltungsrates. Die erste Geige im strategischen Gremium wird aber Wolfgang Reitzle, der derzeitige Verwaltungspräsident von Holcim, spielen. Diese Aufgabenteilung entspricht auch den Fähigkeiten der beiden, glaubt Schmidheiny. «Reitzle kommt von der Prozess- und Ingenieurseite, Lafont ist der Zementexperte. Für einen Konzern, der in 90 Ländern aktiv ist, sehe ich das als optimale Aufstellung. Irgendwo ist immer etwas los, und da kann Lafont Präsenz markieren.»

Schmidheiny äussert sich im Interview aber nicht nur zur Fusion mit Lafarge. Als St. Galler und Unternehmer ist er auch ein äusserst politischer Mensch. Und entsprechend lässt er sich aus der Reserve locken. Angesprochen auf die Beziehung der Schweiz zu Europa, sagt Schmidheiny deutlich: «Vermurkst haben wir die Geschichte mit der Abstimmung am 9. Februar 2014.»

Liechtenstein als Vorbild für die Schweiz

Der Zementbaron geht davon aus, dass die Schweiz nochmals über die Zuwanderung abstimmen wird. «Ich glaube», beginnt er, «dass das Volk am Ende nochmals abstimmen wird und wir zwei Varianten bekommen, eine schlimmere und eine weniger schlimme.» Die weniger schlimme sei kompatibel mit den Bilateralen.

Als Ultima Ratio, wenn die Schweiz in die Isolation driften sollte, bleibe sonst noch die Möglichkeit, dem Europäischen Wirtschaftsraum beizutreten, ist Schmidheiny überzeugt – und pustet damit den Staub von einer alten Diskussion. Im Dezember 1992 lehnte das Stimmvolk einen EWR-Beitritt knapp ab. Schmidheiny ist aber überzeugt: «Ein EWR-Beitritt wäre auch heute sicherlich keine dumme Idee.» Als Beispiel führt er Liechtenstein an. Das Fürstentum sei aufgrund der Zugehörigkeit politisch viel besser mit Europa vernetzt als die Schweiz.

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